Kommentar

Wenn der Moscheebesuch verweigert wird

Die Blaue Moschee in Istanbul
Die Blaue Moschee in Istanbul

Mehrere Medien schrieben bereits über den Fall: In Rendsburg meinte die Lehrerin einer 7. Gymnasialklasse, es sei sinnvoll, mit ihren Schülern die benachbarte Moschee zu besuchen. Es handelte sich um eine Aktion im Rahmen des Geographie-Unterrichts, Thema: "Der Orient – Machtfaktoren Wasser und Erdöl".

Einem 13-jährigen Schüler verboten dessen Eltern den Besuch in der Moschee aus weltanschaulichen Gründen. Das zog ein Bußgeldverfahren nach sich: Der Junge habe die Schule geschwänzt.

Dabei ist es das Recht – ja sogar die Pflicht – der Eltern, ihre Kinder vor religiöser Indoktrination zu schützen. Und genau das: Indoktrination ist Zweck einer jeden Moschee, eines jeden Tempels, einer jeden Kirche. Es wäre naiv anzunehmen, die Verantwortlichen der Moschee gestatte den Besuch der Schüler ohne missionarische Hintergedanken.

Ein pikantes Detail liegt in der Person des Anwalts der Eltern: Er ist einer der Initiatoren des Düsseldorfer Pegida-Ablegers namens Dügida. Dieses Detail aber darf keinen Einfluss auf die Wertung des Falls an sich haben. Trotzdem: Beifall von der falschen Seite ist misslich.

Interessant ist weiterhin die Haltung der Schule. Der Vater des Jungen hatte die Anfrage gestellt, ob sein Sohn nicht während des Besuches am Unterricht in einer anderen Klasse teilnehmen könne. Das wurde abgelehnt. Da fragt man sich, welche Intention dahinter steht - warum zwingt die Schule ihre Schüler gegen den Willen der Eltern zum Moschee-Besuch? Wird das gegenüber dem Islam als Kotau gesehen, dessen Ausführung sich aus Gründen der political correctness niemand entziehen darf? In diesem Fall wäre ein Disziplinarverfahren gegen die Schulleitung angemessen sein.

Kommentare (33)

Frauke (nicht überprüft)

Di. 1 Nov 2016 - 12:47

Wenn Eltern individuell entscheiden, welche weltanschaulichen Inhalte ihren Kindern "zuzumuten" sind, wie hier für gut befunden, können islamistische Fundamentalisten ihren Kindern auch den Sexualkundeunterricht verweigern. Der Besuch einer Moschee wird im Unterricht vor- und nachbereitet und die Unterstellung, es würde eine "Indoktrination" zugelassen, ist infam. Wie sollen unsere Kinder denn über Weltanschauungen unterrichtet werden? Nur am grünen Tisch?

pikweller (nicht überprüft)

Di. 1 Nov 2016 - 13:18

Antwort auf von Frauke (nicht überprüft)

Ich finde, Sie haben völlig recht. Außerdem muss man eine nichtreligiöse Einstellung schon für extrem labil halten, wenn sie schon durch einen Moscheebesuch ins Wanken gebracht werden kann.

Stefan Dewald (nicht überprüft)

Di. 1 Nov 2016 - 13:49

Antwort auf von Frauke (nicht überprüft)

»Wie sollen unsere Kinder denn über Weltanschauungen unterrichtet werden? Nur am grünen Tisch?«

Ja, das reicht. Bei den anderen Fächern und Lerninhalten ist das ja auch nicht viel anders. Noch ist ein Auslandsaufenthalt kein verpflichtender Bestandteil des Sprachunterrichts. Genauso wie Bombenbasteln nicht Prüfungsbestandteil des deutschen Chemie- und Physikunterricht ist.

Wenn Physik nur Bombenbauen wäre, stünde ich Praxisprojekten kritischer gegenüber. Da Physik mehr ist als das, finde ich Besuche von Wissenschaftseinrichtungen und praktische Experimente sinnvoll. Ebenso eine (kritische) persönliche Auseinandersetzung mit bisher nicht vertrauten Weltanschauungen. So bin ich zum Humanismus gekommen - über Humanisten und eine kritische Auseinandersetzung mit dem bisherigen Denken. Hätten meine Eltern das verbieten wollen? Vielleicht.

Stefan Dewald (nicht überprüft)

Di. 1 Nov 2016 - 13:51

Antwort auf von Frauke (nicht überprüft)

Außerdem geht es ja um etwas ganz anderes: Wenn zivilisierte Verachtung gegenüber beliebigen organisierten Weltanschauungen nicht hilft, dann muss Friedliche Koexistenz her. Unter Anwendung aller rechtsstaatlich erlaubten Mitteln.

Martin Mair (nicht überprüft)

Di. 1 Nov 2016 - 14:05

Antwort auf von Frauke (nicht überprüft)

Ja, schon der Titel des Projekts "Der Orient – Machtfaktoren Wasser und Erdöl" deutet auf eine eher kritische Auseinandersetzung hin. Ohne konkrete Informationen Andere zu beschuldigen, das verletzt die Unschuldsvermutung und natürlich die journalistische Sorgfaltspflicht.

Die Bestrafung der Eltern ist allerdings ziemlich unangemessen. Ich kann mich nicht erinnern, dass in meiner Schulzeit es solche Strafen wegen punktueller Schulschwänzerei gab. Vielleicht ist es nicht das erste Mal ...

Ohne die Kontextinformationen ist so was schwer beurteilbar. Alles ist möglich ...

