OBERHAUSEN. (hpd) Ich habe die Eintrittskarte in der Hand und komme in den ersten Raum. Das erste was mir natürlich auffällt ist das Bild mit dem Bär, dem Tiger und seiner Tigerente. Die Drei sind echt das beste Werk von Janosch, denke ich. Dachte ich. Das war einmal. Die Ausstellung war eine Überraschung für mich.
Was hätte ich auch anderes denken sollen: Wenn ich ehrlich bin, sind die drei Figuren auch das Einzige, was ich von Janosch kenne. Und das auch nur aus der Fernsehshow „Tigerenten Club“, die ich früher oft gesehen habe.
Wer damit rechnet, nur etwas über Kinder- und Bilderbücher zu erfahren, wird positiv ganz neue Perspektiven an Janosch entdecken. Neben verschiedenen Bildern sind auch Karikaturen und Entwurfszeichnungen zu sehen. Die bekanntesten Figuren, den Bär, den Tiger und die Tigerente, kennt wohl jeder aus seiner Geschichte „Oh, wie schön ist Panama“. Aber seine Ausstellung in Oberhausen bietet mehr:
Neben jeder Zeichnung hängt ein kleines Informationsschild, das erklärt wie seine jeweilige Zeichnung heißt, zu welcher Geschichte sie gehört, oder ob es (nur) eine Karikatur, Entwurfszeichnung ist.
Natürlich fand ich die Zeichnungen zu der Geschichte „Oh, wie schön ist Panama“ am Anfang am besten. Ich kannte die Figuren ja schon und die Geschichte ist auch eine gute Idee. Sie erschien 1978 und ist 1979 schon direkt in der Kategorie „Bilderbuch“ mit dem deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichnet worden. Es geht um die Freundschaft des kleinen Bären und des Tigers und zeigt „wie schön das eigene Zuhause sein kann“. Die Tigerente ist aber natürlich auch dabei. Sie begleitet den Tiger ins „Land der Träume“.
Die Ausstellung ist über drei Etagen verteilt und man kann an den Wänden zwischendurch verschiedene Schilder sehen, die einen z.B. über seine Biografie oder über seinen Illustrationsstil informieren.
Neben den Bildern der Geschichte „Oh, wie schön ist Panama“ finde ich persönlich aber auch noch die Geschichte von dem „Wettlauf zwischen Hase und Igel“ sehr gut. Die meisten kennen die Geschichte wahrscheinlich nur als die berühmte Fabel, aber Janosch hat sie so verändert, dass die Geschichte auch für die Älteren noch interessant ist. In seiner Variation der Geschichte fordert der Hase den Igel zu einem Wettrennen auf und läuft noch viel weiter, als er eigentlich müsste um „noch mehr zu gewinnen“. Er rennt und rennt. Der Igel dagegen will sich noch ganz gemütlich seine Turnschuhe holen und hat den Wettlauf schon nach den ersten Schritten vergessen. Stattdessen macht er sich mit seiner Frau einen schönen Tag am See.
Sein Leben leben
Meiner Ansicht nach will Janosch sagen, dass es im Leben nicht darauf ankommt, immer der Schnellste und Beste zu sein und einer Idee oder Aufgabe hinterher zu rennen (der Hase bezahlt seinen Siegeswillen mit dem Tod), sondern sein Leben den eigenen Wünschen und Bedürfnissen gemäß zu leben.
Die ganz kleinen Besucher können sich einige seiner Geschichten auch anhören. Darunter auch „Das große Schnuddel-Hörbuch“.
Wie in seiner Version von dem Wettlauf des Hasen und des Igels „versteckt“ Janosch auch in seiner Version vom „tapferen Schneiderlein“ eine Botschaft. In dieser Geschichte mutiert der Fliegentöter zu einem brutalen Soldaten. Diese Geschichte soll meiner Ansicht nach zeigen, dass der Wunsch, stark sein zu wollen, schnell zu grenzenloser Selbstüberschätzung und Gewaltbereitschaft führen kann.
Interessant fand ich den Film über das Leben von Janosch (Horst Eckert). Dieser Film berichtet über ihn selbst, seine Eindrücke und Erfahrungen als Kind und junger Mann. In diesem Film wird deutlich, dass Janosch mit Hilfe seiner Kinderbücher und Zeichnungen seine schlechten Erfahrungen als junger Mensch verarbeitet hat.
So hat Horst Eckert seine eigene Bibel konzipiert, in der er zeigen will, dass die Kirche, wie er sie erlebt hat und auch heute noch wahrnimmt, die natürliche Menschlichkeit für übergeordnete Dogmen opfert. So malt er zum Beispiel einen Menschen, der die Kirche als Last auf seinem Kreuz kaum tragen kann. Seine Kritik an die Kirche geht so weit, dass der ehemalige bayrische Ministerpräsident, Edmund Stoiber, sogar forderte, die Kinderbücher von Janosch aus den Kinderzimmern zu entfernen. 
Neben dem Thema „Kirche und Mensch“ behandelt er in seinen Darstellungen auch die Beziehungen zwischen Mann und Frau.
Ich persönlich bin eigentlich nicht der Kunst-Typ, aber im Nachhinein bin ich echt froh, dass ich in die Ausstellung gegangen bin. Kunst hat für mich dadurch eine andere Bedeutung bekommen. So wie manche Sänger sich durch ihre Songs ausdrücken, drücken Künstler ihre Meinung durch ihre Werke aus. Ich kann diese Ausstellung nur empfehlen.
Sie lohnt sich wirklich.
Hannah Stienen
Hannah ist eine 12jährige, sehr musikalische Schülerin, die zum ersten – aber hoffentlich nicht letzten! – Mal für den hpd schreibt.
Die Janosch-Ausstellung Panama und andere Welten im Großen Schloss der Ludwiggalerie Oberhausen geht vom 26. September 2010 bis zum 9. Januar 2011 und ist dienstags bis sonntags 11:00 Uhr bis 18:00 Uhr geöffnet und nur montags und am 24., 25. sowie 31.12.2010 und 01.01.2011 geschlossen.





