Der frisch veröffentlichte Freedom of Thought Report 2025 von Humanists International belegt eine besorgniserregende globale Erosion der Grundrechte: Seit fast zwei Jahrzehnten schwinden die Freiräume für säkulare und religiöse Minderheiten. Während religiöser Nationalismus und populistische Regierungen die Religionsfreiheit als politisches Instrument missbrauchen, geraten demokratische Strukturen unter Druck.
"Seit 19 Jahren in Folge erleben wir, wie die Freiheit weltweit zurückgedrängt wird. Und der Prozess beschleunigt sich" – mit diesen düsteren Worten fasste die Präsidentin von Humanists International, Maggie Ardiente, die Lage zusammen. Bedroht sind die Rechte von säkularen, humanistischen und konfessionsfreien Menschen, aber auch von religiösen Minderheiten. Und wo die Religionsfreiheit angegriffen wird, geraten zwangsläufig auch andere Menschenrechte unter Druck – allen voran die Meinungs-, Versammlungs-, und Vereinigungsfreiheit.
Einen umfassenden Überblick über die Situation liefert der nun veröffentlichte Freedom of Thought Report 2025, herausgegeben von der Organisation Humanists International. Der Bericht, der in diesem Jahr zum 14. Mal erscheint, listet für jedes Land weltweit anhand eines Rating-Systems auf, wie es dort um die Religionsfreiheit bestellt ist.
Die meisten Länder weltweit missachten die Rechte von Humanisten, Atheisten und nicht-religiösen Menschen, schreibt Ardiente im Vorwort zum Bericht. "Überall auf der Welt geraten Menschenrechtsorganisationen ins Visier, werden diskreditiert, ihre Geldmittel werden gekürzt und einige mussten ihre Aktivitäten sogar aufgeben. Gleichzeitig erleben wir das Erstarken von rechtsextremen Bewegungen – und viele davon drängen an die Macht – sogar in Ländern, die früher einmal als Bastion von Demokratie und Freiheit galten."
Um ihre politischen Ziele voranzutreiben und die Beschneidung von Freiheiten zu rechtfertigen, instrumentalisierten rechtsradikale Regierungen und populistische Bewegungen Religion, so Ardiente weiter. Oft heiße es, man wolle angeblich die Religionsfreiheit einer religiösen Gruppe auf Kosten von anderen schützen. Man präsentiere sich als Verteidiger von Religionsfreiheit und "traditionellen Werten" und dränge auf Privilegien für Glaubensgruppen, untergrabe die Menschenrechte von Minderheiten und zerschlage demokratische Strukturen.
Katharina Barley: "Demokratie stirbt, wenn Bürger lernen, dass gewisse Gedanken besser unausgesprochen bleiben"
Dass dies kein Zufall ist, betonte auch die Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Katharina Barley (SPD), bei der Vorstellung des Berichts. Sie verwies auf die Beschneidung reproduktiver Rechte in den USA, auf Kinderheiraten, die Kriminalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe und Feindseligkeiten gegenüber sexuellen Minderheiten in vielen Ländern der Welt. Ein gefährlicher Trend, nicht nur für Minderheiten, warnte Barley: "Wenn eine Regierung ihren Bürgern vorschreiben kann, was sie glauben, dann kann sie auch bestrafen, was sie denken." Und wenn Gedanken kriminalisiert würden, dann sei auch kein anderer Wert mehr sicher. "Demokratie stirbt, wenn Bürger lernen, dass gewisse Gedanken besser unausgesprochen bleiben", so die EU-Parlamentsvize.
Beispielhaft für den Aufstieg von Populismus und Autoritarismus beleuchtet der Bericht zehn Länder. Darunter Georgien, wo die griechisch-orthodoxe Kirche an politischem Einfluss gewinnt. Nicht zu vergessen: die USA. Darauf machte die US-Amerikanerin Ardiente bei Vorstellung des Berichts aufmerksam. Als erster Staat überhaupt verankerten die USA die Religionsfreiheit in der Verfassung. Doch derzeit erlebt das Land eine besorgniserregende Trendwende. In seiner zweiten Amtszeit hat Präsident Trump die Bindung an christlich-konservative Kräfte massiv gefestigt. Parallel wurde das Recht auf Abtreibung eingeschränkt, religiös-nationalistische Gruppen gewinnen an Einfluss in den Schulen, und Gesundheitsdienstleister dürfen aus religiösen oder moralischen Gründen die Herausgabe von Verhütungsmitteln oder sogar die Behandlung von unverheirateten Schwangeren verweigern.
Die USA erleben eine beispiellose Zeit, so Ardientes Fazit. Umso wichtiger sei nun die Solidarität derjenigen, die humanistische Werte teilen. "Wir führen unsere Arbeit weiter, auch wenn wir damit ein Risiko eingehen." Den diesjährigen "World Humanist Congress" verlegte Humanists International wegen Sicherheitsbedenken nach Kanada. Und die Zukunft? Von den Midterm-Wahlen im November erhofft sie sich einen Ausgang mit Signalwirkung: "Die Menschen haben genug vom Aufstieg des Autoritarismus", ist sie überzeugt.







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Angelika Wedekind am Permanenter Link
Saekulare Humanisten müssen lauter werden. Wer kann, möge am 21.3. zum Hamburger Humanistentag in der Patriotischen Gesellschaft , Trostbrücke, Nähe Rathaus erscheinen. Beginn 9:30h.