In der Berliner Ibn Rushd-Goethe-Moschee trafen sich am Freitagabend rund 70 Gäste zu einer Veranstaltung über die Vielfalt muslimischen Lebens in Deutschland und zum Start der Akzeptanzkampagne "Ich bin Muslim / Ich bin Muslimin". Eingeladen hatten die Moschee, der Arbeitskreis Politischer Islam sowie das Mernissi–de Gouges Bildungs- und Sozialwerk.
Bereits der äußere Rahmen machte deutlich, unter welchen Bedingungen liberale muslimische Initiativen in Deutschland arbeiten: Ein deutliches Polizeiaufgebot sicherte die Veranstaltung. Die Moschee-Gründerin Seyran Ateş steht seit Jahren unter Polizeischutz.
Trotz kurzfristiger Absagen der angekündigten Gäste Raed Saleh (SPD) und Ali Ertan Toprak – letzterer erreichte Berlin wegen massiver Bahnverspätungen erst verspätet – war das Podium prominent besetzt. Neben Ateş diskutierten Falko Lieke (CDU), Max Lucks (Bündnis 90/Die Grünen), Katina Schubert (Die Linke) sowie die Berliner Superintendentin Dr. Silke Radosh-Hinder. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner richtete eine Videobotschaft an das Publikum. Moderiert wurde die Veranstaltung vom Journalisten Jan Feddersen (taz).
Religiöse Vielfalt als demokratische Herausforderung
In seiner Videobotschaft unterstrich Kai Wegner die Bedeutung Berlins als religiös-pluraler Metropole. Die Vielfalt religiöser Ausdrucksformen sei Teil der demokratischen Realität der Stadt – und müsse entsprechend geschützt werden. Auch der Islam sei durch eine innere Vielfalt geprägt, die als Teil der demokratischen Grundordnung anerkannt werden müsse.
Wegner verwies zugleich auf die paradoxe Situation liberaler muslimischer Initiativen: Während sie für religiöse Offenheit und demokratische Werte eintreten, sind ihre Vertreterinnen und Vertreter häufig massiven Drohungen ausgesetzt. Die dauerhafte Gefährdung von Seyran Ateş, die seit Jahren rund um die Uhr unter Personenschutz steht, gilt dabei als Symbol dieser Konfliktlage.
Liberale Reformbewegungen innerhalb religiöser Traditionen wie dem Islam bewegen sich häufig zwischen zwei Konfliktlinien – innerreligiöser Ablehnung und politischer Instrumentalisierung von außen.
Religion im öffentlichen Raum
Die Superintendentin Dr. Silke Radosh-Hinder (evangelische Kirche) zeichnete eine religionssoziologische Perspektive. Sie verwies auf eine zunehmende Re-Säkularisierung, in der religiöse Gemeinschaften in urbanen Gesellschaften wieder sichtbarer würden.
Mit dieser Sichtbarkeit nähmen jedoch auch Konflikte zu. Umso wichtiger sei – in Anlehnung an Hannah Arendt – die Fähigkeit zur politischen Freundschaft: die Bereitschaft, die Perspektive anderer anzuerkennen und Konflikte auszuhalten, um eine gemeinsame demokratische Öffentlichkeit zu gestalten.
Radosh-Hinder würdigte ausdrücklich das Engagement von Seyran Ateş. Dass die Moschee trotz jahrelanger Bedrohungen geöffnet bleibe, zeige, welche spirituelle Kraft auch im Islam liegen könne.
Seyran Ateş: Gegen die Vorstellung eines monolithischen Islam
Seyran Ateş widersprach der verbreiteten Vorstellung eines homogenen Islam entschieden. Der Islam sei historisch und kulturell plural – eine Realität, die sich auch in der sprachlichen Vielfalt muslimischer Gemeinschaften widerspiegele.
Muslime lebten ihren Glauben auf Arabisch, Türkisch, Kurdisch, Farsi, Englisch oder Deutsch – und in sehr unterschiedlichen kulturellen Kontexten.
Ihre eigene Biografie macht die politischen Konflikte innerhalb dieser Debatten sichtbar: Ateş überlebte 1984 einen Anschlag, bei dem sie schwer verletzt wurde. Seit Jahrzehnten erhält sie Morddrohungen.