Bolli (nicht überprüft)

Di. 1 Nov 2016 - 18:21

Antwort auf von Frauke (nicht überprüft)

Islamisch geprägte Eltern können ihren Kindern nicht nur den Sexualkundeunterricht verweigern, sie praktizieren das auch.
Gleiches betrifft den gemischten Schwimmunterricht. (Selbstverständlich in tollen modischen Badeanzügen)Welche Sanktionen wurden bislang in diesen Fällen durchgeführt?
Einen entsprechenden Medienrummel wollen unsere Politischen Weicheier sicherlich nicht. Ich orakel mal: Das Verfahren wird still und heimlich niedergeschlagen.

Dr. Jochen Lengerke (nicht überprüft)

Di. 1 Nov 2016 - 21:07

Antwort auf von Frauke (nicht überprüft)

@ Frauke
Nein: Widerstand gegen Sachthemen wie Sexualkundeunterricht ist nicht zu vergleichen mit Verweigerung eines Moschee-Besuchs.
Nein: Nicht die Benennung von Indoktrination ist infam, die Indoktrination selbst ist es.

@pikweller
Es gibt durchaus extrem labile Menschen, die in Moscheen pervertiert werden, etwa zu IS-Sympathisanten.

@Martin Mair
Der Titel des Projekts "Der Orient – Machtfaktoren Wasser und Erdöl" klingt kritisch. Wie aber passt ein Moschee-Besuch in diesen Zusammenhang?
Was die Unschuldsvermutung angeht: Gilt die nicht vor allem für die Eltern?

@Stefan Wagner
Auch die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt.

@Jo
Es ist nicht der h/pd, der hier geschrieben hat, sondern ich - als Kommentar gekennzeichnet.
"Dialog" bedeutet Austausch auf Augenhöhe, nicht die Beeinflussung von 13-jährigen durch muslimische / christliche / jüdische Prediger.
Eltern sollten sehr wohl das Recht haben, sich gegen religiöse Indoktrination ihrer Kinder zu wehren. Gewisse Denkweisen vergiften Kinder. Das gilt insbesondere für religiöse Dogmen.

Jo (nicht überprüft)

Mi. 2 Nov 2016 - 11:57

Antwort auf von Dr. Jochen Lengerke (nicht überprüft)

@Jochen Lengerke

"Nein: Widerstand gegen Sachthemen wie Sexualkundeunterricht ist nicht zu vergleichen mit Verweigerung eines Moschee-Besuchs."

Vielleicht wäre es gut, für so eine Aussage auch Argumente mitzuliefern.

"Nicht die Benennung von Indoktrination ist infam, die Indoktrination selbst ist es."

Nicht nur die Unterstellung ist bizarr, sondern auch die Vorstellung, das sei möglich: Wie genau soll bei einem einmaligen Moscheebesuch eine "Indoktrination" stattfinden? Wenn das so einfach ist, kann ja beim nächsten Mal etwas anderes besucht werden und plötzlich wechseln alle den "Glauben".

"Es ist nicht der h/pd, der hier geschrieben hat, sondern ich - als Kommentar gekennzeichnet."

Da es sich bei hpd.de um ein Medium mit einem Herausgeber und einer Redaktion handelt (http://hpd.de/redaktion), und da nicht jeder einfach etwas auf hpd.de veröffentlichen kann, sind die Beiträge dem Herausgeber und der Redaktion zuzuordnen: Auch wenn sie nicht direkt deren Meinung wiedergeben, unterliegt die Veröffentlichung wohl ihrer Verantwortung.

"'Dialog' bedeutet Austausch auf Augenhöhe, nicht die Beeinflussung von 13-jährigen durch muslimische / christliche / jüdische Prediger."

Als 13-jähriger in einer Gruppe mit Lehrer ist es also zu gefährlich. Ab welchem Alter darf man dann mit Geistlichen sprechen? Wie lange muss ein Mensch sie meiden, bis Sie den Menschen für mündig genug erklären?

Wolfgang (nicht überprüft)

Di. 1 Nov 2016 - 13:17

Ein Spinner hackt dem anderen kein Auge aus.

Religion stützt sich vor allem und hauptsächlich auf die Angst.
Bertrand Russell

Stefan Wagner (nicht überprüft)

Di. 1 Nov 2016 - 13:35

Was eine Moschee mit Wasser und Erdöl zu tun haben soll entzieht sich meiner Vorstellung.
Aber dass zur Indoktrination ein Besuch der Moschee genügt - war der Besuch zur Gebetszeit? - grenzt an magisches Denken. Es scheint mir eher paranoid, anzunehmen, die Verantwortlichen der Moschee gestatte den Besuch der Schüler mit missionarischen Hintergedanken.

Jo (nicht überprüft)

Di. 1 Nov 2016 - 13:54

Ich dachte eigentlich, es wären die Religiösen, die sich abschotten, keinen Dialog haben wollen und sich in ihre Filterbubble zurückziehen. Hier jedoch klingt es, als ob der HPD möchte, dass Eltern jetzt das Recht haben sollen, die Schulinhalte für ihre Kinder individuell auszuwählen. Und als ob Kinder lieber nicht mehr mit anderen Denkweisen in Kontakt kommen sollen. Das finde ich einigermaßen verstörend. Und bei Durchsetzung der Schulpflicht wird von "Kotau gegenüber dem Islam" geredet und nach Maßnahmen gegen die Schulleitung gerufen - diese Art von Schreibe kannte ich vom HPD eigentlich nicht.

