Matthias Katsch im Gespräch mit Stephan Ackermann

Sexueller Missbrauch zählt als Arbeitsunfall

Seit Jahren streiten Menschen, die in kirchlichem Umfeld sexualisierte Gewalt erlebt haben, erbittert und oftmals erfolglos um Schadensersatz. Doch ein anderer Weg, zu einer Entschädigung für erlittenes Unrecht zu kommen, ist kaum bekannt: eine Leistung aus der gesetzlichen Unfallversicherung, insbesondere eine Verletztenrente. Denn der Missbrauch, so zynisch es klingen mag, kann auch als Arbeitsunfall gewertet werden. Betroffenen-Verbände werfen den Kirchen vor, entsprechende Informationen und Hilfestellung für Missbrauchsopfer zurückgehalten zu haben. Auch die Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung findet kritische Worte.

Presseberichte deuten auf erfundenen Mordanschlag hin

Der Schulleiter der säkularen arabisch-deutschen Schule im Berliner Bezirk Neukölln Hudhaifa Al-Mashhadani entging nach seinen eigenen Worten Ende vergangenen Jahres knapp einem Mordanschlag (Der hpd berichtete). Medien äußern Zweifel, dass sich der Vorfall so zugetragen hat und verweisen auf laufende Ermittlungen wegen des Verdachts der falschen Verdächtigung.

Symbolbild

Hier wird der Schleier romantisiert, gegen den Frauen im Iran kämpfen

Im Finale des Miss Germany-Awards standen am Samstag zwei Frauen mit Kopftuch. Der Wettbewerb versteht sich längst nicht mehr als reiner Schönheitscontest, sondern will Frauen "empowern", die eine Vorbildfunktion einnehmen. Der Knackpunkt: Das mediale Hochstilisieren der Kandidatinnen mit Hijab glorifiziert eine Praxis, gegen die Frauen im Iran unter Lebensgefahr protestieren. Für iranische Frauen und säkulare Migrantinnen in Deutschland ist das "ein Schlag ins Gesicht", sagt eine Sprecherin der Initiative "Free Iran Now" gegenüber dem hpd.

Israelische Kampfjets

Menschenrechte oder Friedensschutz: Das Dilemma des Friedrich Merz

Nach den gemeinsamen Angriffen von Israel und den USA auf den Iran ist eine heftige Debatte über die völkerrechtliche Bewertung der Militäraktion entbrannt. Bundeskanzler Friedrich Merz sprach von einem "Dilemma". Während viele Völkerrechtler die Angriffe als klar rechtswidrig bewerten, verweisen einzelne Stimmen auf mögliche Rechtfertigungen durch präventive Selbstverteidigung angesichts einer existenziellen Bedrohung. Hinter der aktuellen Kontroverse steht jedoch ein grundsätzlicher Konflikt des modernen Völkerrechts: das Spannungsfeld zwischen dem Schutz des Friedens und dem Schutz der Menschenrechte.

Ökonomische Interessen am politischen "Rechtsruck"

Bei der Debatte über die Gründe für einen internationalen "Rechtsruck" bleibt häufig unberücksichtigt, dass dabei auch ökonomische Interessen eine wichtige Rolle spielen. Darauf wollen die Aufsätze in dem Sammelband "Oben Rechts. Rechtspopulismus als Klassenprojekt" aufmerksam machen. Die Beiträge sind dabei glücklicherweise nicht so "vulgärmarxistisch" wie manche Formulierungen vermuten lassen.

Veranstaltung in der Ibn Rushd-Goethe Moschee zeigt religiöse Vielfalt und politische Konfliktlinien

In der Berliner Ibn Rushd-Goethe-Moschee trafen sich am Freitagabend rund 70 Gäste zu einer Veranstaltung über die Vielfalt muslimischen Lebens in Deutschland und zum Start der Akzeptanzkampagne "Ich bin Muslim / Ich bin Muslimin". Eingeladen hatten die Moschee, der Arbeitskreis Politischer Islam sowie das Mernissi–de Gouges Bildungs- und Sozialwerk.

Religionsfreiheit weltweit in Gefahr

Der frisch veröffentlichte Freedom of Thought Report 2025 von Humanists International belegt eine besorgniserregende globale Erosion der Grundrechte: Seit fast zwei Jahrzehnten schwinden die Freiräume für säkulare und religiöse Minderheiten. Während religiöser Nationalismus und populistische Regierungen die Religionsfreiheit als politisches Instrument missbrauchen, geraten demokratische Strukturen unter Druck.

