UK: Eltern gegen religiöse Indoktrination in der Schule

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... nicht gerade das Lieblingsbuch von Konfessionsfreien.
... nicht gerade das Lieblingsbuch von Konfessionsfreien.

In Großbritannien wollte ein Ehepaar nicht länger hinnehmen, dass ihre Kinder an einer konfessionsfreien Schule Predigten evangelikaler Geistlicher hören mussten und die Bibel als Lebensführer angepriesen bekamen. Es klagte erfolgreich vor dem Obersten Gerichtshof in London.

Die Kinder von Lizianne und Lee Harris besuchen seit Jahren die Burford Primary School in Oxfordshire. Da es sich dabei um die einzige staatliche Schule der Stadt handelte, glaubten die konfessionsfreien Eltern ihre Kinder dort sicher vor religiöser Beeinflussung. Im Jahre 2015 jedoch übernahm eine Stiftung der Church of England die Schule. Die immer am Mittwoch stattfindenden Versammlungen erschreckten Kinder wie Eltern mit ihrer religiösen Indoktrination. So fanden beispielsweise Bibellesungen, Aufführungen von religiösen Geschichten inklusive einer Kreuzigungsszene, mit Kostümen und Soundeffekten oder auch Handpuppen sowie Predigten evangelikaler Geistlicher statt, obwohl diese gemeinsame Zeit auf der Website der Schule als Zeit, Gedanken und Werte zu formulieren und zu teilen beschrieben wird.

Nachdem sie ihre Kinder von diesen Versammlungen abgemeldet hatten, um sie vor dem Einfluss des evangelikalen Flügels der Church of England zu schützen, mussten die Harris feststellen, dass die Schule keine Alternative vorsah, sondern ihr Nachwuchs 20 Minuten mit einem iPad und einer Aufsichtsperson in einem separaten Raum wartete. Da das 1988 novellierte Erziehungsgesetz vorsieht, dass der Schultag mit einer Andacht beginnt, die im weitesten Sinne christlich sein soll, wenn dies nicht für die betroffene Schule oder eine Gruppe Kinder unpassend sei, sah die Burford Primary School keinen weiteren Handlungsbedarf und beklagte sich vielmehr, dass die Abmeldung der zehn von insgesamt 105 Kindern von den religiös gefärbten Veranstaltungen Ressourcen zur Beaufsichtigung und zukünftig sinnvollen Beschäftigung verschlinge.

Empört zogen die Harris vor den Obersten Gerichtshof in London und klagten, da sie durch die religiöse Indoktrination in der Schule ihr Recht auf Glaubensfreiheit, verankert in den Europäischen Menschenrechtskonventionen und für Großbritannien bekräftigt im Human Rights Act von 1998, verletzt sahen. Das Gericht gab ihnen Recht.

Die Schule steht nun in der Pflicht, eine sinnvolle Alternative für die Zeit religiös motivierter Versammlungen anzubieten.

Humanists UK, welche die Harris während ihres Einsatzes für ihre Kinder unterstützt hatte, sieht das Gerichtsurteil als guten Schritt, antiquierte Strukturen im Schulsystem aufzubrechen und fordert das Parlament auf, den Weg für Schulversammlungen zu ebnen, die alle Kinder einschließen und zudem zur Bildung beitragen.

Um es den Schulen so einfach wie möglich zu machen, hat Humanists UK bereits Material für 233 Versammlungen zusammengestellt. Lehrer*innen und Direktor*innen können aus 30 Themen wählen, die so interessante Bereiche wie Umweltjahrestage, Menschenrechte, Politik, Religion und Glauben, Werte und Emotionen, Selbstbewusstsein oder auch fairen Handel umfassen. Bei der Erstellung der Materialien wurde die humanistische Organisation von Nichtregierungsorganisationen wie Amnesty International oder UNICEF ebenso unterstützt wie von Mitarbeiter*innen des Parlaments und der British Broadcasting Corporation (BBC).

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