Spannend wäre die Positionierung, wenn Eltern einem Kind aus "weltanschaulichen Gründen" den Besuch einer Synagoge untersagen.

Seh ich auch so. Atheismus sollte sich nicht ideologisch verhalten. Verzicht auf den Besuch von Kirchen u Moscheen aus Angst vor Infektion: da vertraut jemand nicht der Kraft des Humanismus

"...Dügida. Dieses Detail aber darf keinen Einfluss auf die Wertung...haben."
Hat aber ganz entscheidenden Einfluss! Wenn sich die Eltern von einem Anwalt aus der rechten Szene vertreten lassen u. diesen bezahlen, MUSS zuerst hinterfragt werden, ob das Moschee-Verbot für den fast erwachsenen Gymnasiasten evtl. gar nicht atheistisch/humanistisch motiviert war, sondern einer ebenfalls "braunen" Gesinnung der Eltern entspringt. Erst so wird ein Schuh daraus: Nur selbst mit religiotisch/weltanschaulicher Intoleranz "gesegnete" Eltern sind in der Lage, im einmaligen Besuch einer Moschee - im Rahmen des genannten geographischen Themas - die Gefahr der Indoktrination ihres Filius' zu wittern; sie sind wohl von der Angst "beseelt", ihr Sprössling könnte nach dem Besuch dort vom mit der Muttermilch aufgesogenen "rechten" Glauben abfallen - vielleicht einfach die Seite wechseln!
Da auch der Autor offenbar solchen Vorstellungen anhängt und damit den offenen, kritischen Kontakt mit fremden Kulturen/Religionen (Orient) schon in der Schule unterbinden will, sollte der hpd besser auf weitere Beiträge aus dieser Feder verzichten.

Elisa (nicht überprüft)

Di. 1 Nov 2016 - 16:37

Einen Moscheebesuch unter entspr. Anleitung finde ich (wie z.B. das Lesen religiöser Schriften wie den Wachturm u.ä.) sinnvoll, da Kinder lernen sollen, religiöse Indoktrination zu erkennen und mit ihr umzugehen. Dies wäre aber eher im Ethik-Unterricht passend gewesen.

Fggrfdg (nicht überprüft)

Di. 1 Nov 2016 - 18:22

Bitte dazu den Artikel "Bildungsauftrag statt Religion " von
Walter Otte vom 12. SEP 2013 im hpd lesen.
Schlagworte:
Gerichtsurteil Religionsunterricht Bundesverwaltungsgericht

Helga Baumann (nicht überprüft)

Di. 1 Nov 2016 - 19:33

Wer ist bloß der Autor dieses seltsamen und gar nicht humanistischen Beitrags? Warum steht er dieses Mal nicht dabei?

Der Autor des Kommentars ist Dr. Jochen Lengerke - das steht (wie immer) oben links und er hat auch bereits in einem Kommentar etwas dazu geschrieben.

Sim (nicht überprüft)

Di. 1 Nov 2016 - 19:39

Wenn im Rahmen eines Schulausflugs eine Moschee besucht werden soll, dann ist die Begründung, dass man dort nicht mitmachen möchte weil man sich vor Indoktrination fürchtet, schon ziemlich hahnebüchen. Man sollte aufpassen, dass man sich nicht lächerlich macht wenn man schon im Ansatz den Dialog fürchtet. Ich vermute die Eltern sind hier etwas querulantisch veranlagt. Hier gehts doch eher um Prinzipienreiterei anstatt eine ernste Auseinandersetzung mit der Materie. Der Schüler soll sich ruhig eine Moschee von innen angucken. Man sollte schließlich den Gegenstand kennen, den man kritisiert.

Also ich habe jedenfalls keine Sorge mit einem Moslem zu reden. Ich drehe den Spieß einfach um. Wenn ein Gläubiger meint mit mir über seinen Glauben reden zu müssen, dann muss der Gläubige aufpassen, dass er hinterher nicht selbst vom Glauben abfällt. Andersrum mache ich mir da wenig Sorgen. Und sollte es doch mal anders kommen, tja dann hat er vielleicht ja das ultimative Argument für Gott gefunden dem ich einfach nicht widerstehen konnte. Aber dann wäre ich da ja auch nicht böse drüber ;)

Götz (nicht überprüft)

Di. 1 Nov 2016 - 23:16

Die Schule hat vollkommen recht. Die Schule hat den Auftrag, den Kindern die Welt zu erklären. Zu dieser Welt gehören nun einmal auch Religionen und deren Versammlungsorte. Eltern müssen begreifen, dass deren Kinder nicht ihr Eigentum sind. Sie können deshalb nicht beliebig Unterrichtsinhalte streichen - weder den Biologieunterricht oder den Schwimmunterricht noch den Besuch einer Kirche oder eines Museums, wo vielleicht das Bild einer nackten Frau hängt.

Jo (nicht überprüft)

Mi. 2 Nov 2016 - 12:03

Falls jemand mal umfassendere Informationen dazu haben möchte:

http://www.shz.de/lokales/landeszeitung/schueler-fehlt-bei-besuch-in-moschee-eltern-sollen-strafe-zahlen-id15170746.html

http://www.shz.de/lokales/landeszeitung/ministerium-moscheebesuch-im-fach-erdkunde-ist-pflicht-id15203196.html

http://www.shz.de/lokales/landeszeitung/ministerium-moscheebesuch-im-fach-erdkunde-ist-pflicht-id15203196.html

Zu normaleren Zeiten wäre beim HPD vielleicht der Besuch wegen Milli Görüs kritisiert worden. Dazu, sich von Muslimen fernzuhalten ist meines Wissens hier noch nicht aufgerufen worden.