Streit um "Stille Tage" in Sachsen-Anhalt

Verglichen mit vielen anderen Bundesländern gibt sich Sachsen-Anhalt beim Thema Religion erstaunlich fortschrittlich. Nun wird im Landtag über eine Reform des Sonn- und Feiertagsgesetzes diskutiert – und schon laufen die Kirchen Sturm. Anlass ist ein gemeinsamer Antrag mehrerer Parteien, der vorsieht, die strengen Veranstaltungsverbote an sogenannten "Stillen Tagen" zu lockern.

Grüne fordern muslimische Militärseelsorge

Der hpd hatte in einem kürzlich veröffentlichten Artikel die Institution der Militärseelsorge hinterfragt. Ein Antrag der Grünen im Bundestag, unter anderem eingebracht von Lamya Kaddor, fordert nun, diese durch muslimische Militärseelsorge zu erweitern.

Kundgebung am Rathausmarkt

Hamburger Women's March zeigt: Der Kampf um universelle Frauenrechte bleibt aktuell

Am Vortag des Internationalen Frauentags versammelten sich in Hamburg bis zu 200 Menschen zum Women's March, organisiert von der Initiative "International Women in Power" der "Kulturbrücke Hamburg". Die Demonstration richtete sich gegen Unterdrückung und religiösen Fanatismus, trat ein für die universellen Menschenrechte von Frauen, weltweit und in Deutschland. Die Reden und Performances der Veranstaltung machten deutlich: Der Einsatz für Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und Säkularität bleibt eine gesellschaftliche Daueraufgabe, die Solidarität über kulturelle und religiöse Grenzen hinweg erfordert.

Adam Smith

250 Jahre Adam Smiths "Wohlstand der Nationen"

Vor 250 Jahren, am 9. März 1776, wurde in London eines der einflussreichsten Bücher, die je geschrieben wurden, veröffentlicht: Adam Smiths "Wohlstand der Nationen". Die Schrift begründete nicht nur die Wirtschaftswissenschaft und ist immer noch das klassische Lehrbuch dieses Fachs, sondern der Autor entwarf darin auch die meisten Grundlagen unserer liberalen Gesellschaftsordnung.

Termine

Das Tier in Dir!

Kinderführung am Evolutionsweg in Düsseldorf

Mehr aus den Rubriken

Familie mit Kind

Fertilität und Säkularisierung: Erkenntnisse aus Finnland

Seit Jahrzehnten beobachten wir einen systematischen Rückgang der Geburtenraten in nahezu allen industrialisierten und postindustriellen Nationen. Hierfür werden häufig sozioökonomische Gründe angeführt: sozialer Status, wirtschaftliche Unabhängigkeit und ein Reframing der Altenpflege als gesellschaftliche statt familiäre Aufgabe. Forschende der Universitäten Helsinki und Turku sowie des Max-Planck-Instituts haben nun einen weiteren Treiber identifiziert: die Säkularisierung.

Mutter mit Kind

Politische Amnesie – zur Sozialhistorie des Unterhaltsvorschussgesetzes

Es gibt politische Entscheidungen, die so zwingend waren, dass man sich heute fragt, warum man sie überhaupt erklären soll. Die Einführung des Unterhaltsvorschusses gehört zu diesen Entscheidungen. Sie war kein Experiment, kein „Instrumentenkasten“, kein sozialpolitischer Luxus. Sie war eine Reaktion auf eine Realität, die so offensichtlich war, dass man sie kaum übersehen konnte – damals. Heute dagegen scheint sie aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden zu sein, als hätte es diese Realität nie gegeben.

Aktionskunst von „Extinction Rebellion“

Willkommen in der Hölle

Die Hitzewelle von Ende Juni hat europaweit historische Temperaturrekorde gebrochen und eine fünfstellige Zahl an Menschen getötet. Laut Robert-Koch-Institut starben in Deutschland innerhalb von zwei Wochen über 6.000 Menschen an der Hitze. Gut, dass wir die Dringlichkeit der Situation mittlerweile alle begriffen haben. Haben wir nicht? Tragisch – aber immerhin gut für die Rentenkasse.

Evolution vs. Bibel

Wie evangelikale Schulen in die Bildungslandschaft drängen

Die Bibel, traditionelle Geschlechterrollen, ein bisschen Schöpfungslehre und mitunter kommen die Lehrkräfte zu Besuch im Elternhaus – mit diesem Konzept werben die evangelikalen „Georg-Müller-Schulen“ (GMS) bei den Eltern von Kindern und Jugendlichen. Den Schülern in der westfälischen Stadt Halle bleiben derartige Lehrinhalte vorerst erspart: Vergangene Woche stimmte der Stadtrat mit knapper Mehrheit gegen den Prüfungsantrag zur Errichtung einer Werkrealschule der GMS. Dies geschah nicht etwa aus der Überzeugung, dass Schulen weltanschaulich neutral sein sollten, sondern weil es bereits genug weiterführende Schulen im Ort gebe. Der Vorstoß des evangelikalen Trägervereins wirft gleichwohl ein bezeichnendes Licht auf religiös-ideologische Akteure in der deutschen Schullandschaft.

