Xavier Naidoo und die Epstein-Files

xavier_naidoo.png

Xavier Naidoo (2012)
Xavier Naidoo

Mit der Veröffentlichung neuer Epstein-Dokumente rückt eine Person erneut in den Fokus der medialen Aufmerksamkeit: Xavier Naidoo. Nach seiner vormaligen Distanzierung macht der Sänger nun wieder eine Kehrtwende und instrumentalisiert die Gewaltverbrechen für seine Verschwörungsideologie.

Am 17. Februar fand eine kleine Demonstration zu den Epstein-Files vor dem Kanzleramt in Berlin statt, die von Opfern sexueller Gewalt organisiert wurde. Beworben wurde die Kundgebung jedoch von einem der größten Telegramkanäle der deutschsprachigen Verschwörungsszene.

Xavier Naidoo erschien bei der Demonstration und behauptete in einem Interview mit dem rechtsextremen Medium AUF1, dass Kinder "gefressen" und die Täter dafür zur Verantwortung gezogen werden müssten. Damit verbreitete Naidoo erneut Verschwörungserzählungen von "kindermordenden Eliten", die auf den antisemitischen Mythos der sogenannten Ritualmordlegende zurückgehen.

Dabei rückt das Anliegen der Veranstalter:innen der Demonstration in den Hintergrund und Naidoo verhindert damit im Endeffekt den realistischen Kampf gegen Kindesmissbrauch, so der Geschäftsführer des Center für Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS) Josef Holnburger gegenüber tagesschau.de.

Epstein-Files befeuern Verschwörungsnarrative

Die Epstein-Files umfassen Millionen von Dokumenten, wobei die Veröffentlichung immer noch nicht vollständig ist. Neben der schieren Masse fördert die Mischung aus lückenhaften Informationen, erschreckenden Details und einer oft fehlenden Einordnung weitere Spekulationen. Zudem vereint kaum ein Fall so viele Elemente verschwörungsideologischer antisemitischer Projektionen wie dieser.  

Eine Analyse öffentlicher Telegramkanäle der deutschsprachigen verschwörungsideologischen und rechtsextremen Szene zeigt, dass die Veröffentlichung der neuen Akten durch das US-Justizministerium eine große Rolle für das Milieu spielt.

Die gründliche Aufarbeitung und Recherche durch Medienschaffende, die nach journalistischen Standards arbeiten, dauern an. Verschwörungsideolog:innen versuchen dieses Informationsvakuum zu nutzen. Dass seriöse Medien länger für die Sichtung, Recherche und vor allem Überprüfung brauchen, wird in der verschwörungsideologischen Szene zudem als Beweis gedeutet, dass die Medien helfen würden, etwas zu vertuschen. Es sind inzwischen auch viele gefälschte Dokumente im Umlauf, erklärt Josef Holnburger von CeMAS gegenüber "ZDFheute". Der Ansatz von "Do your own research" kann bei der schieren Fülle ungesicherter Informationen interessierte Laien schnell in die Arme von Verschwörungsideolog:innen treiben, warnt Senior Researcherin Lea Frühwirth von CeMAS in der FAZ.

Unterstützen Sie uns bei Steady!