Roland Fakler (nicht überprüft)

Mi. 2 Nov 2016 - 12:03

Wenn man das Verhalten von Wasserflöhen studieren will, muss man halt mal an einen Tümpel gehen und schauen, was da abläuft. Deswegen muss man noch lange nicht zu einem Wasserfloh werden. Das heißt: Religionskunde sollte Religionsunterricht an den Schulen ersetzten. Dazu gehört auch, dass man sich andere Religionen mal näher anschaut.

Atheist Steinbrenner (nicht überprüft)

Mi. 2 Nov 2016 - 12:59

Die Anbringung eines Schulkreuzes in Klassenzimmern, ist nach Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes, sobald ein Schüler bzw. dessen Eltern dies missbilligen nicht statthaft ist. Auch wenn das Klassenzimmer dadurch keine geweihte Kultstätte ist, und auch wenn die Schüler nicht zum Gebet gezwungen werden.

Der Grundatz ist also dass Lernorte weltanschaulich neutral zu sein haben. Eine Moschee oder Kirche ist dies nicht. Wieso auch sollte man, wenn man sich im Geographieunterricht mit Wasser und Öl auseinandersetzt dieses Wissen in einem religiösen Kultraum vermitteln. Der Bezug zum Thema will sich mir nicht erschließen. Insofern muss dasselbe gelten wie generell für die Unterrichtsräume.

Wobei ich keinerlei Problem darin sähe, wenn im Rahmen des Ethikunterrichts oder Religionskundeunterrichts beispielsweise "Die Repräsentation Religiöser Vorstellungen in der Architektur und Symbolik von Kulträumen" thematisiert würde.

Eine bezuglose Verlagerung des Unterrichts dagegen unterläuft schlichtweg den Grundsatz, dass die Räume in denen Schüler lernen neutral sein sollen.

Angela (nicht überprüft)

Mi. 2 Nov 2016 - 17:36

Lieber einen objektiv gehaltenen, rein informativen Moscheebesuch mit entsprechender didaktisch gut durchdachter (auch kritischer) Vor- und Nachbereitung als vier todlangweilige (rein christlich indoktrinäre) Zwangsgottesdienste pro Schuljahr, wie ich sie in Bayern bis zum Abitur durchleiden durfte.
Die wohl rhetorisch gemeinte Frage eines Vorredners, was die lokale Mosche mit der Themenstellung "Der Orient – Machtfaktoren Wasser und Erdöl" zu tun hat, lässt sich sehr wohl mit "möglicherweise eine ganze Menge" beantworten: Die vielzitierten Petro-Dollars sind mitunter eine entscheidende Finanzquelle für teils sehr aufwendige Moscheeneubauten in der westlichen Welt (einschließlich Prediger stockkonservativer bis wahhabitischer Ausrichtung). Eine rein sachliche Thematisierung dieses Problemkomplexes im Unterricht wäre sogar ausgesprochen wünschenswert; gerne auch in Verbindung mit einem Unterrichtsgang in eine Moschee.
Darüber hinaus ist es angesichts zunehmender Säkularisierung und weltanschaulicher Pluralität in diesem Land sinnvoller, Jugendliche möglichst frühzeitig mit diesen Entwicklungen zu konfrontieren anstatt sie dumpf mit irgendeiner einzigen angeblich alleinseligmachenden Religion zu indoktrinieren. Eine frühzeitige Konfrontation mit anderen Weltanschauungen lässt die eigene, bzw. die der Eltern, immer relativ erscheinen und ist somit sogar ein wichtiger Beitrag für die Verbreitung von Aufklärung und Humanismus. In diesem Sinne hätte ich den obigen Beitrag eher auf der Fundi-Plattform "Idea" oder gar bei "Politically Incorrect" erwartet, als in einem Portal, das sich für Aufklärung und Humanismus einsetzt.

Ulf (nicht überprüft)

