König entlässt „Sieben auf einen Streich“

König Ernst August I. entläßt die „Göttinger Sieben“.

Am 14. Dezember 1837 wurden sieben Professoren der Universität Göttingen ihrer Ämter enthoben, weil sie gegen den Staatsstreich des Königs Ernst August protestierten.

 

Unter der Herrschaft von König Wilhelm IV. war 1833 in Hannover nach mühsamen Verhandlungen zwischen königlicher Regierung und den Ständen ein neues Staatsgrundgesetz verkündet worden, das sehr liberal war und konstitutionelle Züge aufwies. Die Macht des Monarchen wurde durch die Rechte einer Ständeversammlung beschränkt. 1837 kommt nach dem Tod Wilhelm IV.  König Ernst August in Hannover auf den Thron, der die alten Macht­verhältnisse wieder herstellen wollte. Als er am 1. November das Staats­grund­gesetz außer Kraft setzte - u. a. mit der Begründung, dass er selber nicht zugestimmt habe, suchte Prof. Dahlmann Verbündete unter den Professoren der Universität, die sich gegen diesen Staats­streich zur Wehr setzten und verfasste einen Protest­brief. Es gab aber nur sechs andere Professoren, die sich dem anschlossen: der Jurist Wilhelm Eduard Albrecht, der Theologe und Orientalist Georg Heinrich August Ewald, der Historiker Georg Gottfried Gervinus, die Germanisten Jakob und Wilhelm Grimm und der Physiker Wilhelm Weber. Gervinus sorgte dafür, dass diese Schrift innerhalb von wenigen Tagen, durch Studenten tausendfach verviel­fältigt, plötzlich in ganz Deutschland auftauchte. Der König sah sich zu hartem Durch­greifen gezwungen, um sein Gesicht als „junger” Landesherr zu wahren.

Am 4. Dezember wurden die sieben Professoren vor dem Universitäts­gericht vernommen und am 14. Dezember (*) ihrer Ämter enthoben. Dahlmann, Gervinus und Jakob Grimm mussten wegen Ver­breitung der Schrift außerhalb des König­reiches binnen drei Tagen Göttingen verlassen und wurden des Landes verwiesen, die anderen folgten ihnen aus Solidarität.

Für die sieben Professoren, als „Göttinger Sieben” bekannt geworden, begannen wirre Jahre. Sie wurden einerseits mit Zustimmungen und Ehren­bezeugungen überhäuft, ihre Abbilder wurden zur Verzierung von Pfeifenköpfen und Kinder­spielzeug benutzt und ein Hamburger Reeder taufte sein neues Schiff sogar „Dahlmann”. In ganz Deutschland gründeten Bürger „Göttinger Vereine”, um mittels Spenden die Professoren bis zur Wieder­einstellung zu unterstützen. Anderer­seits dauerte es über fünf Jahre, bis auch der letzte wieder eine Anstellung an einer Hochschule fand.

Die Öffentlichkeit nahm erstmalig Hochschul­lehrer als bürgerlich-liberale und politisch aktive Kraft wahr. Durch das unerschrockene Ein­treten der „Göttinger Sieben” für Moral und Recht in der Politik war das Ansehen der Professoren als wichtige Kraft im Kampf um die bürgerliche Emanzipation gestiegen.

In der Paulskirche Göttingen fand 1848 das „Professorenparlament” statt, bei dem vier der „Göttinger Sieben” als Abgeordnete vertreten waren: Jakob Grimm saß auf einem Ehren­platz zwischen den Fraktionen, Dahlmann, Albrecht und Gervinius waren an den gesetz­gebenden Initiativen des Parlaments maßgeblich beteiligt.

 

(*) nach Wikipedia der 12. Dezember, die Göttinger Universität nennt in ihrem Archiv den 14. Dezember 1837