„Eröffnung des monistischen Jahrhunderts”

Der I. Internationale Kongress des Deutschen Monistenbundes

Vom 9. - 11. September 1911 fand in Hamburg, vor allem auf Initiative des Vorsitzenden des Deutschen Monistenbundes (DMB) Wilhelm Ostwald, der Erste Internationale Monistenkongress, der gleichzeitig die 5. Hauptversammlung des Deutschen Monistenbundes war, statt.

 

Die Hamburger Ortsgruppe war mit der Vorbereitung und Organisation beauftragt und warb erhebliche Finanzen zur Durchführung ein. Mit über 2.000 Personen, die daran teilnahmen, hatte niemand gerechnet. Es übertraf bei weitem die Erwartungen der Organisatoren. Nicht nur die freigeistigen Verbände des Weimarer Kartells, sondern auch zahlreiche Delegierte aus Frankreich, Österreich, Rumänien, Spanien und den USA übermittelten Grüße und Glückwünsche.

Auch für die Vortragsreihe waren internationale Gäste eingeladen. Heinrich Schmidt aus Jena las einen Vortrag Haeckels über „Die Fundamente des Monismus”. Der Astrophysiker und Nobelpreisträger Svante Arrhenius aus Stockholm trat mit einem Vortrag über das Weltall an das Rednerpult. „Das Leben” war das Thema des New Yorker Jaques Loeb vom Rockefeller-Institut. Der Wiener Philosoph Friedrich Jodl sprach über das Thema „Der Monismus und die Kulturprobleme der Gegenwart”.

Für Ostwald war das wichtigstes Ergebnis aus Jodls Rede, dass klar herausgestellt wurde, dass der Monismus nicht nur eine „naturwissenschaftlich begründete”, sondern künftig eine „wissenschaftlichen Weltanschauung” sei. Jodl sei der „erste Geisteswissenschaftler, der die Dämme durchbrochen und die Einheit der Wissenschaft vor aller Welt hergestellt” habe. Wenn Ethik wissenschaftlich erwiesen das Soziale beeinflusse, dann müsse sich der Monismus mit seiner wissenschaftlichen Weltanschauung den sozialen Aufgaben widmen, fasste Ostwald das Ergebnis dieses Vortrags zusammen.

Ein weiteres wichtiges Thema war die Trennung von Staat und Kirche, dem sich der Prager Jurist Ludwig Wahrmund widmete. Ostwald behandelte in seinem Vortrag „Die Wissenschaft”. Zum Schluss kam Ernst Horneffer, der sich der Nietzsche-Forschung widmete, zu Wort. Er sprach über „Monismus und Freiheit”.

Dieser erste Kongress konnte als großer Erfolg verbucht werden. Ostwald war begeistert und beendete den Kongress mit den Worten: „Hiermit schließe ich den ersten Internationalen Monistenkongress und eröffne das Monistische Jahrhundert”.

Am darauffolgenden Tag (12. September) machten sich 250 Teilnehmer des Kongresses auf den Weg  nach Jena. Während der Fahrt im Sonderzug konstituierte sich das Weimarer Kartell neu, wählte als künftigen Sitz Frankfurt a.M., als Vorsitzenden Arthur Pfungst und als Stellvertreter Wilhelm Ostwald.

Ostwald besuchte mit einer kleinen Abordnung den immerhin schon 77jährigen Haeckel. Mit einem Fackelzug der Delegierten zu seinem Wohnhaus brachten sie ihm ihre Referenz dar.

Der Kongress hinterließ außerordentliche Wirkungen. Deutschlandweit berichteten die Zeitungen ausführlich über diesen Kongress. Die „Münchner Allgemeine Zeitung” musste am 7. Oktober 1911 zugeben, „dass es für die Folge nicht mehr möglich sein wird, an dieser Bewegung vorüberzugehen.”

Der wichtigste Beschluss auf dem Hamburger Kongress beinhaltete die Schaffung einer internationalen Organisation des Monismus. Dabei versuchte man in einem ersten Schritt eine Zusammenarbeit mit den bestehenden Freidenker-Organisationen zu realisieren. Dies sollte vor allem durch Austausch von Vereinsschriften, Statuten und Informationen erreicht werden.