Er beginnt am christlichen Glauben zu zweifeln

Thomas Mann

* 6. Juni 1875 in Lübeck, Δ 12. August 1955 in Kilchberg bei Zürich;
deutsche Schriftsteller; er zählt zu den bedeutendsten Romanciers und Essayisten des 20. Jahrhunderts.

Seine Erzählungen und Romane beschreiben das Ende des bürgerlichen Zeitalters. Nicht nur in seinen Werken trat er als Verteidiger der europäischen humanistischen Kultur auf und wurde zu einem wortmächtigen Gegner des Nationalsozialismus.

Der Sohn einer Lübecker Kaufmannsfamilie entdeckt schon früh sein Talent zum Schreiben. Mit der Volljährigkeit durch das väterliche Erbe auch finanziell unabhängig, wird er 1896 freier Schriftsteller. Bereits sein erster großer Roman, „Die Buddenbrooks”, den er im Juli 1900, mit gerade 25 Jahren, abgeschlossen hat, wird zum Welterfolg und bringt ihm später auch den Literaturnobelpreis ein.

Politisch ist er zunächst sehr konservativ eingestellt, mit den Ideen von Freiheit, Gleichheit, Demokratie und Fortschritt vermag er nichts anzufangen. Das ändert sich erst zu Beginn der 1920er Jahre. Unter dem Eindruck der Ermordung des Außenministers Walther Rathenau durch Rechtsextremisten tritt er 1922 mit seiner Rede „Von deutscher Republik” erstmalig als Befürworter der Demokratie hervor. Nur in der Demokratie sei das Prinzip der Humanität als Grundlage des menschlichen Zusammenlebens zu verwirklichen. Entsprechend kritisch reagiert er 1930 auf den Aufstieg der NS-Bewegung und hält in Berlin seine "Deutsche Ansprache. Ein Appell an die Vernunft", in der er das Bürgertum zur Aussöhnung mit der Arbeiterbewegung aufruft, um den Siegeszug der Nationalsozialisten zu verhindern.

1933 geht Mann schweren Herzens ins Exil, der Verlust der Heimat macht ihn buchstäblich krank, er geht durch eine Phase der Depression. 1938 folgt er einem Ruf in die USA und wird Dozent an der renommierten Universität von Princeton. Während des Krieges wendet er sich mit Rundfunkansprachen an die „Deutsche(n) Hörer”. 1944 wird er amerikanischer Staatsbürger, er entscheidet sich, nicht nach Deutschland zurückzukehren. Allerdings vertreiben ihn 1952 die Aktivitäten des Komitees für unamerikanische Umtriebe, das ihn als Sympathisanten des Kommunismus verdächtigt, aus den USA. Er geht in die Schweiz, besucht aber Deutschland einige Male.

Zeit seines Lebens beschäftigt sich Mann mit religiösen Fragen und dem Problem der Moral. Im Verlauf seiner politischen Wandlung, beginnt er auch am christlichen Glauben, der ihm lange Zeit wichtig war, zu zweifeln. Er ist jedoch niemals aus der evangelischen Kirche ausgetreten.

Zitat:
„Ich wüsste tatsächlich nicht zu sagen, ob ich mich für einen gläubigen Menschen halte oder für einen Ungläubigen. Was aber verlangt man, dass ich glaube? Ein Gott, der das Einstein'sche All geschaffen hat und dafür Anbetung und grenzenlose Unterwerfung verlangt?”