Kortizes in der BrainWeek

"Science meets Comedy" in Nürnberg

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Prof. Dr. Martin Korte (l.) und Thomas Fraps (r.)
Prof. Dr. Martin Korte (l.) undThomas Fraps (r.)

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Zauberkünstler Thomas Fraps
Zauberkünstler Thomas Fraps

Wie gut Wissenschaftsvermittlung und Unterhaltung zusammenpassen können, bewiesen im März der Hirnforscher Martin Korte und der Zauberkünstler Thomas Fraps. Geboten waren verblüffende Illusionen, intelligenter Klamauk und Wissenswertes aus der Gedächtnisforschung.

In vielen Ländern finden jedes Jahr Mitte März Veranstaltungen rund ums Gehirn statt. Als Teil dieser von der US-amerikanischen DANA-Foundation ausgerufenen brainWeek bot das Institut für populärwissenschaftlichen Diskurs Kortizes in Kooperation mit dem Nürnberger Planetarium wieder die Veranstaltung "Science meets Comedy" an. Ein Format, das es in Nürnberg schon seit zehn Jahren gibt. Es startete damals mit dem britischen Wahrnehmungsforscher Peter Thompson, dem Erfinder der Thatcher-Illusion, und dem fränkischen Wortverdreher und Kabarettisten Oliver Tissot.

Beim diesjährigen Wissenschaftskabarett übernahm der aus dem Fernsehen bekannte Braunschweiger Neurobiologe Prof. Dr. Martin Korte mit einer erklärenden Tour durch verschiedenste Themen der Gedächtnisforschung den Wissenschaftsteil des Abends. Den Comedy-Part gestaltete der Zauberkünstler Thomas Fraps, der dem Publikum gekonnt erstaunte Blicke und so manches Kichern entlockte.

Wobei die Rollen nicht streng getrennt waren, sondern beide auf ihre Art das Seriöse mit dem Humorvollen mischten. So spielte Zauberkünstler Fraps auf amüsante Weise mit wissenschaftlichem Vokabular, etwa wenn er seine verblüffenden Seiltricks – während er sie vollführte – als Wirkungen von Enzymen auf DNS "erklärte" und zwar in einem wahren Wortschwall aus echten Genetik-Fachbegriffen.

Auch dass die Wörter, die Freiwillige aus dem Publikum später aus Büchern aussuchten, sich schon als anderswo notiert erwiesen, "erklärte" er nicht mit Bühnenmagie, sondern mit einer herrlich zusammenfabulierten Mischung aus Wissenschaftssprache und absurd-komischem Nonsens.

Einer der Höhepunkte seines kreativen Unfugs war Fraps' ernst vorgetragene Behauptung, Bücher gäbe es jetzt nicht nur als Hörbücher oder zum Download, sondern auch als Spray. "Dazu werden sie im Labor in ihre molekularen Bestandteile zerlegt. Denn Alphabetoide und Buchstaboide können von Hirnzellen direkt aufgenommen werden, mit Hilfe von Neurotransmittern wie Dopamin, Aladin und Merlin..."

Während Fraps Wissenschaftliches nahm und ins Absurde kippen ließ, ging Hirnforscher Korte den umgekehrten Weg und spannte den Humor geschickt vor den Karren der Erkenntnis. Denn das Lachen des Publikums über die eigenen Fehler bei den interaktiven Aufgaben des Biologen, erhöhte die Aufmerksamkeit für die Erklärungen, die dahinter stecken.

So konnte Korte etwa live zeigen, dass wir uns eine lange Wortliste merken können, wenn die Wörter über ein Themenfeld verbunden sind. Das zeigt sich gerade in dem unrühmlichen Nebeneffekt dieser Hirnstrategie. Denn auch das Nürnberger Publikum wollte neue, aber thematisch verwandte Wörter im Nachhinein ebenfalls in der Liste gesehen haben. Einfach, weil sie so gut ins Themenfeld gepasst hätten.

Wir erinnern uns also, dass sie auf der Liste waren, obwohl sie es nicht waren. Schlicht, weil es plausibel gewesen wäre. Dieser allgemein-menschliche Fehler demonstriere die assoziative Wirkungsweise des Hippocampus bei der Gedächtnisbildung, erzählte Korte, und sei der Grund für die häufige Entstehung falscher Erinnerungen.

Neben solchen, vor allem bei Zeugenaussagen vor Gericht problematischen Effekten des Gedächtnisses, ging es im Vortrag auch um Krankheiten wie Alzheimer, die Entstehung des autobiografischen Gedächtnisses und die Hirnareale, die den Eindruck der Ich-Perspektive erzeugen. Auch die Schwierigkeit schlechte Gewohnheiten wieder loszuwerden war ein großes Thema. Denn auch sie sind eine Form von Gedächtnis. Sogar eine sehr wirkmächtige.

Der Vortrag war damit auch ein kleiner Einblick in die Inhalte, die Korte im letzten Herbst in seinem neuem Neuro-Bestseller "Wir sind Gedächtnis – Wie unsere Erinnerungen bestimmen, wer wir sind" veröffentlicht hat (Deutsche Verlags-Anstalt, 2017). Sowohl dieses wie auch sein vorheriges Buch sind für ein breites Publikum empfehlenswert, weil er die Kunst beherrscht, komplexe Sachverhalte in eine verständliche, bildreiche Sprache zu bringen. Beispielweise spricht er bei den starken Synapsenverbindungen in einer Sucht davon, dass ungute Routinen auf diese Weise in "zelluläres Beton" gegossen würden.

Das Planetarium war gut besucht. Foto: © Brynja Adam-Radmanic
Das Planetarium war gut besucht. Foto: © Brynja Adam-Radmanic

Der Neurobiologe Prof. Dr. Martin Korte ist übrigens auch bei der nächsten anstehenden Kortizes-Veranstaltung zu sehen, dem Symposium "Was hält uns jung? – Neuronale Perspektiven für den Umgang mit Neuem", das dieses Wochenende, am 13.–15. April 2018, im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg stattfindet.

Hier hält er mit "Jung im Kopf" (dem Thema seines ersten Buches) einen der insgesamt 11 Vorträge von Forscherinnen und Forschern aus Hirnforschung, Psychologie und Philosophie über die verschiedensten Aspekte des neuronalen Alterns (Programm des Symposiums, Vortrag Korte).

Auch auf den Zauberkünstler und Entertainer Thomas Fraps kann sich das Kortizes-Publikum wieder freuen. Es dauert zwar etwas länger bis er wiederkommt, aber er hat bereits zugesagt auch bei der brainWEEK 2019 auf der Planetariumsbühne zu stehen – für eine weitere, vergnügliche Runde "Science meets Comedy".