Frankreich weitet Impfpflicht für Kinder aus

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Weniger Impfungen führen zu mehr Erkrankungen

Bisher mussten Kinder in Frankreich gegen drei Krankheiten geimpft werden. Seit dem Jahreswechsel gilt die Impfpflicht für elf Krankheiten. Die französische Regierung reagiert damit auf eine wachsende Impfskepsis.

Das Impfen gegen Kinderlähmung, Tetanus und Diphtherie war in Frankreich bereits vorgeschrieben. Ab dem 1. Januar müssen Neugeborene in den ersten zwei Lebensjahren auch gegen Masern, Mumps, Röteln, Hepatitis B, Keuchhusten, Meningokokken, Hämophilus Influenza B und Pneumokokken geimpft werden. Die Ausweitung wurde bereits im Juni des vergangen Jahren angekündigt und Anfang Dezember im Parlament beschlossen. Nur mit einem entsprechenden Impfnachweis dürfen Kinder in eine Kita oder in die Schule.

Dem Beschluss ging eine besorgniserregende Entwicklung voraus: Zwischen 2008 und 2016 wurden allein 24.000 Masernfälle gezählt. Etwa 1.500 Menschen starben an den Spätfolgen. "Kinder sterben heutzutage in Frankreich an Masern. Im Heimatland von Pasteur ist das nicht hinnehmbar", erklärte der französische Premierminister Edouard Philippe laut RP-Online in einer Regierungserklärung. 

Auch Gesundheitsministerin Agnès Buzyn steht angesichts zunehmender Impfskepsis hinter der Ausweitung der Impfpflicht. Jenseits der Impfung gehe es darum, "der Vernunft wieder zu Glaubwürdigkeit zu verhelfen, dem wissenschaftlichen Diskurs wieder seinen Sinn zu geben und gegen eine Art des Obskurantismus zu kämpfen", so Buzyn.

Tausende Todesfälle wegen fehlender Impfung in Deutschland

In Deutschland starben in den vergangenen zehn Jahren mindestens 190.000 Menschen an einer Krankheit, gegen die man impfen kann. Die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts (Stiko) empfiehlt Kinder gegen insgesamt 13 Krankheiten zu impfen. In einer Mitteilung wird klargestellt: "Impfungen gehören zu den wirksamsten und wichtigsten medizinischen Maßnahmen. Moderne Impfstoffe sind gut verträglich; bleibende gravierende unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) werden nur in sehr seltenen Fällen beobachtet."