Memoiren einer Tochter aus gutem Hause

Simone de Beauvoir

* 9. Januar 1908 in Paris; Δ 14. April 1986 in Paris;
französische Schriftstellerin, Philosophin und Freidenkerin,

 

Sie besuchte bereits knapp sechs Jahren ein katholisches Mädcheninstitut und bewegte sich seit ihrer Kindheit zwischen der agnostischen Auffassung des Vaters und der streng katholischen Mutter. Da der Vater durch Kriegs- und Wirtschaftseinflüsse total verarmte, bereitete er seine Töchter auf ein lediges Berufsleben vor. Diesen Gedanke fand Beauvoir nicht sonderlich erschreckend, weil sie anfangs Nonne werden wollte und später ihr Idealbild sowieso nicht das einer bürgerlichen Hausfrau und Mutter war, sondern das ständige Lernen und Schaffen ihre Lebensmaxime wurde.

Mit 14 Jahren verlor sie ihren Glauben, spielte aber ihrer Umgebung noch einige Jahre Gläubigkeit vor, bis ihre Einstellung offensichtlich wurde. Sie entschloss sich das Lehramt im Fach Philosophie an staatlichen, also laizistischen, Gymnasien anzustreben. Simone de Beauvoir studierte von 1926 bis 1929 an der Pariser Sorbonne Philosophie, Literatur und Mathematik. In diesen Jahren lernte sie dabei auch Jean Paul Sartre kennen. Mit ihm lebte sie in einer offenen Beziehung bis zu seinem Tod 1980 zusammen.

Sie verfasste zahlreiche Essays, Romane und Erzählungen, in denen sie die gesellschaftliche Bedingtheit des Individuums, besonders die traditionellen Frauenrolle, kritisch analysierte („Das andere Geschlecht” 1949). In ihrer Ethik strebte sie ein Bündnis zwischen dem existenzialistischen Freiheitspostulat mit dem Ideal einer klassenlosen, sozialistischen Gesellschaftsform an. Ihre autobiografischen Schriften (u. a. „Memoiren einer Tochter aus gutem Hause” 1958,  „Alles in allem” 1972) sind nicht nur Kommentare zum Werk Sartres und damit Schlüsseltexte des Existentialismus, sondern auch philosophische Zeitdokumente.
Mit ihrem Hauptwerk „Das andere Geschlecht” legte sie den Grundstein für die moderne Frauenbewegung. Mit ihren Schriften und ihrer emanzipierten Lebensweise wurde sie zur Galionsfigur der Frauenbewegung. Als eine der Ersten trat sie für die Straffreiheit der Abtreibung ein.