Danger Dan

Ist das von der Kunstfreiheit gedeckt?

Der abgesagte ZDF-Auftritt von Danger Dan und Igor Levit hat eine heftige Debatte über Kunstfreiheit, politische Verantwortung und die Grenzen künstlerischer Provokation ausgelöst. Im Zentrum steht der neue Song „Keine Angst“, dessen Text von den einen als antifaschistische Kunst, von den anderen als gefährliche Radikalisierung und impliziter Gewaltaufruf gelesen wird. Der Fall wirft die grundsätzliche Frage auf, wo die Grenze zwischen legitimer Kunstfreiheit und gesellschaftlicher Verantwortung öffentlich-rechtlicher Sender verläuft.

öffentliche Debatte (Symbolbild)

Gegen die Abschaffung der Öffentlichkeit

Die erste Ausgabe der Zeitschrift Materialien und Informationen zur Zeit (MIZ) in diesem Jahr ist erschienen. Darin: der Öffentliche Raum unter Druck und ein Blick auf christliche Fundamentalisten, während die Kirchen immer weiter an Bedeutung verlieren.

Demo gegen Käfighaltung vor dem Brandenburger Tor

Protest für ein Ende der Käfighaltung

Gemeinsam mit „Vier Pfoten“, dem „Deutschen Tierschutzbund“, „Provieh“ und „Animal Society“ hat die „Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt“ am Mittwoch mit einer Protestaktion, Redebeiträgen und der Übergabe eines Offenen Briefes an ein Versprechen erinnert, das inzwischen fünf Jahre alt ist: Die Europäische Kommission wollte konkrete Gesetzesvorschläge vorlegen, um die Käfighaltung in der Europäischen Union schrittweise zu beenden.

Bedrohte Demokratie

Die Demokratie und die Überforderung durch das Netz

Steffen Mau hat in seiner Analyse „Die vielen Krisen der Demokratie“ präzise seziert, woran die liberale Demokratie derzeit krankt. Seine Bestandsaufnahme ist zutreffend – aber dennoch unvollständig. Denn sie benennt zwar die Symptome, nicht aber die wohl wichtigste gemeinsame Ursache der gegenwärtigen Verwerfungen.

Friedhof

Manche gingen leider für immer

In diesem Jahr feiert der Humanistische Pressedienst (hpd) sein 20-jähriges Jubiläum und lässt Ereignisse aus dieser Zeit Revue passieren. Der frühere Chefredakteur Frank Nicolai arbeitet seit Mitte 2009 für den hpd und hat seitdem viele Menschen im Umfeld der Redaktion kommen und gehen sehen. Manche gingen leider für immer. Eine persönliche Rückschau.

schwangere Frau

Regelungsbedarf zur Leihmutterschaft: Das in Deutschland geltende Verbot ist keine Lösung

In der Bundesrepublik Deutschland wird erneut über Leihmutterschaften diskutiert. Ein Spitzenpolitiker der CDU, Jens Spahn, verlor sein Amt, weil er gemeinsam mit seinem Partner in den USA eine Leihmutter in Anspruch genommen hatte. Seine Partei hielt dies für inakzeptabel. Losgelöst von der Debatte über die Person von Jens Spahn stellt sich der Sache nach jedoch eine andere Frage. Die deutsche Gesetzgebung verbietet Paaren, die selbst kein Kind zur Welt bringen können, eine andere Frau im Inland um das Austragen eines Kindes zu bitten. Diese pauschale Verbotsnorm ist nicht haltbar.

Neue und bisherige Geschäftsführung

Neue Geschäftsführung beim HVD Niedersachsen

Der Humanistische Verband Deutschlands (HVD) Niedersachsen hat ab morgen einen neuen Landesgeschäftsführer. Sebastian Kurtz übernimmt die Geschäftsführung des Landesverbands Niedersachsen von Catrin Schmühl, die sich nach rund sechs Jahren neuen beruflichen Aufgaben zuwendet.

Strafbefehl wegen erfundenen Mordanschlags

Der inzwischen beurlaubte Rektor der säkularen arabisch-deutschen Schule im Berliner Bezirk Neukölln Hudhaifa Al-Mashhadani hatte im November 2025 behauptet, Opfer eines versuchten Mordanschlags geworden zu sein. Nun wurde gegen ihn ein Strafbefehl wegen angezeigter falscher Verdächtigung erlassen.