Neue Karikaturen von Rolf Heinrich

Zornige Zeichnungen

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Rolf Heinrich mit seinem neuen Buch
Rolf Heinrich

Rolf Heinrich hat ein neues Buch mit religionskritischen Karikaturen veröffentlicht. Sein neues Werk "Teuflisch! Blasphemische Karikaturen und Gedanken" ist im Angelika-Lenz-Verlag erschienen. Im Interview beantwortet er Fragen zu seiner neue Veröffentlichung.

Hallo, Rolf! Zunächst einmal Glückwunsch zur Fertigstellung deines neuen Werks und danke, dass du dir wieder Zeit für ein paar Fragen nimmst.

Rolf Heinrich: Nein, ich muss mich bedanken – ich will doch, dass die Welt davon erfährt!

Ich freue mich sehr, vorab schon einen Einblick bekommen zu haben und einige der Zeichnungen hier auch präsentieren zu dürfen. "Teuflisch!" zeigt den Komplex aus Gott, Staat und Kirche als ein fünfaktiges Schmierentheater, das seine besten Jahre (sofern es die je gab) längst hinter sich hat. Entsprechend legst du deinen neuen Rundumschlag wie ein klassisches Drama in fünf Akten an. Siehst du Religion wirklich so – als Hokuspokus-Laientheater mit klerikalen Selbstdarstellern?

Ja, ich sehe das wirklich so, und das Schlimme daran ist, dass die "Zuschauer" ein ganz wichtiger Teil dieser Inszenierung sind, sonst würde es nicht so gut funktionieren. Dass es (in Deutschland) seine "besten Jahre" längst hinter sich hat, kann ich nicht bestätigen. Die körperliche Gewalt gegen Andersdenkende gibt es von klerikaler Seite zwar schon lange nicht mehr, aber die psychische Gewalt – wenn ich es mal so ausdrücken darf – ist allgegenwärtig.

Dein neues Buch folgt einem etwas anderen Aufbau als die "Kreuzschmerzen". Dort hatten deine Weggefährten (unter anderem "Bruder Spaghettus", Karlheinz Deschner und Michael Schmidt-Salomon) und andere profilierte Religionskritiker*innen Raum bekommen für etwas längere Betrachtungen. Das hast du diesmal nicht gemacht.

Das hat mehrere Gründe. "Kreuzschmerzen" wendet sich an die Leser*innen, die sich etwas mehr in das problematische Verhältnis von Staat und Kirche einlesen wollen. Mit Fakten der jeweiligen Experten und meinen Karikaturen.

Das aktuelle Buch "Teuflisch" dagegen wendet sich eher an ein Publikum, das schon in der Materie bewandert ist und sich darüber freut, dass die ganze religiöse Schwurbelei und Mystik sowie die Mär, dass das Sozialwesen ohne die Kirchen zusammenbrechen werde, in Wort und Karikatur gnadenlos entkleidet werden.

Deswegen werden die Karikaturen diesmal von einigen Aphorismen flankiert. Schöner Nebeneffekt für die Leser*innen: Oft wird man in der Öffentlichkeit unvermutet mit Aussagen über die "segensreiche" Arbeit der Kirchen, oder einfach nur "dafür danken wir Gott!" konfrontiert. Man möchte darauf konkret antworten, aber die Zeit und der Wille des Gegenübers dazu sind begrenzt. Da ist es hilfreich, sich meiner Aphorismen zu bedienen, die die Sache schnell zu Ende oder zur Diskussion bringen.

Zwischen deinen beiden Büchern liegen rund zweieinhalb Jahre. Wie viel Arbeit hast du in den "Teuflisch!"-Band gesteckt?

Sehr viel, oder auch relativ wenig – je nachdem, wie man es betrachtet. Die Aphorismen und andere Texte in diesem Buch sind über mehrere Jahre entstanden, ebenso die Karikaturen, wobei einige ziemlich neu sind.