Dass die Moschee dennoch weiterbestehe, sei Ausdruck eines bewussten politischen Projekts: einen liberalen Islam sichtbar zu machen.
Religionsfreiheit und Kulturrelativismus
Der Grünen-Abgeordnete Max Lucks betonte eine individualrechtliche Perspektive auf Religionsfreiheit. Nicht religiöse Organisationen oder Verbände seien Träger dieses Grundrechts, sondern die einzelnen Gläubigen.
Die Ibn Rushd-Goethe Moschee mache daher sichtbar, was politisch lange unterschätzt worden sei: die Vielfalt muslimischer Lebensrealitäten.
Feddersen kritisierte wie Lucks auch einen in politischen Debatten verbreiteten Kulturrelativismus, der problematische Entwicklungen innerhalb religiöser Milieus lange nur zögerlich thematisiert habe.
Konfliktfelder im urbanen Alltag
Die Linken-Politikerin Katina Schubert würdigte das Konzept eines liberalen Islam, wies jedoch zugleich auf den massiven gesellschaftlichen Druck hin, unter dem Akteure wie Ateş stehen.
Sie betonte die Rolle zivilgesellschaftlicher Initiativen als stabilisierende Faktoren urbaner Gesellschaften. Gleichzeitig plädierte sie dafür, politische Spannungen offen zu diskutieren – auch im Kontext der gesellschaftlichen Polarisierungen seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023. Hier warf Feddersen ihr und der Partei Die Linke ein teils schwer aushaltbares Verhalten in der Kooperation mit Palästinensischen DemonstrantInnen vor, die mit antisemitischen Parolen gemeinsam immer wieder auf die Straße gingen. Katina Schubert zeigte sich da indifferent, was Feddersen ihr auch als "rumeiern" vorhielt.

Der Neuköllner CDU-Politiker Falko Lieke verwies auf konkrete Herausforderungen im Bildungsbereich. Internationale Konflikte spiegelten sich zunehmend im Alltag von Schulen und Kitas wider – etwa in Form von Antisemitismus, religiösen Konflikten oder Gewaltphänomenen. Er stellte die liberale Moschee als wichtigen Gegenpol zu problematischen Entwicklungen in Teilen anderer Gemeinden dar.
Trotz der Herausforderungen im schulischen Alltag, könne er die Professionalität von Lehrkräften und Sozialarbeiterinnen und -arbeitern, die täglich mit diesen Konflikten umgehen müssen, würdigen.
Schule als Konfliktarena
In diesem Zusammenhang stellte Falko Lieke eine aktuell laufende berlinweite Gewaltstudie vor, die von Universitäten aus Wuppertal und Bielefeld begleitet wird. Die Untersuchung analysiert unter anderem religiös konnotierte Konflikte im Schulalltag, Queerfeindlichkeit und sexualisierte Gewalt.
Ziel ist eine erstmals empirisch fundierte Grundlage für politische Maßnahmen im Bildungsbereich, da Schulen zunehmend zu Orten werden, an denen religiöse Identität, Geschlechterpolitik und gesellschaftliche Normen aufeinandertreffen.
Fehlende Räume für queere Muslime
Ein wiederkehrendes Thema der Diskussion war der Mangel an diversitätssensiblen sozialen Räumen, insbesondere für queere Muslime.
Moderator Jan Feddersen verwies auf das Fehlen eines schwul-lesbischen Zentrums in Neukölln und die daraus resultierende Unsichtbarkeit queerer muslimischer Lebensrealitäten. Ateş plädierte deshalb für den Aufbau weiterer liberaler religiöser Räume, die über ihre Moschee hinausgehen.
Iftar als politisches Symbol
Der erste Teil der Veranstaltung endete mit dem gemeinsamen Fastenbrechen zum Ramadan (Iftar). Das Team um Seyran Ateş hatte eine Vielzahl warmer und kalter, süßer und salziger Köstlichkeiten bereitgestellt.
