250 Jahre Adam Smiths "Wohlstand der Nationen"

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Adam Smith
Adam Smith

Vor 250 Jahren, am 9. März 1776, wurde in London eines der einflussreichsten Bücher, die je geschrieben wurden, veröffentlicht: Adam Smiths "Wohlstand der Nationen". Die Schrift begründete nicht nur die Wirtschaftswissenschaft und ist immer noch das klassische Lehrbuch dieses Fachs, sondern der Autor entwarf darin auch die meisten Grundlagen unserer liberalen Gesellschaftsordnung.

Heute vor 250 Jahren erblickte die wahrscheinlich wichtigste Arbeit über die Grundlagen einer aufgeklärten, liberalen und humanistisch gesinnten Gesellschaftsordnung das Licht der Welt.

Das Werk teilt sich in fünf Bücher. Die ersten beiden sind den Grundbegriffen der Ökonomie gewidmet. Smith zeigt hier unter anderem, wie Arbeitsteilung und zunehmende Spezialisierung zur Steigerung der Produktivität führen. Entscheidend ist jedoch, dass – im Rahmen eines aufgeklärten Rechtssystems – möglichst freie Entscheidungen von Unternehmerseite möglich sind.

Bis ins 17. Jahrhundert wurde soziale Ordnung von Obrigkeiten verfügt, die zugleich Wirtschafter und Verwalter des Seelenheils ihrer Untertanen waren. Ein mit Hilfe religiöser Dogmen gerechtfertigtes Werte- und Normensystem sollte Ordnung und Stabilität der Gesellschaft sichern. Diesen autokratischen Vorstellungen setzt Smith die liberale Konzeption entgegen, dass ein freier und geregelter Markt, in dem die Individuen weitgehend ihren Fähigkeiten und Talenten gemäß handeln können, Ordnung und Wohlstand der Gesellschaft viel eher ermöglicht und garantiert.

Das dritte Buch des "Wohlstands der Nationen" handelt vom Aufstieg der Städte und kapitalistischer Wirtschaftsformen in feudal geprägten Gesellschaften. Smith beschreibt hier ein "natürliches Wachstum der Wirtschaft" und die positiven Wirkungen der unsichtbaren Hand des Marktes.

Im vierten Buch diskutiert er die verschiedenen Systeme der politischen Ökonomie. Es enthält seine Fundamentalkritik an protektionistischem oder, wie er es nennt, merkantilistischem Wirtschaften. Diese durch Zölle bewusste Verkleinerung des Marktes führt Smith zufolge auf längere Sicht zu weitverbreiteter Armut, Not und letztlich zu Handelskriegen.

Im letzten und fünften Buch geht es um die Aufgaben des Staates. Smith ist überzeugt, dass der Markt seine positiven Wirkungen nur dann entfaltet, wenn dieser rechtlich eingebunden ist, also der Staat die aufgeklärten Grundregeln erlaubten Agierens festlegt und überwacht. Um des Gemeinwohls willen sollen beispielsweise Gesetze gegen Kartelle und Monopole dafür sorgen, dass der Markt möglichst ungehindert funktioniert und dass der höchst wünschenswerte freie Handel zwischen Ländern behutsam eingeführt wird. Denn nur so kann sich die Wirtschaft den neuen Gegebenheiten anpassen und größere Arbeitslosigkeit vermieden werden.

Markt und Staat

Dank des Zusammenwirkens der sichtbaren Hand eines aufgeklärten Staates mit der unsichtbaren Hand des Marktes vermehrt sich, so Smith, das Glück und der Wohlstand der Nationen am besten. So garantiert der Staat beispielsweise Rechtssicherheit.

Im Gegensatz zur neoliberalen Interpretation sieht der Autor des "Wohlstands der Nationen" die Aufgaben des Staates nicht nur in Legislative, Exekutive und Landesverteidigung, sondern der Staat ist zudem für Infrastruktur und Bildung zuständig: für Infrastruktur deshalb, weil diese zumeist nicht profitabel, aber volkswirtschaftlich unerlässlich ist; und für Bildung deshalb, weil dadurch aufgeklärtes Gedankengut gefördert werden kann. Konkret sollte besonderes Gewicht auf Naturwissenschaft und Philosophie gelegt werden, denn dies seien die Mittel gegen das Gift der Schwärmerei und des Aberglaubens. Je gebildeter Menschen seien, desto weniger seien sie Täuschungen ausgesetzt, die in rückständigen Ländern häufig zu den schrecklichsten Wirren führten.

Als Smith sein Buch schrieb, war die Erziehung von Kindern und Jugendlichen weitgehend in klerikaler Hand. Smith äußert sich abfällig über diesen Umstand, denn seiner Meinung nach sei es nicht das Interesse von Priestern und Pastoren, Menschen zu guten Bürgern dieser Welt zu machen, sondern sie für eine andere Welt in einem künftigen Leben vorzubereiten.

Besonders negativ beurteilt Smith Schulen, die von katholischer Seite betrieben werden. Er erinnert an die Auf- und Umtriebe des unruhigen römischen Klerus im Laufe verschiedener Jahrhunderte und an die schrecklichste Waffe, die man sich nur denken kann: den Vorwurf der Gotteslästerung. (Heute ist bei uns, nicht zuletzt dank der Aufklärung, diese priesterliche Waffe stumpf geworden. Aber man möge an moderne theokratisch regierte Länder denken, in denen eben dieser Vorwurf oftmals das Todesurteil bedeutet.)

Zum Glück, so Smith, wurden Teile Europas von der praktisch unbeschränkten Macht der Kirche Roms durch Handwerk, Gewerbe und Handel befreit. Keine innere Entwicklung also, sondern der durch kapitalistisches Wirtschaften möglich gewordene bescheidene Reichtum von Teilen der Gesellschaft führte zu größerer Unabhängigkeit und lockerte die Bindungen zur Geistlichkeit.

Dass letztlich kapitalistisches Wirtschaften und der Markt auf längere Sicht die Macht der Kirche brachen und damit die Zivilisation in Europa entscheidend beförderten, ist für Smith ein weiterer Vorteil dieser Form des Wirtschaftens. Dass solcherart auf lange Sicht allerdings auch übermächtige Handelskonzerne und damit ein marktfreier Neofeudalismus entstehen könnten, glaubte Smith durch strenge Antikartell- und Antimonopolgesetze verhindern zu können.

Staat und Kirche

Wie aber soll sich der moderne, aufgeklärte Staat gegenüber der oder den Kirchen verhalten? Smith spricht sich für die strikte Trennung von Staat und Kirchen aus, und zwar in dem Sinn, dass dieser für keine Glaubensgemeinschaft Partei ergreift. Sei der Staat ernstlich entschlossen, die Religionsgemeinschaften sich selbst zu überlassen und sie zu zwingen, miteinander in Frieden zu leben, so wäre kaum zu befürchten, dass sie sich nicht von selbst schnell genug aufspalten und nach kurzer Zeit genügend zahlreich sein würden.

Weiterführende Literatur:

Herman, A.: How the Scots Invented the Modern World. The True Story of How the Western Europe's Poorest Nation Created the World and Everything in It. New York 2001

Streminger, G.: Adam Smith. Wohlstand und Moral. München 2017

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