Baden-Württemberg

gbs-Landesverband veranstaltete Eltern-Workshop "Ethik statt Reli"

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Am 21.9. trafen sich Eltern online auf Einladung des gbs-Landesverbands in Baden-Württemberg, um sich über Fragen rund um den Ethikunterricht für Schüler:innen der Klassen 5 bis 8 zu informieren.

Die Regionalgruppen der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) im Landesverband Baden-Württemberg erreichen immer wieder Anfragen von Eltern, die sich nach Alternativen zum Religionsunterricht für ihr Kind erkundigen oder die über Probleme bei der Abmeldung vom Religionsunterricht berichten. Im Jahr 2021 hat sich im gbs-Landesverband eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich mit Fragen rund um den Ethik- und den Religionsunterricht befasst. Diese richtete nun erstmals einen Online-Workshop zum Thema aus.

Die Problemlage ist vielschichtig. Die unterschiedlichen Angebote für bekenntnisorientierten Religionsunterricht trennen die Schülerinnen und Schüler, führen zu Zersplitterung von Schulklassen und verhindern einen verbindlichen, gemeinsamen Werteunterricht. Der Ethikunterricht dagegen trägt zur Findung von Sinn im Leben bei und hilft bei der Etablierung eines ausgewogenen und belastbaren persönlichen Wertesystems. Die Schülerinnen und Schüler lernen, verantwortliche Entscheidungen zu treffen und sich auch zu komplexen Fragen fundierte eigene Meinungen zu erarbeiten. Der Ethikunterricht gibt darüber hinaus einen neutralen Überblick über unterschiedliche säkulare und religiöse Weltanschauungen und Philosophien statt einer bekenntnisorientierten Engführung auf eine einzelne Religion.

Abgesehen von diesen inhaltlichen Vorzügen löst ein einheitlicher Ethikunterricht im Klassenverband viele komplizierte Planungsprobleme, die bei verschiedenen Varianten von Religionsunterrichten auftreten. Zur Erläuterung: Es gibt acht Religionsgemeinschaften, die Religionsunterricht in Baden-Württemberg anbieten.

Mit dem Workshop des gbs-Landesverbands startete nun ein Informationsangebot für Eltern, deren Kinder noch nicht religionsmündig sind, die sich also nicht selbst vom Religionsunterricht abmelden können. Da zurzeit in Baden-Württemberg noch kein Ethikunterricht für die Klassen 1 bis 4 angeboten wird, konzentrierte sich die Veranstaltung auf die Klassen 5 bis 8.

Im Workshop gaben drei Referent:innen den Eltern einen ersten Einblick.
Dr. Inga Tappe (PH Ludwigsburg) bildet zukünftige Ethiklehrer:innen aus und unterrichtet auch das Fach Ethik an einer Heilbronner Schule. Sie stellte den Ethikunterricht in Baden-Württemberg, seine Ziele, Inhalte und Besonderheiten und auch seine Vorteile im Vergleich mit Religionsunterricht vor. An einigen Beispielen aus den Bildungsplänen für unterschiedliche Jahrgangsstufen verdeutlichte sie, wie Themen, die die Schüler:innen ganz konkret in ihrem Alltag betreffen, im Ethikunterricht thematisiert werden. So wird etwa mit den Schüler:innen ganz lebenspraktisch und aktuell über ethisches Verhalten in den Sozialen Medien gesprochen.

Ernst-Günther Krause (Diplom-Handelslehrer) startete in diesem Jahr eine bundesweite, repräsentative Umfrage zum Ethikunterricht. Zunächst erläuterte er die Hintergründe der Befragung und verdeutlichte, warum die ermittelten Zahlen aussagekräftig sind und die Einstellung der Bevölkerung hinreichend genau abbilden. Im Anschluss stellte er die Ergebnisse für Baden-Württemberg vor: 66 Prozent der Befragten in diesem Bundesland sind der Meinung, dass ein gemeinsamer Ethikunterricht für alle Schüler:innen am besten geeignet ist, ein friedvolles Miteinander zu fördern.

Michael Rux (Verantwortlicher Redakteur des Eltern-Jahrbuchs) informierte die Eltern über die rechtliche Situation und erklärte, wie man vom Religionsunterricht in den Ethikunterricht wechseln kann. Dazu gibt es für drei unterschiedliche Gruppen entsprechende Verwaltungsvorschriften. Für jede Gruppe stellte Michael Rux ein Musterschreiben vor.

Die rege Beteiligung im Chat und bei der anschließenden Diskussion zeigte, wie sehr das Thema dem Publikum unter den Nägeln brennt. Nach diesem erfolgreichen Elternworkshop plant der Arbeitskreis Ethikunterricht im gbs-Landesverband Baden-Württemberg zu Beginn des zweiten Schulhalbjahres, im Januar 2023, den nächsten Workshop für Eltern mit Kindern der Klassen 1 bis 4. Hier gestaltet sich die Abmeldung mangels Alternative zum Religionsunterricht oft schwierig und führt zu zahlreichen praktischen Problemen. Als ein Beispiel sei die Organisation der Betreuung derjenigen Kinder genannt, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen. Eine Plattform, auf der Eltern in Baden-Württemberg demnächst alle relevanten Informationen finden können, ist in Arbeit. Schon jetzt findet man Kompakt-Informationen bei den gbs-Regionalgruppen in Freiburg und Stuttgart.

Eltern und andere Interessierte, die Fragen haben oder aus dem Schulalltag rund um den Ethik- und Religionsunterricht berichten möchten, können gerne eine E-Mail schicken an: info@gbs-landesverband-bw.de.

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