MIZ 2/09 erschienen

ASCHAFFENBURG. (hpd) Die Auseinandersetzung über den Umgang mit den ehemaligen Heimkindern und ihren Forderungen bildet das Titelthema des soeben erschienenen Heftes 2/09 der Zeitschrift MIZ.

In einem langen Interview erklärt Heidi Dettinger vom Vorstand des Vereins ehemaliger Heimkinder, wie es dazu kam, dass die Vertretung der Heimkinder heute nicht mehr an jenem Runden Tisch sitzt, der die Aufarbeitung ihres Schicksals organisieren soll.

Ausgesprochen interessant ist dabei die Rolle der ehemaligen Vize-Präsidentin des Bundestages Antje Vollmer, die als Vorsitzende des Runden Tisches eingesetzt wurde. Offenbar hat sie von Beginn an die Spaltung der Heimkinder-Vertretung betrieben und maßgeblich dafür gesorgt, dass mittlerweile wieder über die ehemaligen Heimkinder gesprochen wird und nicht mit ihnen. Der Verein ehemaliger Heimkinder wirft ihr vor, die Vereinzelung der Betroffenen betrieben und damit deren wirksame gemeinsame Interessenvertretung verhindert zu haben.

Groteske Rechtsprechung

Ob dieses Verhalten der als kirchennah geltenden Politikerin darauf zurückzuführen ist, dass sie wie ihre Kollegin Ursula von der Leyen die kirchlichen Heimträger von Schadensersatzforderungen freistellen möchte, sei dahingestellt. Es ist jedenfalls nicht das einzige Beispiel für Handlangerdienste staatlicher Stellen im Interesse der Kirchen, das in dieser MIZ-Ausgabe aufs Korn genommen wird. Als Stück aus dem Tollhaus präsentiert sich die Rechtsprechung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes zur Klage gegen die Konkordatslehrstühle. Einer Klägerin wird vorgehalten, sie könne sich nicht darauf berufen, dass die Ausschreibung (die nur katholische Bewerber/innen zulässt) rechtswidrig sei, weil sie sich trotzdem auf die betreffende Professorenstelle beworben hat. Und denjenigen, die von vorneherein auf eine Bewerbung verzichtet hatten, hielten die Richter vor, sich dadurch der Möglichkeit begeben zu haben, „etwaige Vefahrensverstöße im Rahmen einer künftigen gerichtlichen Überprüfung rügen zu können“.

Roland Ebert schließlich zeigt anhand vieler Beispiele, dass Religionsunterricht in vielen Lehrangeboten steckt, auf denen „Religionsunterricht“ nicht draufsteht. Ob Ethikunterricht, berufsethischer Unterricht oder Lebenskundlicher Unterricht bei der Bundeswehr – wann immer es um die Vermittlung von Werten geht, hat die Kirche ihre Finger im Spiel.

Auch die neue Studie „Muslimisches Leben in Deutschland“ wird kritisch unter die Lupe genommen. Klaus Blees verweist auf einige problematische Interpretationen des statistischen Materials und einige blinde Flecke. Letztlich kommt er zu der Einschätzung, dass die Studie an maßgeblichen Stellen weniger Ergebnis wissenschaftlichen Arbeitens ist, sondern eher den Wunsch des Innenministers widerspiegelt, in absehbarer Zukunft islamische Vereinigungen in ähnlicher Weise privilegieren zu können wie die christlichen Kirchen.

Atheismus: Kontroversen und Kampagnen

Weitere Beiträge setzen sich mit aktuellen Kontroversen und Kampagnen auseinander, in deren Mittelpunkt der Atheismus steht. Christian Brücker erläutert anlässlich der Hetzpredigt des Augsburger Bischofs Walter Mixa, warum nach seiner Auffassung die Verbrechen des Nationalsozialismus und des Stalinismus nicht dem Atheismus angelastet werden können. Carsten Frerk lässt die Buskampagne Revue passieren und reflektiert, was die Voraussetzungen für den beachtlichen Erfolg der Rundfahrt durch die Republik waren. Das Schreibkollektiv Clara und Paul Reinsdorf stellt im zweiten Teil einer Artikelserie über Leben und Werk des Atheismus-Chronisten Fritz Mauthner dessen Freunschaft zu Gustav Landauer dar.

In einem kürzeren Artikel wird eine neue christliche „Partei für Arbeit, Umwelt und Familie“ (AUF) vorgestellt. Um die Anthroposophen, insbesondere deren vermeintlichen Rassismus-Experten Lorenzo Ravagli, geht es in einem Beitrag von Gunnar Schedel. Dabei zeigt sich einmal mehr, dass in anthroposophischen Kreisen ein gestörtes Verhältnis zu Meinungsfreiheit und unabhängiger Medienberichterstattung vorherrscht.

Daneben gibt es Rezensionen, Berichte über säkulare Veranstaltungen, Pressemitteilungen und Webseiten sowie die Internationale Rundschau mit einschlägigen Kurzmeldungen aus aller Welt.

www.miz-online.de