Do. 3 Nov 2016 - 02:49

Vielen Dank Herr Dr. Jochen Lengerke für ihren kurzen, dafür treffenden Beitrag. Erschreckend viele Punkte werden von ihren Kritikern in der Kommentarspalte negiert oder relativiert und der traurige Tiefpunkt ist die derzeit leider allgegenwertige Empfehlungssucht, wer, wo fürderhin noch seine Meinung vertreten darf und wer nicht.
Schlimm, dass man es im 21.Jhd.nach so langem, oft auch blutigem Kampf für die Meinungspluralität immer noch so oft wiederholen muss: In einer freien und liberalen Demokratie gibt es keine Meinungseinschränkung; Denk oder Thesenverbote, ausgenommen Aufrufe zur Abschaffung der grundgesetzlichen, freiheitlich liberalen Ordnung und Aufrufe zur Gewalt.
Jede Ideologie, jede Theorie, jede These und Meinung muss sich dem Streit stellen, argumentativ, Rede und Gegenrede zur Vervollkommnung aller und zum Bilden einer Meinung. Nur Diktaturen halten das Spektrum zulässiger Meinungen gering.
Zum Thema:
1. Wir haben auch eine negative Religionsfreiheit, selbstverständlich haben die Eltern das Recht, dem Besuch eines weltanschaulich nicht genehmen Tempels unter solch fadenscheinigen Begründungen wie oben, kritisch gegenüberzustehen oder gar abzulehnen v.a. dann wenn
2. Der genannte Lerninhalt im Fach Geographie in keinerlei grundsätzlichem Zusammenhang mit einem Besuch eines religiösen Gotteshauses in Deutschland steht oder wollte der Imam in der Rendsburger Moschee über Orient, Wasser und Öl referieren, dann kann er auch in eine weniger verfängliche Umgebung kommen, nämlich in die Schule.
3. Ein Dialog setzt Wissen und Kenntnis vorraus, ansonsten kann es sehr wohl auf eine Beeinflussung, Relativierung und Missionierung hinauslaufen
4. Gerade Kinder und Jugendliche sind mangels Erfahrung und Wissen empfänglich, manipulierbar und gegenüber Autoritäten kritiklos
5. Wenn schon ein Besuch einer Schulklasse in einer religiösen Stätte geplant wird, erwarte ich, dass zumindest die Lehrkräfte sich mit dieser Religion recht konkret auskennen, um eventuelle kritische Aussagen des Verkünders während des Besuches selbst zu hinterfragen.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass dieses Wissen oft nicht einmal ansatzweise vorhanden ist, deswegen ist auch stringent zu vermuten, dass eine kritische Nachbetrachtung nicht stattfinden würde.
Ich verweise hier besonders auf die, in einer Diskussion mit Muslimen zur ideologischen Verschleierung, fast immer hervorgebrachten gleichen Suren wie 2:256 oder 5:32 sowie 10:99 oder 109:1-6, um nur mal die Geläufigsten zu nennen.
Erinnert sei auch an solch, jüngst häufiger kolportierte Aussagen der Islam hätte die Frauen quasi erst gleichgestellt...
Wie sollen Kinder und Jugendliche gegen solche Indoktrinationen kritisch sein, wenn speziell dazu selbst die wenigsten Erwachsenen oder eben Geographielehrerinnen dazu dezidierte Aussagen treffen können?

Grüße

@Ulf:
Kann es sein, dass Sie Meinungen darüber, was als humanistische Position und als vom hpd vertretbar anzusehen ist, mit einem Ruf nach "Denkverboten" verwechseln? Aber es kann auch sein, dass ich Sie hier völlig missverstehe, ich bin für eine Klärung dankbar. Ich stimme mit Ihnen natürlich überein, dass jeder "sich dem Streit stellen" und Diskussionen zulassen sollte, insofern ist es natürlich absurd, einen Moscheebesuch prinzipiell verhindern zu wollen. Mit negativer Religionsfreiheit wäre hier natürlich zu argumentierern, wenn die Schüler in der Moschee zum Beten gezwungen werden sollten (oder vergleichbares), komischerweise ist davon bisher nichts zu lesen gewesen. Um die Begründung für den Besuch in der Moschee zu verstehen, müsste man diese Begründung natürlich erstmal kennen, Herr Lengerke hat jedoch nur den Titel der Unterrichtsreihe (oder der "Aktion?") genannt. Genausowenig wurde hier über die Unterrichtsvorbereitung berichtet.

Ulf (nicht überprüft)

Fr. 4 Nov 2016 - 02:56

Antwort auf von Jo (nicht überprüft)

Hallo Jo,
schön sie wieder hier zu lesen.
Zu ihrer Frage, Zitat: Kann es sein, dass Sie Meinungen darüber, was als humanistische Position und als vom hpd vertretbar anzusehen ist, mit einem Ruf nach "Denkverboten" verwechseln?
Wenn diese völlig privaten Meinungen, was eine humanistische Position in dieser hier besprochenen Frage ist, mit kaum verhüllten Rufen nach Schreibverboten für den Autor einhergehen, kann von einer Verwechslung, zu meinem Bedauern, keine Rede sein.
Desweiteren wurden in diesem, von mir kritisch gesehenen Beitrag, den Eltern unbekannterweise unterstellt, ihre Denkansätze in dieser Angelegenheit wäre "braune Gesinnung". Eine solche, ich kann es leider nicht anders nennen, Unterstellung, ist ganz sicher mit humanistischen Grundsätzen nicht vereinbar. In meinen Augen ist dies nichts weiter, als eine herabwürdigende, stigmatisierende Spekulation ad hominem.

Ein solcher Zirkelschluß entbehrt obendrein auch (nicht nur) historischen Fakten, da insbesondere der faschistische deutsche Nationalsozialismus der islamischen Ideologie äußerst aufgeschlossen gegenüberstand. Man meinte eine Art Wesensverwandschaft zu spüren. Prägend dafür u.a. Himmler´s Rede 1944 mit den Kernaussagen, "Ich habe rein gar nicht gegen den Islam"..."Eine für Soldaten praktische und sympathische Religion" Zitatende...
Und auch heute noch erfreut sich und dies ist leider ebenso keine Legende, Hitlers "Mein Kampf" in islamisch geprägten Ländern, nicht nur des nahen Ostens, einiger Beliebtheit. Eine arabische Übersetzung liegt seit geraumer Zeit vor (mind. 1963)und hat mehrere Neuauflagen erlebt. Erschreckend zudem im 21.Jhd. sowohl Hamas (Sunniten) als auch Hizbollah (Schiiten) in trauter Eintracht den rechten Arm erhebend bei Kampfappellen sehen zu müssen.

