In seinem aktuellen Werk untersucht Armin Pfahl-Traughber zentrale antidemokratische Denker der Weimarer Republik und zeigt, wie ihre Ideen heute im Umfeld der Alternative für Deutschland sowie in neurechten Netzwerken wieder aufgegriffen werden. Anhand von Autoren wie Carl Schmitt, Oswald Spengler und Arthur Moeller van den Bruck analysiert er deren fundamentale Ablehnung von Liberalismus, Pluralismus und moderner Demokratie und ordnet sie politikwissenschaftlich ein. Das Buch verbindet ideengeschichtliche Präzision mit aktueller Gegenwartsanalyse und macht deutlich, warum die Auseinandersetzung mit diesen "Klassikern" weiterhin notwendig ist.
Mit "Politische 'Klassiker' der Neuen Rechten. Antidemokratische Denker aus der Weimarer Republik" legt der Politikwissenschaftler Armin Pfahl-Traughber, der auch regelmäßig im hpd veröffentlicht, ein aktuelles Buch über historisch geprägte Vorstellungen vor, die viele überwunden hofften. Er versammelt exemplarisch sechs Autoren circa 100 Jahre alter Werke, die in bestimmten Kreisen im sogenannten Vorfeld der Alternative für Deutschland (AfD) eine zweite Blüte erleben und von rechten Politikern wie Maximilian Krah (AfD) bis zum Antaios Verlag von Götz Kubitschek und in die Identitäre Bewegung (IB) hinein gelesen und empfohlen werden.
Insbesondere die Ablehnung moderner, pluralistischer Demokratie und des politischen Liberalismus stehen im Erkenntnisinteresse der Porträts und diese Versammeln die Ursprünge aller Versatzstücke neurechten Denkens, wie sie auch heute auf Social Media von rechtsextremen Akteuren verbreitet werden. Arthur Moeller van den Brucks berühmtes Diktum "am Liberalismus gehen die Völker zu Grunde", Oswald Spenglers Definition des "deutschen Instinkts" als "Jeder erhält seinen Platz. Es wird befohlen und gehorcht." oder Carl Schmitts Aussage, dass zur Demokratie "notwendig erstens Homogenität und zweitens – nötigenfalls – die Ausscheidung oder Vernichtung des Heterogenen" gehöre: hier finden sie sich alle versammelt. Zu den bereits genannten Autoren werden noch Edgar Julius Jung, Ernst Jünger und Ernst Niekisch behandelt.

Als politikwissenschaftliches Werk geht es jedoch nicht nur darum, die entsprechenden Autoren genau zu lesen und deren Gedanken präzise darzustellen, sondern auch darum, diese einzuordnen und zu bewerten. Insbesondere die verschiedenen möglichen Demokratiemodelle, von denen manche aus Sicht der modernen Demokratie, nach Pfahl-Traughber bestimmt durch die Minimalbedingungen individuelle Grundrechte, gesellschaftlicher Pluralismus und Gewaltenteilung, kaum als "demokratisch" wahrgenommen werden dürften, werden für die porträtierten Autoren näher untersucht und es wird beschrieben, warum deren Denken trotz Teils expliziter Berufung auf die Demokratie als "antidemokratisch" gelten kann.
Die Untersuchung der "Fernwirkung" der Autoren aus der Weimarer Zeit verdeutlicht die Relevanz, sich mit diesem Gedankengut zu beschäftigen, wenn es neben AfD-Bezügen auch Referenzen auf Schmitt oder Spengler in China oder beim russischen Außenminister Sergei Lawrow gibt. Ebenfalls betont der Autor, dass die Ablehnung des Liberalismus sich auf dessen politische Dimension und weniger auf die ökonomische bezieht, so dass sich auch Anknüpfungspunkte an den Marktradikalismus ergeben, zum Beispiel bei Peter Thiel.
Abgerundet wird die Diskussion um die Einflüsse der Weimarer Autoren auf die Neue Rechte von Armin Mohler über die französische Nouvelle Droite bis in das Umfeld des inzwischen aufgelösten Instituts für Staatspolitik (IfS) in Schnellroda. Dabei spricht Pfahl-Traughber auch Ausblendungen und Idealisierungen als Rezeptionsformen an. Das Schlusskapitel bietet schließlich Vergleich und Zusammenfassung und fragt nach den Optionen für den angestrebten Staat ebenso wie nach Gemeinsamkeiten und Konfliktpotential gegenüber dem Nationalsozialismus.
Das Buch besticht durchweg durch eine hohe Informationsdichte und verbindet politikwissenschaftliche Genauigkeit mit guter Lesbarkeit. Wer sich über die Grundlagen antidemokratischen Denkens aus der Weimarer Zeit, das auch heute von Relevanz ist, informieren möchte, ohne sich die genannten Denker in ihrer oft sperrigen Diktion und ihren durchweg ausufernden Werken als Primärquellen zu erschließen, der wird hier fündig.
Armin Pfahl-Traughber, Politische "Klassiker" der Neuen Rechten: Antidemokratische Denker aus der Weimarer Republik, Bonn 2025, Verlag J.H.W. Dietz Nachf. GmbH, 208 Seiten, 20 Euro







