Menschenrechte für alle Iraner

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Plenum. Fotos: Vincent Winterhager

BONN. (hpd) Anlässlich der 38. Jahreshauptversammlung der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) fand am 26.03.2010 in Bonn eine Pressekonferenz zum Thema "Menschenrechte in der Islamischen Republik Iran" statt. Es ist der IGFM hoch anzurechnen, dass sie zu diesem Thema eingeladen hat und damit einen Punkt angesprochen hat, der gerade uns Deutsche als der wichtigste Handelspartner des Iran in Europa besonders betrifft.

Entscheidenden Anteil an der Publikmachung der katastrophalen Zustände im Iran hat die 1972 in Frankfurt am Main gegründete (IGFM), die inzwischen weltweit aktiv ist. Die Grundlage ihrer Arbeit bildet die "Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen" vom 10. Dezember 1948.

Die IGFM ist weltweit durch 26 Sektionen und vier nationale Gruppen vertreten, mit einer deutschen Sektion von ca. 3.000 Mitgliedern (Stand 2005). Ihre Aktivitäten reichen von Mahnwachen für ertrunkene kubanische Flüchtlinge über Kundgebungen zum Organhandel in China und Wanderausstellungen des Protestes gegen Menschenrechtsverletzungen bis zu den grauenhaften Zeugenberichten über Steinigungen im Iran. Jedes Jahr im Dezember verurteilt eine UNO-Resolution den Iran wegen seiner Menschenrechtsverletzungen. Seit 1985 kann man diese Resolutionen online im UNO-Archiv einsehen. 22 Mal in 24 Jahren bescheinigte man dem Mullah-Staat, dass er die Menschenrechte mit Füßen tritt.

Pressesprecher Martin Lessenthin von der IGFM Frankfurt stellte zu Anfang die Teilnehmer vor:

  • Mina Ahadi, Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime und des "International Committee Against Executions"
  • Pastorin Mahim Mousapour, Frankfurt am Main
  • Seyed Azmayesh,Vertreter des Nematollah Sufi Ordens im Ausland, "Komitee für die Rechte von Studenten und Derwischen im Iran"
  • Ali Babaei, Vorstandsmitglied von United 4 Iran Germany
  • Cyrus Reza Pahlavi, Sohn des letzten Schah

Über Mina Ahadi als Präsidentin dürfte gelacht werden

Zu Beginn der Veranstaltung sprach Mina Ahadi, Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime und des "International Committee Against Executions". Ahadi ist Atheistin und wurde wegen ihrer politischen Tätigkeit Anfang der 80er in Abwesenheit vom Teheraner Regime zum Tode verurteilt.

Ahadi prangerte die Zustände in ihrem Heimatland an , das von einem brutalen, diktatorischen Regime beherrscht werde. Sie beklagte Folter und Todesstrafe, das Abhacken von Händen und Füßen oder das "Blenden" von Menschen, d. h. die Zerstörung des Augenlichts unter medizinischer Aufsicht.

Aber der Iran sei auch ein Land mit sehr vielen Jugendlichen und einer großen Veränderungskraft. Es gebe die Hoffnung auf eine "bessere Welt", die viele der jungen Iraner hätten. Es gebe eine breite Frauenbewegung und eine breite "säkulare Bewegung", Arbeiter- und Studentenbewegungen. Sie sprach von einer "Revolution", als sie an die Geschehnisse der letzten 8 Monate seit dem Wahlsieg Ahmadinedschads erinnerte, von einer Revolution gegen die Einmischung der Religion in das Alltagsleben und einer Wiedergeburt einer Bewegung gegen Steigung und Todesstrafe.

Allerdings, so gab sie zu bedenken, sei dieser Kampf im Iran für mehr Freiheit seit mehr als 100 Jahren ohne Erfolge. (Eine Aussage, der der anwesende Enkel des Gründervaters der Pahlavi-Dynastie sicher nicht zustimmte.)

Weiter betonte sie, die Menschenrechte müssten säkular und humanistisch definiert werden. Und die ganzen barbarischen islamischen Gesetze seien sofort außer Kraft zu setzen. Ahadi schloss ihren Vortrag mit folgenden Worten: "Wenn ich Präsidentin vom Iran wäre, sollte jeder über mich Witze machen, über mich lachen und mich kritisieren dürfen. Der Iran ist klug, reich und leistungsstark, er kann ein vollkommen säkularer Staat mit Menschen- und Frauenrechten werden."

Mahim Mousapour spricht für religiöse Minderheiten

Während Mina Ahadi auf eine säkulare Erneuerung im Iran setzt, liegen der Pastorin Mahim Mousapour besonders die massiv unterdrückten religiösen Minderheiten im Iran am Herzen. Sie selbst ist zum Christentum übergetreten und lebt in Deutschland, setzt sich aber von hier aus vehement für ihre verfolgten Glaubensgenossen im Iran ein. Frau Mousapour beklagte die massiven Repressalien gegenüber Iranern, die es wagen, in der Öffentlichkeit über ihren nicht-islamischen Glauben zu sprechen:

Im Iran möchten zur Zeit sehr viele Menschen zu anderen Religionen (übertreten). Am meisten kommen die Iraner zu Jesus und dem Christentum. Denn sie haben schon etwas zu erleben, z.B....vielleicht glauben Sie das nicht...vielleicht denken Sie, ich sage das einfach so...aber wenn ein Drogenabhängiger in einer Nacht nur durch einen Traum von Jesus Christus Heilung bekommt, dann kann er nicht schweigen. Er muß wohl auf die Straße gehen und über diese Sache sprechen. Und er wird für die islamische Regierung ein Missionar sein, weil diejenigen, die über das Christentum sprechen, werden im Iran ganz stark bedroht. So jemand wird dann aufgefordert, nicht über die Heilung und auch nicht über Jesus zu sprechen. Diese "bekehrten" Muslime seien mehr bedroht als die armenischen oder assyrischen "Gruppierungen".

Frau Mousapour berichtete über Festnahmen von bekehrten Muslimen beim Weihnachtsfest 2009, über die Schließung assyrischer Kirchen in Teheran und die Festnahme von Pastoren und über die allgegenwärtige Diskriminierung der religiösen Minderheiten im Iran.

Ihre Schilderungen sind ein Teil des Katalog des Grauens, jener Liste der Menschenrechtsverletzungen des Iran, die sich in den UNO-Resolutionen wiederfindet, die alljährlich im Dezember die grauenhaften Zustände im Iran anklagen: Folter, Auspeitschen und Amputationen, öffentliche Hinrichtungen und Hinrichtungen von Minderjährigen, Diskriminierung von Aseris, Belutschen, Kurden, Christen, Juden, Sufis und sunnitischer Muslime sowie Angehöriger des Bahai-Glaubens, fortdauernde Diskriminierung von Frauen und Mädchen im Gesetz und in der Praxis, sowie die starke Einschränkung und Einengung der Religionsfreiheit, namentlich die Regelung in dem vorgeschlagenen Entwurf zum Strafgesetz, das die Todesstrafe für Apostasie festlegt (siehe weiter unten).

Wer daraus als im Iran Lebender den Schluss zieht, besser an gar nichts mehr zu glauben, sollte bedenken, daß er genauso wie die Andersgläubigen im Visier der Revolutionswächter steht: auch der Atheist ist kein gern Gesehener im Staate der wahnsinnigen Mullahs und muss mit Verfolgung rechnen.