Doch ich schweife ab, zurück nach Rendsburg, in die norddeutsche Provinz. Aus meiner Sicht kann es sich bei einem solchen Vorgang höchstens um einen fakultativen Ausflug handeln, mithin zwingend freiwillig. Einer Verurteilung wegen Verletzung der Schulpflicht im Rahmen des Geographieunterrichtes ist zu widersprechen. Niemand darf von Staats wegen gegen seinen Willen gezwungen werden, sich über den allgemeinen Lehrplan in Ethik beispielsweise hinaus, mit einer Religion oder ihrer Ideologie zu beschäftigen, indem man deren Gotteshäuser besucht und/oder Ausführungen ihrer jeweiligen Verkünder folgen soll.
An eine kritische Diskussion war mit Sicherheit ebenso nicht gedacht und die Teenager auch nicht in der Lage dazu!
Toleranz einzufordern beinhaltet nicht, dass man diese in den Ritualtempeln der jeweiligen Religion bekunden muß. Toleranz ist nämlich keine Einbahnstraße. Diese einfache Regel scheint mir jüngst etwas stiefmütterlich behandelt zu werden.

Ihnen ein schönes Wochenende
Grüße

Kylling (nicht überprüft)

Fr. 4 Nov 2016 - 14:35

Antwort auf von Ulf (nicht überprüft)

Sehr wohldurchdachter Kommentar.

Ich möchte hinzufügen, dass die negative Religionsfreiheit auch keiner hochstehenden Rechtfertigung bedarf. "Find ich blöd" ist vielleicht nicht besonders durchdacht und unlocker, reicht aber völlig aus. Eine Moschee (Kirche/Tempel etc.) ist ein aktiver Sakralbau. Also ein Ort der unmittelbaren Begegnung mit dem jeweiligen Bekenntnis, in dem die Vertreter des Bekenntnisses die Präsenz des jeweiligen Geistwesens besonders betonen. Das muss kein Andersgläubiger oder Atheist mitmachen (dürfen natürlich schon). Das unterscheidet den Fall auch von dem verweigerten Schwimmbadbesuch aufgrund religiöser Gründe. Ein Schwimmbad ist keine Kultstätte wie eine Moschee/Kirche/Tempel, sondern neutral. Klar, die Eltern mögen hier eine (unsympathische) Mission haben. Darauf kommt es aber nicht an. Bei Besuch der örtlichen evangelischen Kirche oder des Kölner Doms hätte das gleiche gegolten.

Achim (nicht überprüft)

Mo. 14 Nov 2016 - 16:07

Antwort auf von Kylling (nicht überprüft)

"Negative Religionsfreiheit ist die Freiheit eines Menschen, zu keiner oder nicht zu einer bestimmten Religionsgemeinschaft zu gehören bzw. eine solche verlassen zu können und auch nicht zu einer Teilnahme an kultischen Handlungen, Feierlichkeiten oder sonstigen religiösen Praktiken gezwungen oder genötigt zu werden. Dazu gehören auch die Freiheit, die persönlichen religiösen/weltanschaulichen Überzeugungen nicht zu offenbaren, und das Recht, Eidesformeln in einer religiös/weltanschaulich neutralen Form abzulegen." (Wikipedia-Definition; ich bin für besserer Quellen natürlich offen.)

Mit all dem hat der hier kommentierte reine Besuch einer Moschee nichts zu tun. Das wäre natürlich anders, wenn verlangt worden wäre, dass alle Schüler im Rahmen des Besuchs dem Islam beitreten. Davon wiederum ist im Artikel nichts erwähnt.

Hallo Achim,

ihr Beitrag veranlasst mich, ein weiteres Mal Stellung zu nehmen, um ihnen den bereits dargelegten Standpunkt zu verdeutlichen. Sie irren, wenn sie meinen, dass erst der Beitritt zu einer Weltanschauung/Religion das verfassungsgemäß garantierte Recht der Eltern(Artikel 6 Abs. 2 S. 1 GG) tangiert. Der Bereich ist viel weiter gefasst.

Noch einmal zur Klarstellung der juristischen Seite dieser Aussage, ich zitiere aus: Kommentare zum Grundgesetz Mangoldt/Klein/Starck-Robbers, zu Art.6,Abs. 2, Randnummer.204 mit weiteren Nachweisen zur Rechtsprechung): Eltern haben das Recht, ihren unmündigen Kindern die von ihnen für richtig gehaltene weltanschauliche Überzeugung zu vermitteln und entsprechend auch die Kinder von Glaubensüberzeugungen fernzuhalten, die ihnen falsch oder schädlich erscheinen.

Der Schule respektive das Kieler Bildungsministerium verwies indirekt mit Zitierung des Schulgesetzes auf den Inhalt des Besuches der Moschee, nämlich: Die Schule soll die Offenheit gegenüber religiöser Vielfalt fördern...
Hier begibt man sich bereits auf dünnes Eis, denn es ist ebensowenig Aufgabe des Staates, schon gar nicht die seiner Schulen, unreflektiert religiösen Ideologien gegenüber Offenheit zu fordern, noch diese zu bewerten oder eben mit Besuchen in deren rituellen Einrichtungen quasi zu rehabilitieren.
Man sollte vielmehr lehren (in Ethik z.B.), anderen Menschen das Recht zuzugestehen, so leben zu können, wie sie innerhalb des (Grund)gesetzlichen Rahmens möchten. Aber noch einmal: Ihre Ideologien auf positive oder negative Weise nahezubringen, ist nicht die Aufgabe!

Die schnell nachgeschobene Aussage, es wäre um fremde Kulturen gegangen setzt in Konsequenz faktisch Religion mit Kultur gleich. Eine Aussage die ich strikt ablehne, Religion ist höchstens Teil einer Kultur. Niemand würde, völlig zu Recht, auf die Idee kommen, mit einer Schulklasse, die in Geografie gerade die Vereinigten Staaten behandelt, ein Gebäude der Scientology Kirche Hamburg e.V oder meinetwegen einen Mormonentempel aufzusuchen.