Das Iftar fungierte dabei nicht nur als religiöses Ritual, sondern auch als symbolischer Akt politischer Gemeinschaft. Die Moschee stellte an diesem Abend einen Ort dar, an dem religiöse Vielfalt sichtbar gemacht und gesellschaftliche Konflikte öffentlich verhandelt werden können. Gerade darin liegt ihre politische Bedeutung: Sie steht exemplarisch für den Versuch, einen liberalen Islam innerhalb einer pluralen, demokratischen Öffentlichkeit zu verorten.
Kampagnenstart: "Ich bin Muslim / Ich bin Muslimin"
Nach dem gemeinsamen Fastenbrechen launchte Tugay Saraç, Projektleiter im Mernissi-de Gouges Bildungs- und Sozialwerk, die neue Akzeptanzkampagne "Ich bin Muslim / Ich bin Muslimin". Sie soll den neuen Berliner Gedenktag gegen Islamfeindlichkeit am 15. März unterstützen.

Zum Auftakt wurden vier Bildmotive entwickelt, die sowohl als Plakate als auch als kostenlose Postkarten verbreitet werden sollen. Die Distribution orientiert sich bewusst an etablierten urbanen Kommunikationsformaten wie den in vielen Städten verbreiteten Gratis-Postkartenständern in Bars, Cafés und Restaurants, wie sie etwa durch die sogenannten "Edgar Cards" bekannt geworden sind.
Ziel dieser Kommunikationsstrategie ist eine niedrigschwellige Sichtbarkeit im öffentlichen Raum. Die Botschaften sollen dort präsent sein, wo sich eine junge, gesellschaftlich und politisch interessierte Stadtöffentlichkeit bewegt – etwa in Kneipen, Restaurants, Cafés oder Clubs. Die Kampagne nutzt damit bewusst informelle Räume öffentlicher Kommunikation, um gesellschaftliche Debatten über religiöse Identität aus institutionellen oder politisierten Kontexten heraus in alltägliche Begegnungsräume zu verlagern.
Die Kampagne verfolgt das Ziel, muslimische Identität nicht als homogenes religiöses Kollektiv darzustellen, sondern als pluralen Bestandteil einer demokratischen Gesellschaft. Damit reagiert die Initiative auf zwei verbreitete Verkürzungen öffentlicher Debatten: zum einen auf die Vorstellung eines einheitlichen "Islam", zum anderen auf stereotype Zuschreibungen muslimischer Lebensweisen.
Visuelle Strategie der Kampagne
Die vier Kampagnenmotive folgen einer klaren kommunikativen Struktur. Im Zentrum stehen bewusst formulierte Ich-Botschaften, die individuelle Selbstbeschreibungen in den Vordergrund stellen und kollektive Zuschreibungen vermeiden. Anstelle abstrakter religiöser Kategorien werden konkrete Alltagssituationen gezeigt. Die Bildsprache verzichtet bewusst auf konfliktorientierte Darstellungen und konzentriert sich stattdessen auf alltägliche Szenen sozialen Lebens.
Die Kampagne knüpft damit an Strategien der Diversitäts- und Minderheitenkommunikation an, wie sie in den vergangenen Jahren etwa in Kampagnen zur LGBTQIA*-Akzeptanz, im Kontext antirassistischer Öffentlichkeitsarbeit oder in Gleichstellungskampagnen entwickelt wurden. Ziel ist es, gesellschaftliche Vielfalt sichtbar zu machen und Minderheitenidentitäten nicht primär über Konflikt- oder Problemnarrative zu definieren.
Im Zentrum der Kampagne steht die Darstellung unterschiedlicher Lebensrealitäten muslimischer Menschen. Religiöse Praxis, kulturelle Identität und individueller Lebensstil fallen in modernen Gesellschaften häufig nicht deckungsgleich zusammen. Die Kampagne versucht, diese Differenz sichtbar zu machen und damit zu einem differenzierteren gesellschaftlichen Verständnis muslimischer Lebenswelten beizutragen.
Die vier Kampagnenmotive
Erstes Motiv: "Ich bin Muslim."

Das erste Bildmotiv zeigt einen Mann, der entspannt in einer Bar oder einem Restaurant sitzt, lacht und dem Betrachter mit einem Glas Rakı in der Hand zuprostet. Die Bildaussage wird durch eine minimalistische Botschaft ergänzt: "Ich bin Muslim."
