MANNHEIM. (bfgd/hpd) Am vergangenen Wochenende fand in Mannheim, anlässlich des 150. jährigen Bestehens des Bundes Freireligiöser Gemeinden Deutschlands (BFGD), ein Freigeistiges Treffen statt. Den Höhepunkt des Treffens bildete der Festakt am Sonntag.
Das Freigeistige Treffen wurde von verschiedenen Veranstaltungen eingerahmt, die dem Anlass des Jubiläums entsprachen.
Empfang der Stadt Mannheim
Stadtrat Roland Weiß lud das Präsidium und einige der Delegierten ins Rathaus zum Empfang der Stadt Mannheim anlässlich der Feierlichkeiten zum 150.Geburtstag des BFGD.
Er betonte in einer Ansprache, dass er es als Ehre für die Stadt Mannheim empfinde, dass hier die Festveranstaltung des BFGD stattfinde, gerade auch weil diese Stadt in ihrer Geschichte auf eine lange Tradition der Toleranz und Liberalität zurückblicken kann. Darüber hinaus freue er sich, dass gerade er derjenige war, der im Namen der Stadt Mannheim den Empfang durchführte. Er kennt die Gemeinde schon lange, ist mit einigen der Freireligiösen in gemeinsamen Gremien tätig und dazu mit vielen von ihnen freundschaftlich verbunden.
Er erwähnt die vielfältigen Berührungspunkte von Kommune und Freireligiöser Gemeinde und lobt das gesellschaftspolitische Engagement der Freireligiösen, die überall, wo es nur geht, ihren Aufgaben und ihrem Auftrag nachkommt. Dieser ist in der heutigen Zeit für ein gegenseitiges Verständnis unter den Religionen und Kulturen zu werben und für Toleranz und ein friedfertiges Miteinander zu arbeiten.
Delegiertentagung des BFGD
Bei der Delegiertentagung (am Samstagvormittag) wurden turnusgemäß die Wahlen durchgeführt. Rainer Schrauth, Vorsitzender der Freireligiösen Landesgemeinde Baden wurde wieder zum Präsidenten gewählt. Sein Stellvertreter ist Siegward Dittmann, Präsident der Freireligiösen Landesgemeinde Pfalz. Ins Präsidium wurden weiterhin gewählt Wilfried Baumgart (Mannheim) Manfred Gilberg (Darmstadt) Richard Sickenberger (Offenbach) und als Schatzmeister Joachim Koch (Schwetzingen).
Zur gleichen Zeit nahmen die Gäste an einer Stadtführung teil und besuchten die Ausstellung anläßlich des BFGD-Jubiläums im Friedrich-Walter-Saal des Stadtarchivs. Am Nachmittag fanden unter dem Motto „Fragen Wagen“ zu aktuellen Themen Arbeitskreise statt (Bioethik, Erziehung, Wirtchaftsethik und Freire Religion im säkularen Staat). Die Freireligiöse Jugend führte im Luisenpark die Aktion „Wir schreiben Geschichte“ durch.
Grußwort zum Festakt
Am Sonntagvormittag fand im Rittersaal des Kurfürstlichen Schlosses der Festakt zum Jubiläum und Abschluss des Freigeistigen Treffens statt. Der alte und frisch gewählte neue Präsident des BFGD, Rainer Schrauth, sprach dazu ein Grußwort.
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde,
„Fragen wagen“ ist das Motto unseres Freigeistigen Treffens an diesem Wochenende, zur Feier des150-jährigen Bestehens des Bundes Freireligiöser Gemeinden Deutschlands (BFGD) und des 60-jährigen Bestehens des Dachverbandes Freier Weltanschauungsgemeinschaften.
Mit Fragen hat unsere Geschichte angefangen. Die stellte der katholische Priester Johannes Ronge in seinem offenen Brief an den Bischof Arnoldi, anlässlich der Ausstellung des heiligen Rockes in Trier am 1. Oktober 1844. Unter anderen: „Wissen Sie nicht – als Bischof müssten Sie es wissen – dass der Stifter der christlichen Religion seinen Jüngern und Nachfolgern nicht seinen Rock, sondern seinen Geist hinterließ?“ Er warnte vor den Folgen der götzenhaften Verehrung von Reliquien und dem Aberglauben, der Deutschland zu geistiger und äußerlicher Knechtschaft führte. Und er nannte es unverzeihlich, dass der Bischof von den Hunderttausenden der Pilger, die in hungernder Armut leben, noch Opfergeld annimmt.
Die Veröffentlichung durch Robert Blum in dessen Sächsischen Vaterlandsblättern erregte ungeheure Aufmerksamkeit und hatte zur Folge, dass in ganz Deutschland Deutschkatholische und protestantische Freie Gemeinden gegründet wurden.

