Er war ein früher aufklärerischer Denker in den USA: Thomas Paine. Sein Buch zur geistigen Gründung der USA liegt jetzt wieder in einer deutschsprachigen Version vor. Darin heißt es etwa: "Wir billigen insofern die Monarchie, dass in Amerika das Gesetz König sein sollte." Die Aktualität dieser Auffassung von 1776 bedarf wohl keiner Erläuterung.
Es gab auch Klassiker der politischen Philosophie, die bereits Bestseller in ihrem Erscheinungszeitraum waren. Ein Beispiel dafür ist "Common Sense" ("gesunder Menschenverstand") von Thomas Paine. Das eher schmale Buch erschien 1776, also vor genau 250 Jahren in den USA. Der Inhalt wird heute schon durch das Jahr angedeutet. Seinerzeit erklärten 13 amerikanische Staaten ihre Unabhängigkeit. Paine hatte diesen Schritt in der genannten Veröffentlichung eingefordert. So kann er heute als ein geistiger Mitbegründer der USA gelten, hier verstanden als ein von vielen Defiziten geprägter, erster moderner demokratischer Verfassungsstaat. Sein Buch erschien ein gutes halbes Jahr vor der konstitutiven Unabhängigkeitserklärung. Mehrere Gründe erklären die damals große Verbreitung: Der Autor forderte eine rechtsstaatliche Republik, einhergehend mit einem Bruch mit England. Beide Inhalte entsprachen einer breiten gesellschaftlichen Stimmung. Darüber hinaus wurden die Argumente dafür in leicht verständlicher Sprache vorgetragen, insgesamt in der eher kurzen Form von unter 50 Seiten.

Die vier Kapitel hatten unterschiedliche Schwerpunkte: Es erfolgten zunächst aber einige Bekundungen in der Einleitung, wonach seine Ausführungen keine persönliche Polemik beabsichtigten, sondern Fragen der ganzen Menschheit berühren wollten. Im ersten Kapitel ("Über den Ursprung und die Absicht der Regierung überhaupt") geht es um die Regierung, welche für die Bürger persönliche Sicherheit garantieren müsse. Dabei wird deutlich zwischen Gesellschaft und Regierung differenziert. Letztere kommt dabei grundsätzlich in der Wertung schlecht weg. Gleichwohl plädiert der Autor für ein repräsentatives Modell mit häufigen Wahlen. Gewaltenteilung solle dabei Machtmissbrauch verhindern. Im zweiten Kapitel ("Von Monarchie und erblicher Nachfolge") äußert Paine dann eine fundamentale Kritik an der englischen Monarchie, welche eben nicht durch das Volk kontrolliert werde. Ein gegenteiliger Eindruck sei eine Farce, könne doch nicht ernsthaft von einer Gewaltenteilung die Rede sein. Die eigentliche Herrschaft werde vom König ausgeübt.
Das folgende Kapitel ("Gedanken über den gegenwärtigen Zustand der amerikanischen Angelegenheit") erörtert dann noch einmal kritisch den Kolonialstatus, wobei der Autor dessen postulierte Nachteile hervorhebt und dessen angebliche Vorteile verwirft. Darüber hinaus bejaht er hier eindeutig den Republikanismus, der für eine Trennung allein schon aus Vernunftgründen spreche. Aus der Mitte der eigenen Nation müsse die Regierung gewählt werden. Genau aus dieser Denkperspektive argumentiert Paine, mit seinen religiösen Reflexionen scheint er eher eine verstärkende Wirkung beabsichtigt zu haben. Und dann wird im letzten Kapitel ("Über die gegenwärtigen Anlagen von Amerika") auch die dem "Mutterland" gegenüber bestehende Verbindung mit scharfen Worten negiert. Bedeutsamer als diese Ausführungen sind aber die längerfristig wirkenden Positionierungen dieses Textes. Es heißt etwa: "Alle Menschen sind ursprünglich einander völlig gleich" (S. 81). Indessen werden dabei soziale Ungleichheiten als legitim angenommen und verteidigt.
All diese Auffassungen kann man nun in einer neuen deutschsprachigen Ausgabe nachlesen. Sie erschien mit "Eine Sache der ganzen Menschheit. Zwei Schriften aus der Zeit der Amerikanischen Revolution", wobei als Autoren Christian Wilhelm Dohm und Thomas Paine genannt werden. Diese Betitelung irritiert, insbesondere was Dohm betrifft, welcher ein deutscher Sympathisant und Übersetzer war. Von ihm ist auch ein kürzerer Beitrag in der neuen Edition enthalten: "Einige der neuesten politischen Gerüchte" mit zwölf Seiten. Die Herausgeber können für dessen Notwendigkeit lediglich vorbringen, dass dieser Beitrag schon für ein frühes deutsches Interesse stand. Bedeutsamer als diese Entscheidung ist allerdings die genaue Hinführung, die aber auch wieder stark auf die deutsche Rezeption in der damaligen Zeit fixiert ist. Zwar findet man auch wichtige Angaben zu Paine, den man aber durch eine ausführlichere Darstellung so im deutschsprachigen Raum bekannter hätte machen können. Er ist ein Aufklärer, der größere Aufmerksamkeit verdient.
Thomas Paine/Christian Wilhelm Dohm, Eine Sache der ganzen Menschheit. Zwei Schriften aus der Zeit der Amerikanischen Revolution. Herausgegeben von Gideon Stiening und Kai Sina, Göttingen 2026, Wallstein-Verlag, 160 Seiten, 24 Euro