Um aus diesem Fundus dann ein Buch zu machen, habe ich etwa zwei Monate gebraucht, wobei es mir immer wieder Leid tat, bestimmte Texte oder Zeichnungen aus Platzgründen nicht verwenden zu können.

Hat sich an deinem Modus operandi etwas geändert? Nutzt du zum Beispiel eine künstliche Intelligenz zur Erstellung deiner Karikaturen und Inhalte? Oder kommt bei dir immer noch die gute alte Tusche zum Einsatz?

Eine KI würde ich nie dazu benutzen, mich in Karikaturen oder Aphorismen auszudrücken – das wäre nicht mehr ich selbst!

Aber mit echter Tusche arbeite ich auch schon viele Jahre nicht mehr. Wie schon beim Buch "Kreuzschmerzen" erläutert, zeichne ich das Bild mit Bleistift vor, scanne es ein und die restliche Bearbeitung erfolgt am Computer.

Kurios, wie sehr mich die Arbeit mit den echten Tusche- und Farbstiften heute noch verfolgt: Wenn ich die Zeichnung am Computer mit dem digitalen Farbstift bearbeite, geht mir manchmal der Gedanke durch den Kopf: "Hoffentlich reicht die Farbe noch!"

Teuflisch! Ein Buch des Zorns?

Dein letztes Werk war schon keine Liebeserklärung an den Vatikan. Bei "Teuflisch!" hat man das Gefühl, du hast den Regler diesmal vollends auf "Zorn" gedreht. Das deckt sich mit deiner damaligen Ankündigung, dein nächstes Buch würde "sehr böse" werden. Ist das Ergebnis deinen Erwartungen entsprechend?

Ja, ich denke, in den Augen vieler Leute ist es ein "böses Buch". Schon über mein Buch "Kreuzschmerzen" hörte ich, "dass man das (die Abschaffung der kirchlichen Privilegien und die Kungelei mit dem Staat) doch nicht mit (verbaler) Gewalt" machen sollte. Die Zeit sei noch nicht reif dazu.

Den letzten Satz hörte ich auch vor Jahren, als ich dem Vorsitzenden der Regionalgruppe einer sehr bekannten humanistischen Organisation vorschlug, doch mal mit mir eine Karikaturenausstellung zu organisieren.

Ich selbst sehe mein Buch aber nicht als böse an, sondern – wie bei einem Kabarettisten – als eine Möglichkeit, durch eine andere Sprache oder Sichtweise die Menschen zu dem Gedanken zu verleiten: "Stimmt ja – so hab ich das noch nie betrachtet!"

Die Karikaturen und auch die Aphorismen sind drastischer geworden. Braucht es einfach gröbere Schläge, um die Mauern dogmatischer Bollwerke zu durchbrechen?

Ich sehe meine Arbeit zu "Teuflisch!" nicht als Werkzeug, um dogmatische Bollwerke zu durchbrechen, aber als "Tritt in den Arsch" der mittlerweile über 50 Prozent Konfessionslosen in Deutschland, sich doch mal in dieser Richtung zu bewegen und nicht immer aus Bequemlichkeit zur "Religion im Alltag" zu schweigen. Wenn das gelänge, wären wir schon einen großen Schritt weiter!

Cover
Cover

Du arbeitest dich in den fünf "Akten" des Buches quasi von oben nach unten durch die religiösen Hierarchiestufen durch. Der Abstieg beginnt beim vermeintlich Göttlichen und führt über Klerus und Staat dann zum allzu Menschlichen. Was ist für dich wichtiger: Die oberste Instanz infrage zu stellen oder die konkreten gesellschaftlichen Auswirkungen des Gottesglaubens zu kritisieren?

Es ist für mich alles wichtig – deshalb habe ich ja diese fünf "Akte" in meinem Buch geschaffen. Es hängt alles miteinander zusammen und wenn die Menschen anfangen, die "oberste Instanz" infrage zu stellen, stellen sie auch früher oder später das "Bodenpersonal" und dessen moralischen und finanziellen Anspruch infrage.

