Schuldfrei: Von der Wiege zur Wiege

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Fotos © Fiona Lorenz

BERLIN (hpd) Torsten de Winkel, einer der bekanntesten Jazz-Gitarristen der Welt, will „praktisch die Welt verändern, sie verbessern“. Mit Musik und Politik soll der „Chip im Kopf“ umgeschaltet werden. Ein anspruchsvolles Vorhaben. Kann es gelingen?

Ein Bericht über Cradle to Cradle und Bimbache von Fiona Lorenz.

 
 

Der deutschstämmige de Winkel spielte mit Pat Metheny, Aziza Mustafa Zadeh & Bill Evens, mit Whitney Housten und Hellmut Hattler. In New York gründete er das multikulturelle Musikerkollektiv New York Jazz Guerrilla. Seit 2005 ist de Winkel Mitinitiator des Bimbache openART Festivals auf der kanarischen Insel El Hierro, welches der multikulturellen Begegnung und einem Community Building gewidmet ist. Das hierauf basierende und von der UNESCO geförderte Human Condition Project veranstaltet Foren für die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Künstlern und Wissenschaftlern verschiedenster Traditionen und Gattungen – wie am vergangenen Wochenende in Berlin.

Quer denken

Michael Schmidt-Salomon ist ein deutscher Philosoph, Mitbegründer und Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung, die sich für Humanismus und Aufklärung im 21. Jahrhundert einsetzt. Die wichtigste Frage im Zusammenhang mit Cradle to Cradle ist „Jenseits von Gut und Böse“ – die Ablehnung des auf dem Konzept der „Willensfreiheit“ basierenden Schuldprinzips. Menschen haben keinen freien Willen. Sie können daher nicht schuldig sein, um das Konzept an dieser Stelle äußerst verkürzt darzustellen.

Michael Braungart ist Chemiker sowie Gründer und Leiter von EPEA Internationale Umweltforschung GmbH. Ihm geht es um die Rettung der Erde. Michael Braungart hat laut seiner Website das Cradle to Cradle®-Design-Konzept „maßgeblich entwickelt, er ist Querdenker, Mit- und Vordenker und sucht nach Lösungen für die drängendsten Fragen dieser Erde: Wie kann der Mensch sich in das Leben auf der Erde wirklich integrieren? Wie kann er nicht nur wenig Schaden anrichten, sondern wie kann er nützlich sein?“ An diesem Punkt werden die Schnittstellen zwischen Schmidt-Salomon und Braungart deutlich. Doch es geht noch weiter.

Monika Griefahn ist ehemalige Umweltministerin Niedersachsens und war bis 2009 SPD-Mitglied des Bundestags. Sie war in den 1980ern – gemeinsam mit ihrem Mann Michael Braungart – für den Aufbau von Greenpeace in Hamburg verantwortlich und leitete dort drei Jahre lang das Büro. Ihr Credo lautet: „Jeder sollte in die Politik gehen und nicht anderen die Politik überlassen.“

Nadjet Hamdi ist die Vertreterin der Westsahara in Österreich, ihr Titel lautet Polisario Front Representation. Westsahara ist heute durch eine mehr als 2000 km lange Mauer geteilt. Der Westen steht unter

der Kontrolle Marokkos, der äußerste Osten und Süden unter der Kontrolle der Polisario. Westsahara ist seit 21 Jahren von Marokko besetzt, trotz Waffenstillstands, erzählt Hamdi. Denn Westsahara ist reich an Phosphat und Fisch.

Was hat Westsaharas Polisario mit einem Gitarristen auf El Hierro, mit einem Chemiker, der Cradle to Cradle propagiert, mit einer deutschen Politikerin und mit einem Philosophen zu tun?