Gerade die Reduktion auf diese kurze Selbstbeschreibung erzeugt eine bewusste Irritation gegenüber verbreiteten Erwartungshaltungen. In vielen islamischen Rechtstraditionen gilt Alkoholkonsum als haram, also religiös untersagt. Gleichzeitig gehört Alkoholkonsum in zahlreichen muslimisch geprägten Gesellschaften zum sozialen Alltag.
Das Motiv verweist damit auf eine zentrale Erkenntnis der Religionssoziologie: Religiöse Normen und gelebte Praxis fallen in modernen Gesellschaften häufig auseinander. Religiöse Identität wird nicht ausschließlich über normative Vorschriften definiert, sondern auch über kulturelle Zugehörigkeit, individuelle Lebensstile und situative Formen religiöser Praxis.
Gleichzeitig existieren innerhalb muslimischer Gemeinschaften starke soziale Kontrollmechanismen. Menschen, die religiöse Normen nicht befolgen, können Ausgrenzung oder moralische Sanktionen erfahren. Die Darstellung eines alkoholtrinkenden muslimischen Mannes verweist somit auch auf innergemeinschaftliche Konflikte zwischen normativen religiösen Erwartungen und individuellen Lebensentscheidungen.
Zweites Motiv: "Ich bin Muslimin."

Das zweite Motiv zeigt eine junge Frau ohne Kopftuch, gemeinsam mit ihrem Partner und ihren Kindern in einer alltäglichen familiären Situation. Die Botschaft lautet schlicht: "Ich bin Muslimin." Partner und Kinder sind offensichtlich mittel- bis nordeuropäischen Phänotyps.
Das Motiv reagiert zunächst auf eine verbreitete Symbolisierung muslimischer Frauen in öffentlichen Debatten, in denen das Kopftuch häufig als zentrales Identitätsmerkmal dargestellt wird. Die Präsentation einer unverschleierten Frau verweist darauf, dass muslimische Identität nicht ausschließlich über sichtbare religiöse Marker definiert werden kann.
Darüber hinaus thematisiert das Bild normative Erwartungen innerhalb konservativer religiöser Milieus: In traditionellen islamischen Rechtsauffassungen wird häufig erwartet, dass muslimische Frauen einen muslimischen Partner heiraten. Interreligiöse Partnerschaften können daher in traditionellen Familienstrukturen erheblichen sozialen Druck erzeugen.
Seyran Ateş berichtete über Beratungsfälle aus der Praxis, bei denen deutlich wurde, dass solche Konflikte nicht selten mit Fragen familiärer Ehre und sozialer Kontrolle verbunden sind. In extremen Fällen kann der Bruch mit familiären Erwartungen zu massiven Sanktionen führen. Als tragisches Beispiel solcher Dynamiken wird häufig der Mord an Hatun Sürücü im Jahr 2005 genannt, die von ihrem jüngeren, minderjährigen Bruder im Auftrag der Familie und im Namen der sogenannten Familienehre getötet wurde.
Das Motiv adressiert also Spannungsfelder zwischen individueller Partnerwahl, familiären Erwartungen und religiösen Normen.
Drittes Motiv: "Ich bin Muslim. Und queer."

Das dritte Motiv zeigt ein gleichgeschlechtliches Paar, das heiratet. Die Botschaft lautet: "Ich bin Muslim. Und queer." Damit thematisiert die Kampagne eine Lebensrealität, die in öffentlichen Debatten häufig unsichtbar bleibt: die Existenz queerer muslimischer Lebenswelten. Das Motiv widerspricht der verbreiteten Annahme, religiöse Identität und sexuelle Vielfalt seien grundsätzlich unvereinbar.
