Bedürftigkeit und Geselligkeit als Seinsgrund

Samuel Pufendorf

* 8.  Januar 1632 in Dorf-Chemnitz, Sachsen; Δ 26. Oktober 1694 in Berlin;
Rechtslehrer und Historiker, Professor in Heidelberg und Lund, Historiograph;
gilt als Vater der deutschen Aufklärung;

Pufendorf wurde als fünftes Kindern eines lutherischen Pfarrers im Erzgebirge geboren. Durch finanzielle Hilfe eines Freundes der Familie konnte er die Fürstenschule in Grimma besuchen. 1650 begann er sein Theologiestudium an der Universität Leipzig. Er wechselte im Nachhinein zu den Rechtswissenschaften. Einige Jahre später ging er nach Jena, wo er sich vor allem mit Geschichte und Staatswissenschaften und den Werken von René Descartes und Thomas Hobbes befasste. Er schloss sein Studium mit einem Magistertitel ab.

Über seinen Bruder bekam Pufendorf eine Stelle als Hauslehrer beim schwedischen Gesandten Peter Julius Coyet in Kopenhagen. 1660 ging er mit dem schwedischen Gesandten nach Den Haag, wo er seine Schrift „Grundlagen einer allgemeinen Rechtslehre” veröffentlichte. Grundlegend verstand er das Naturrecht als Erfahrungswissenschaft, ausgehend von rein weltlichen Rechtsgedanken.

Kurfürst Karl Ludwig berief ihn 1661 nach Heidelberg als Professor für den neu eingerichteten Lehrstuhl Natur- und Völkerrecht. Er kritisierte die bestehende Reichsverfassung scharf, weshalb er von seinen Kollegen angefeindet wurde und 1668 nach Schweden ging. 1677 wechselte Pufendorf von Lund nach Stockholm. Am schwedischen Königshof wurde er zum Hofhistoriographen, zum Geheimen Rat und Staatssekretär ernannt. Er sprach sich für religiöse Toleranz und die Trennung von Theologie und Philosophie aus. Diese Einstellung brachte ihm am Hof diverse Anfeindungen ein, so dass er einige Jahre später nach Berlin an den brandenburgischen Hof wechselte. Auch dort hatte er die Stellung als Historiograph und Geheimer Rat inne. Er wurde zu einem der führenden Vertreter des Vernunft- und Völkerrechts. Er ging von der ursprünglichen Bedürftigkeit (imbecillitas) und Geselligkeit (socialitas) des Menschen aus und machte sie zum Erkenntnis- und Seinsgrund von Staat und Recht.

Seine unter einem Pseudonym herausgegebene Schrift: „Über den Zustand des deutschen Reiches” (1667) war eine schonungslose Kritik an den herrschenden Zuständen. Darin forderte er die Aufhebung der geistlichen Fürstentümer und des Jesuitenordens. Pufendorf unterschied scharf zwischen dem Gegensatz von freiem vernunftmäßigem Denken und gebundenem Offenbarungsglauben. Er war der Überzeugung, dass in der Philosophie Begriffe wie „Rechtgläubigkeit” und „Irrgläubigkeit” nicht anwendbar seien. Wer die Philosophie mit den Maßstäben der Theologie messe, philosophiere nicht sondern theologisiere. Er war Wegbereiter der Aufklärung mit seiner Freiheitslehre, wonach der Mensch mit seiner Vernunft in der Lage sei, die Gebote des sozialen Zusammenlebens zu erkennen und danach zu agieren.