Im ersten Akt nimmst du dir das "Göttliche" vor und schreibst etwa, Gott sei "der Menschheit perverseste Erfindung". Wenn wir die enormen Fortschritte der Evolutionstheorie und der Astrophysik betrachten: Welches Mindesthaltbarkeitsdatum gibst du dem Konzept eines persönlichen Schöpfergottes noch, bevor es endgültig in der Abteilung für Mythologie und Märchen entsorgt wird?

Für dieses Konzept gab es nie ein Mindesthaltbarkeitsdatum, denn es war von Anfang an "nicht genießbar". Da du auch die Astrophysik erwähnst: Wenn sich sogar ein prominenter Astrophysiker als zutiefst gläubig outet und zu allen möglichen kirchlichen Feiertagen in einer Fernsehsendung mit einem katholischen Priester über Gott und Kirche schwafelt, dann ist das ein Zeichen, dass dieser Humbug – egal in welcher Form – noch lange Bestand haben wird.

Karikierte Kleriker

Im zweiten Akt geht es um die Kleriker. Warum schaffen es diese kostümierten Herren deiner Meinung nach immer noch, so viel gesellschaftlichen Einfluss zu simulieren, obwohl die Kirchenbänke so leer sind wie noch nie?

Die simulieren diesen Einfluss ja nicht – die haben ihn wirklich. Durch ihr Erziehungsmonopol von Kindheit an in Kita und Schule und ihrem Mitspracherecht bei gesellschaftlichen Themen und Entscheidungen – und natürlich auch durch ihre Stellung als Vertreter einer "Quasi-Staatskirche".

Du schreibst unter anderem, die Ökumene sei die "Suche nach gemeinsamen Krankheitssymptomen". Inwiefern ist Religionszugehörigkeit für dich ein pathologisches Phänomen?

Ich halte Religion generell in der heutigen Zeit mit unserem Wissen für ein pathologisches Phänomen. Man kann sie nur akzeptieren, wenn man sie bewusst von unserem Wissen und unserer Lebenserfahrung separiert. Religion ist kein organischer, logischer Bestandteil unseres Lebens, sondern ein Fremdkörper, der künstlich durch deren Kultdiener implementiert wird.

Typisches Merkmal einer gelungenen "Operation" ist der sogenannte Tunnelblick: "Lieber Gott, ich danke dir, dass du mich dieses Unglück hast überleben lassen!" Die logische Folgerung: "… und dafür 80 andere Menschen hast sterben lassen!" wird dabei nicht angedacht.

Staats- und Kirchenkritik

Dein Buch widmet sich auch der institutionellen Verflechtung – wenig überraschend, schließlich war das schon eines deiner Kernthemen, als du noch Chefredakteur der MIZ (Materialien und Informationen zur Zeit) warst, einem politischen Magazin für Konfessionslose und Atheist*innen. In einem säkularen Staat sollte die Trennung von Tisch und Bett zwischen Politik und Priesterkaste eigentlich längst vollzogen sein. Ist aber nicht so – ärgert dich das am meisten?

"Ärgern“ ist nicht der richtige Ausdruck. Es macht mich immer wieder sprachlos, mit welcher Selbstverständlichkeit und Unbekümmertheit von Menschen, die eigentlich Grundkenntnisse über unser Staatswesen und das Grundgesetz haben, die gebotene staatliche Neutralität mit Füßen getreten wird.

Es ist beispielsweise schon Normalität geworden, dass sich nach einem Unglück oder Attentat die politischen Größen zu einem Gottesdienst versammeln. In solchen Situationen verbietet es eigentlich das Feingefühl, dieses zu kritisieren – eine fatale Kombination!

Beim Verhältnis von Kirche und Bundesrepublik Deutschland sprichst du von einem "Trennfehler", forderst die Abschaffung des Religionsunterrichts und kritisierst Ausgleichszahlungen, Kirchensteuer und Säuglingstaufe. Wenn du ein "Freilos" hättest: Welche Maßnahme würdest du als die effizienteste einschätzen, um Säkularität in Deutschland zu beflügeln?