Gleichzeitig macht es auf die sozialen Konflikte aufmerksam, mit denen homosexuelle Muslime häufig konfrontiert sind. In vielen religiös geprägten Milieus existiert ein erheblicher sozialer Druck zur Anpassung an heteronormative Lebensmodelle. Dies kann zu arrangierten oder erzwungenen Ehen führen, die langfristig dysfunktionale Partnerschaften hervorbringen. Auch schwule Männer werden manchmal zwangsverheiratet, um die Familienehre zu schützen. Gleichzeitig stellt Homosexualität in muslimischen Communitys ein Tabuthema dar, sofern sie nicht – wie in dem Missbrauch afghanischer Jungen, den Bacha bazi – gesellschaftlich-traditionell kanalisiert wird.
Das Motiv zielt darauf ab, die Existenz sexueller Vielfalt innerhalb muslimischer Lebenswelten sichtbar zu machen und deren gesellschaftliche Anerkennung zu thematisieren.
Viertes Motiv: "Ich bin Muslimin."

Das vierte Motiv zeigt eine Frau mit offenen Haaren ohne religiöse Verschleierung vor einer Schultafel. Auch hier lautet die Botschaft schlicht: "Ich bin Muslimin." Ziel dieses Motivs ist die Normalisierung unverschleierter muslimischer Frauen im gesellschaftlichen Alltag. Es betont Zugehörigkeit statt Differenz und positioniert muslimische Identität als selbstverständlichen Bestandteil einer pluralen Gesellschaft.
Gleichzeitig verweist das Motiv auf eine gegenläufige Entwicklung in öffentlichen Darstellungen muslimischer Frauen. In Medien, Werbung und politischen Debatten werden muslimische Frauen zunehmend über sichtbare religiöse Kleidung wie das Kopftuch repräsentiert. Dadurch entsteht häufig eine stereotype Darstellung muslimischer Weiblichkeit.
Kampagnen wie "Freedom is my Hijab" oder der "World Hijab Day" tragen zusätzlich zur politischen Symbolisierung religiöser Kleidung bei. Kritikerinnen argumentieren, dass solche Kampagnen auch sozialen Druck auf Mädchen und Frauen verstärken können, religiöse Kleidung zu tragen. Auch die Modeindustrie hat konservative Musliminnen als potentielle Käuferinnen entdeckt und macht mit Werbung für "modest Fashion" große Umsätze.
Hinzu kommt die politische Debatte über staatliche Neutralität im öffentlichen Dienst. In Berlin existierte lange das Neutralitätsgesetz, das religiöse Symbole in bestimmten staatlichen Funktionen untersagte. Beamtinnen in Bildungseinrichtungen sowie Polizei und Justiz durften keine islamische Verschleierung tragen. Leider wurde das bundesweit einzigartige Gesetz zunehmend unterlaufen, und 2025 durch die schwarz-rote Regierung reformiert. In der Praxis bedeutet das, dass beispielsweise Lehrerinnen im Unterricht Hijab tragen dürfen. Kritiker befürchten, dass dies zu neuen sozialen Erwartungshaltungen gegenüber Schülerinnen führen könnte, da Lehrerinnen auch Vorbilder für Schülerinnen sind.
Politische Einordnung
Die Kampagne bewegt sich im Spannungsfeld aktueller Integrations-, Religions- und Identitätsdebatten. Sie greift ein zentrales Argument der politischen Theorie pluraler Gesellschaften auf: Identität ist nicht monolithisch, sondern mehrdimensional.
Muslimische Lebensrealitäten umfassen unterschiedliche Dimensionen: religiöse Praxis, kulturelle Tradition, individuelle Lebensstile, politische Überzeugungen. Die Kampagne versucht, diese Vielfalt sichtbar zu machen und damit eine Debatte zu verschieben, die in Deutschland häufig zwischen zwei vereinfachten Polen geführt wird: einer kulturellen Homogenisierung auf der einen Seite und einer religiösen Essentialisierung auf der anderen.
Indem sie individuelle Lebensrealitäten in den Mittelpunkt stellt, versteht sich die Kampagne als Beitrag zu einer differenzierteren öffentlichen Wahrnehmung muslimischer Gegenwartsgesellschaften in Deutschland.
Der Abend mit zahlreichen ProtagonistInnen aus Theorie und Praxis kann als wichtiger Beitrag in der gemeinsamen Auseinandersetzung um die Bedeutung des Islam für Integration und Demokratie bezeichnet werden.







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