Säkulares Europa - Integrative Werteerziehung

KLINGBERG. (hpd) Angeregt durch den „Kulturkampf" in Berlin stand der gemeinsame Werteunterricht für alle als staatliche Vorsorge für die Integration kulturell und religiös unterschiedlicher Gruppierungen in der EU versus getrennten Bekenntnisunterricht im Mittelpunkt der Tagung.

 

Mit diesen Thema beschäftigten sich 34 Teilnehmer einer internationalen Tagung des Dachverbandes Freier Weltanschauungsgemeinschaften in Zusammenarbeit mit der European Humanist Federation in der Jugend- und Bildungsstätte Klingberg/Scharbeutz vom 21. - 23.11.08.

Teilnehmer aus vier europäischen Ländern berichteten über die unterschiedlichen Gegebenheiten in ihren Ländern und an den Europaschulen hinsichtlich eines integrativen Unterrichts für Werteerziehung in Europa.

Unter der Tagungsleitung von Horst Prem referierten Dr. Volker Mueller über „Integrative Werteerziehung als europäische Aufgabe", Werner Schultz über "Integrativer Ethikunterricht und Humanistische Lebenskunde in Berlin", Peter Kriesel: zu "Nichtdiskriminierung - eine Bestandsaufnahme zum so genannten Ersatzfach Ethik", Dimitri Sfingopoulos: über "Position der EU-Kommission und der EHF zur Werteerziehung in Europa", Andrew Copson über "Überkonfessionelle Werteerziehung in England" und Tryntsje de Groot zu "Erziehung zu Nichtdiskriminierung und Toleranz in Holland".

So unterschiedlich die nationalen Gesetze und Gegebenheiten auch sind, scheint Deutschland eine Sonderstellung innerhalb der EU einzunehmen. In Deutschland stiehlt sich der Staat aus der Integrationsaufgabe, indem er den Religionsgemeinschaften den konfessionellen Werteunterricht zuordnet und damit Parallelgesellschaften begünstigt. Die staatliche Integrationsaufgabe ist in England, Belgien und den Niederlanden unstrittig.

Über Inhalt und Gestaltung eines Werteunterrichts aus humanistischer Sicht, der in Deutschland als „Konkurrenzprodukt" zum Religionsunterricht eingeführt werden muss, war man sich grundsätzlich einig. Es gilt, die Schüler und Schülerinnen in den Mittelpunkt zu stellen, sie zu selbstbestimmten und selbstverantwortlichen Persönlichkeiten zu führen, Menschen- und Kinderrechte zu vermitteln, über unterschiedliche Wertesysteme zu sprechen und mit ihnen Toleranz und Konfliktbewältigung einzuüben und so die Integrationsbemühungen des Staates trotz unterschiedliche Herkunft, Religion und Kultur zu stützen.

Eindrucksvolle Beispiele von Referenten und Teilnehmern zeigten, warum der humanistische Unterricht inzwischen so viel Zulauf bekommt, auch durch Schüler und Eltern anderer Konfessionen und Kulturen.

 

Die nächste Tagung ist bereits für den 6. - 8.11.2009 in Klingberg verabredet, deutsch- und englischsprachige Pädagogen (Kindergarten, Freizeit, Schule) und Schüler und Jugendliche aus verschiedenen Ländern sollen ihr Verständnis von humanistischen Werten gemeinsam diskutieren und somit einen Beitrag zum Wertekonsens innerhalb der EU leisten.

Heiko Porsche