Alle genannten Themen alleine sind schon geeignet, das bröckelnde Gebäude dem Einsturz näher zu bringen. Ich würde aber mit der Abschaffung des staatlichen Einzugs der Kirchensteuer beginnen. Kirchensteuer können die Kirchen natürlich weiterhin erheben. Denn das bedeutet nur, dass der Mitgliedsbeitrag ihrer Schäfchen dynamisch an ihr Einkommen gekoppelt ist.

Wenn die Kirchen diese aber künftig selbst einziehen müssen, merken die Mitglieder erst mal richtig, was sie das kostet. Bisher ist die Kirchensteuer ein Teil der Abgaben vom Bruttoeinkommen, wie zum Beispiel Lohnsteuer und Krankenkassenbeiträge – da fällt das gar nicht so sehr auf. Das ist auch die Angst der Kirchen, dass beim Wegfall des staatlichen Einzugs der staatliche Charakter entfällt und eine weitere Lawine von Kirchenaustritten ausgelöst werden könnte. Ein weiteres Manko ist, dass die Kirchen auf die wahrheitsgemäße Auskunft der Mitglieder zu ihrem Einkommen angewiesen wären. Aber da würde ich mir keine Sorgen machen – Christen lügen ja nicht!

Natürlich nicht. Du arbeitest jetzt seit über 30 Jahren für einen säkularen Staat und eine Gesellschaft, in der Religionen die Bürger nicht mehr bevormunden können. Wird man nicht irgendwann müde?

Doch, manchmal wird man müde und gleichgültig. Zum Beispiel wenn ich höre, dass irgendwo wieder mal ein Bürgermeister beim Besuch eines kirchlichen Kindergartens die "wichtige Arbeit der Kirchen für die Allgemeinheit" in den höchsten Tönen preist, obwohl er weiß, von wem dieser Kindergarten wirklich finanziert wird.

In "Teuflisch!" ziehst du nicht nur christliche Konfessionen durch den Kakao, sondern zum Beispiel auch den Islam. Rechnest du hier auch mit Gegenwind, etwa dem Vorwurf der Islamophobie?

Nein, ich rechne nicht mit Gegenwind, denn die Karikaturen, die sich mit dem Islam beschäftigen, sind auch für Muslime zu verkraften – und sie sind ja keine Beschimpfung, sondern geben einen Teil der Wirklichkeit wieder.

"Das muss auch noch raus!" – die ultimative Kirchenkritik

Dein letzter Akt – "Das muss auch noch raus!" – wirkt wie eine Art intellektuelle Katharsis. Wenn du den Vorhang fallen lässt: Was ist die wichtigste Botschaft für Menschen, die zwar ungläubig sind, sich aber immer noch von den moralischen Zeigefingern der Institutionen einschüchtern lassen? Müssen auch sie erst zornig werden, um wirklich frei zu sein?

Ja, das müssen sie! Ich kenne einige, die gesagt haben, wenn die Kirche das oder jenes macht, dann trete ich aus. Es war dann eigentlich immer nur der spezielle Funke, der alles bewirkte. Es war Zorn, Empörung, die zum Kirchenaustritt führten. Bei mir war es die Empörung über die Kirche, als ich Deschners Bücher las, die mich dazu bewog, mich weiter damit zu beschäftigen.

In dieser Hinsicht stehe ich in der Tradition von Oskar Panizza und Johann Most, die ich auch deshalb sehr bewundere, weil ich nicht weiß, ob ich dieses Wagnis eingegangen wäre, wenn mir deren Strafen und Verfolgung gedroht hätten.

Rolf, ich danke dir für deine Ausführungen und wünsche dir und deinem Buch viel Erfolg!

Rolf Heinrich, Teuflisch! Blasphemische Karikaturen und Gedanken, Angelika-Lenz-Verlag 2026, ISBN 978-3-69253-004-8, 18,00 Euro

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