Die (auch nur vermutete) Erklärung, die in einem Kommentar getätigt wurde, es wäre um die Architektur gegangen, nehme ich auf Grund der Aussagen zur Sache seitens der Schulleitung oder des Ministeriums nicht ab.

Wohlweislich verschwiegen wurde ebenso, ob sich die Klasse mit einem islamischen Theologen in der Moschee treffen sollte. Dies wäre zur weiteren Einschätzung des Vorganges aber grundsätzlich von Bedeutung. Auf Grund meiner persönlichen Erfahrungen mit islamischen Gotteshäusern gehe ich aber bis zum Beweis des Gegenteiles strikt davon aus.
Achim und einige andere hier, ich nehme zur Kenntnis wie sie interpretieren, man kann aber genau so stringent zu anderen Schlüssen kommen. Schauen sie nachfolgend in das Beispiel eines Schulbesuches nur wenige hundert Kilometer westlich von Rendsburg, eine Übersetzung ist kaum nötig:

http://www.dedalfsermarskramer.nl/obs-vinkenbuurt-maakt-kennis-met-andere-culturen/

Übrigens auch hier ließ es sich der Imam nicht nehmen, die Kinder selbst in die Grundlagen des Islams einzuweihen. Wer angesichts dessen (und des Bildes) meint, dass die Kinder vorher oder nachher auch mit negativen oder zumindest fragwürdigen zentralen Glaubensinhalten des Islams konfrontiert wurden, dem steht dies frei, ich weiß es ebensowenig endgültig, doch Zweifel seien mir gestattet.
Grüße

Käthe (nicht überprüft)

So. 6 Nov 2016 - 15:17

Antwort auf von Ulf (nicht überprüft)

Theoretisch, ganz theoretisch, ist ihre Forderung, dass man ein Kind nicht zu einem Moscheenbesuch zwingen dürfe. Da wäre ich vollkommen bei Ihnen, dies gilt ebenso natürlich auch für Kirchen - sofern es um Gottesdienste u.ä. ginge.
Und genau da sehe ich den Unterschied, den Sie meiner Interpretation ihres Kommentares nach zu urteilen in keinster Weise berücksichtigt haben:
Der Besuch eines Gebäudes ist nicht gleichzusetzen mit der erzwungenen Teilnahme an einem Gebet!
Ich besuche für meinen Teil z.B. gerne Kirchen, mir gefallen die Gebäude schlichtweg. Daraus zu folgern, dass ich deswegen ein Hardcore-Christ wäre, fände ich dann verwegen.
Ich bin Atheist. Und ein Kirchenbesuch bedeutet für mich nicht, dass ich einem Gottesdienst beiwohne und die obskuren Aussagen der Kirchenobrigkeit gutheiße.
Wenn man dazwischen nicht differenzieren kann, wird die komplette Diskussion ziemlich unnütz.
Daher nehme ich mir die Freiheit, einige ihrer Aussagen in diesem Kontext zu betrachten:

"1. Wir haben auch eine negative Religionsfreiheit, selbstverständlich haben die Eltern das Recht, dem Besuch eines weltanschaulich nicht genehmen Tempels unter solch fadenscheinigen Begründungen wie oben, kritisch gegenüberzustehen oder gar abzulehnen''

Das gelte, wie schon gesagt, wenn es sich hier um eine Teilnahme am Gebet handeln würde.
Bildungsinhalte, die den Orient betreffen, als "fadenscheinig" darzustellen, kommt mir schon wieder merkwürdig vor.

https://www.cornelsen.de/bgd/97/83/06/06/46/73/9/9783060646739_x1IN.pdf

"Der Islam", sowie "Pilgerstädte Mekka und Medina" sind dabei Unterpunkte des Unterrichtsinhaltes, die Lehrerin schien sich schlicht am Lehrplan zu orientieren.

Weder im Kommentar von Herrn Lengerke, noch sonst im Internet finde ich konkrete Informationen dazu, wie der Moscheebesuch geplant war. Das sollte man bei seiner Argumentation beachten.
Das einzige, was ich zu dem Fall im Internet finde, ist die Aussage auf dem Mahnbescheid, dass der Besuch nicht im Rahmen des Religionsunterrichtes stattfand, sondern eine rein informative Schulveranstaltung gewesen sei und die Eltern deswegen das Kind nicht vom Unterricht fernhalten dürfen.
Selbst wenn diese Aussage auch noch wenig konkret ist, so klingt es für mich persönlich doch so, als ginge es keineswegs darum, das Kind zum islamischen Gebet zu zwingen.
In Moscheen wird nicht rund um die Uhr "verkündet", viele Moscheen bieten Öffnungszeiten in denen man sich dort umschauen kann. Genauso wie man eben auch eine Kirche betreten kann, ohne dass man direkt gezwungen ist, einem Priester/Pfarrer zuzuhören. Zu den Gottesdienstzeiten ist die Kirche meist nicht für den Publikumsverkehr offen und ich gehe davon aus, dass es bei einer Moschee ähnlich ist.

"2. Der genannte Lerninhalt im Fach Geographie in keinerlei grundsätzlichem Zusammenhang mit einem Besuch eines religiösen Gotteshauses in Deutschland steht oder wollte der Imam in der Rendsburger Moschee über Orient, Wasser und Öl referieren, dann kann er auch in eine weniger verfängliche Umgebung kommen, nämlich in die Schule."