Vor 150 Jahren, am 16. und 17. Juni trafen sich in Gotha, Thüringen, Vertreter dieser Gemeinden, um den Bund Freireligiöser Gemeinden zu schließen. Zur Förderung des religiösen Lebens mit dem Grundsatz: Freie Selbstbestimmung in allen religiösen Angelegenheiten. Jeder Einzelne hat alle Glaubens- und Gewissensfreiheit. Die Gemeinden behalten ihre Selbständigkeit.
Nicht nur die Gründungsverhandlungen gestalteten sich unter diesen Voraussetzungen sehr schwierig. Auch in der weiteren Geschichte kam es fast zwangsläufig immer wieder zu Grundsatzdiskussionen. Es war ja gewollt, Fragen zu wagen. Heftige Diskussionen gab und gibt es noch heute z. B. um den Begriff Religion.
Eduard Baltzer der erste Präsident des Bundes formulierte: Unter Religion ist „Treu und Glauben“ des guten Gewissens zu verstehen, also das Allerheiligste des Menschenherzens und der Menschenseele, das in jedem unbedingt zu schätzen und zu pflegen ist.“ und weiter: „Religion und folgeweise die religiöse Gemeinschaft ist am sichersten zu prüfen an den sittlichen Grundsätzen, die sie bekennt und bestätigt: „An Ihren Früchten sollt ihr sie erkennen!“
Dogmenfreie Religionsauffassung
Da der Begriff Religion aber heute allgemein unter anderem als „Glaube an Gott“ verwendet wird, führt dies zu Missverständnissen und teilweise Ablehnung seiner Verwendung im Namen des Bundes. Die Erweiterung auf „Vereinigung freier Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften“
genügte manchen Gemeinschaften nicht. Austritte aus dem Bund und heftige Kritik aus den Reihen befreundeter Organisationen die sich z. B. lieber „Humanisten“ nennen.
Die im BFGD organisierten Gemeinden befinden sich heute vorwiegend im südwestdeutschen Raum. Wie hier in Mannheim, wo auch die Geschäftsstelle des Bundes ist.
Ich danke an dieser Stelle allen Mitgliedern, Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Freireligiösen Gemeinde Mannheim, die in der Ausrichtung dieses Freigeistigen Treffens eingebunden waren, insbesondere der Vorsitzenden Frau Sieglinde Duda.
Die Mitgliedsgemeinschaften haben sich zum Ziel gesetzt, allen der religiösen und weltanschaulichen Freiheit aufgeschlossenen Menschen unter Anerkennung ihres Rechts auf selbstverantwortliches Denken und Handeln eine dogmenfreie Religionsauffassung oder freigeistige Weltanschauung in der Gemeinschaft Gleichgesinnter zu ermöglichen und weiterzuentwickeln.
Ihr damit verbundenes Streben nach friedlicher Koexistenz gründet sich auf die Achtung der Menschenwürde und der Menschenrechte.
„Nichts durch Gewalt – alles durch den freien Geist.“
Die Devise des ersten Präsidenten des Bundes Eduard Baltzer gilt noch heute: „Nichts durch Gewalt – alles durch den freien Geist.“
Der BFGD ist international organisiert und wirkt mit in europäischen Organisationen EHF (Europäische Humanistische Föderation) und IHEU (Internationale Humanistische Ethische Union) z.B. bei der Präambel der Europäischen Verfassung sowie weltweit in der IARF /Internationale Vereinigung für Religiöse Freiheit) im Einsatz gegen Diskriminierung, für Geistesfreiheit und Menschenrechte. Er unterstützt als aktives Gründungsmitglied den Dachverband Freier Weltanschauungsgemeinschaften. Er fördert die bundesweite und internationale Jugendarbeit.
Der BFGD verleiht den mit 1.500 Euro dotierten Robert-Blum-Preis an Personen oder Institutionen welche sich im besonderen Maße einsetzen für Religionsfreiheit Förderung der gegenseitigen Achtung von Religionen.
Mitglieder des Bundes betreiben Kindertagesstätte und Pflegeheim, sind organisiert in der paritätischen Landes-Wohlfahrtsverbänden. Der BFGD ist Mitglied der Freien Akademie, e.V., Mitglied im Paritätischen Bildungswerk; Bundesverband e.V., Mitglied in der Zentralstelle für Recht und Schutz der Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen e.V. Der BFGD ist heute ein zuverlässiger, kompetenter Partner staatlicher Stellen in Deutschland, wie z.B. Kultus- Finanz- und Familienministerien und erfreut sich derer Wertschätzung.
Bundespräsident Horst Köhler schrieb uns ein ermutigendes Grußwort.