S.o., es steht eben doch in einem Zusammenhang.

"3. Ein Dialog setzt Wissen und Kenntnis vorraus, ansonsten kann es sehr wohl auf eine Beeinflussung, Relativierung und Missionierung hinauslaufen"
In wiefern soll das im Rahmen eines Moscheenbesuchs denn passieren? Relativierung, weil man sich sachlich mit etwas auseinandersetzt? Sollen wir jetzt auch das 3. Reich aus dem Lehrplan streichen - insbesondere natürlich auch Besuche von Konzentrationslagern - weil das die Taten Hitlers relativiert?
Das ist doch Unsinn.
Und glauben Sie ernsthaft, dass alleine das Betreten eines Gebäudes dazu führt, dass der Schüler von der Religion beeinflusst wird und eine Missionierung stattfindet?

"4. Gerade Kinder und Jugendliche sind mangels Erfahrung und Wissen empfänglich, manipulierbar und gegenüber Autoritäten kritiklos"

Jein. Richtig ist, dass Kinder definitiv empfänglicher sind für Manipulationen, für radikales Gedankengut etc., aber ich glaube sie unterschätzen Kinder doch immens, wenn Sie glauben, dass ein Gebäude alleine eine solche Auswirkung auf deren Gedankengut haben könnte. Diese Denke würde ich schon eher in Richtung "Paranoia" einordnen.

"5. Wenn schon ein Besuch einer Schulklasse in einer religiösen Stätte geplant wird, erwarte ich, dass zumindest die Lehrkräfte sich mit dieser Religion recht konkret auskennen, um eventuelle kritische Aussagen des Verkünders während des Besuches selbst zu hinterfragen."

Woher wissen sie denn, dass die Lehrkraft sich damit nicht auskennt? Und von welchem Verkünder reden Sie? Es geht hier nicht um einen religiös motivierten Besuch zum Gebet, sondern um einen Moscheenbesuch!

"Niemand darf von Staats wegen gegen seinen Willen gezwungen werden, sich über den allgemeinen Lehrplan in Ethik beispielsweise hinaus, mit einer Religion oder ihrer Ideologie zu beschäftigen, indem man deren Gotteshäuser besucht und/oder Ausführungen ihrer jeweiligen Verkünder folgen soll."

Gehe ich Recht in der Annahme, dass sie aus gleichen Gründen auch vollkommen akzeptabel finden, wenn evangelikale Eltern ihre Kinder vom Biologieunterricht fernhalten (Evolution) oder muslimische Eltern das Kind den Besuch vom Sexualkundeunterricht verbieten wollen?
In deren Augen ist das nämlich auch nur Ideologie. Und sachliche Aufklärung, Wissensvermittlung etc. entsprechend unerwünscht.

"Desweiteren wurden in diesem, von mir kritisch gesehenen Beitrag, den Eltern unbekannterweise unterstellt, ihre Denkansätze in dieser Angelegenheit wäre "braune Gesinnung". Eine solche, ich kann es leider nicht anders nennen, Unterstellung, ist ganz sicher mit humanistischen Grundsätzen nicht vereinbar."

Es steht sogar im Kommentar:
Ein pikantes Detail liegt in der Person des Anwalts der Eltern: Er ist einer der Initiatoren des Düsseldorfer Pegida-Ablegers namens Dügida.
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Die Eltern werden sich ihren Anwalt schon bewusst ausgesucht haben. Zusammen mit der Tatsache, dass sämtliche Informationen zu diesem Sachverhalt von mir nur auf rechten Seiten gefunden wurde, finde ich es schon naheliegend, eine gewisse "braune Gesinnung" zu unterstellen.

"Wenn diese völlig privaten Meinungen, was eine humanistische Position in dieser hier besprochenen Frage ist, mit kaum verhüllten Rufen nach Schreibverboten für den Autor einhergehen, [...]."
In wiefern ist das denn tatsächlich illegitim?
Es wurde kein Schreibverbot gefordert und an keiner Stelle verlangt, dass der Autor seine Meinung nicht sagen darf. Aber ja, es wurde - und meiner Meinung nach vollkommen berechtigt - hinterfragt, ob der HPD der richtige Ort ist für rechtspopulistische Meinungsartikel.

Der Islam und der Humanismus ist eine sehr schwierige Thematik. Schnell landet man mit der Kritik dort, wo man eigentlich nicht landen möchte. Und zwar auf der Seite menschenverachtender Rassisten.
Umso wichtiger ist es, dass Humanisten vorsichtig damit umgehen und sich klar und deutlich vom fremdenfeindlichen Gedankengut distanzieren.
In der heutigen Zeit wichtiger denn je.
Nur mit sachlicher Auseinandersetzung, Toleranz und Wissensvermittlung kommen wir an der Stelle weiter und können Kinder davor schützen, in die Fänge solcher Ideologien zu geraten.
Paranoia und Ausgrenzung sind hingegen eher kontraproduktiv einzuordnen.

Zu unterstützen, wenn Menschen aus rein fremdenfeindlichen Gründen ihrem Kind verbieten wollen, andere Kulturen kennen zu lernen, das kann und sollte von humanistischer Seite nicht gutgeheißen werden!
Natürlich ist es nicht sicher, ob es wirklich fremdenfeindliche Gründe waren, aber leider spricht viel dafür und wenig dagegen und so muss man dies doch wenigstens miteinbedenken, bevor man seine Stellungnahme abgibt.

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