Weiter ohne "ordentlichen" Religionsunterricht

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Rotes Rathaus, Foto: Riki1979 (wikimedia commons)

BERLIN.(hpd) Was die Einen als Erfolg des Volksbegehrens 2009 fei­er­ten und fei­ern, stößt Anderen sauer auf. Jetzt kommt zu der Enttäuschung aus ’09 die nächste Schlappe hinzu: obwohl die CDU nun in Berlin mit an der Macht ist, konnte sie sich mit ihrer Forderung, den Religionsunterricht zu einem ordent­li­chen Lehrfach machen zu wol­len, in den Koalitionsverhandlungen nicht durch­set­zen.

Die Mehrheit der Berliner will die Beibehaltung des Status quo; es wäre ein Aushebeln des Wählerwillens durch die Hintertür gewe­sen, hätten sich Henkel und Mannen durch­ge­setzt; ver­nüf­tig, dass die SPD dies erkannte und ver­hin­dern konnte.

Selbstverständlich fin­det das nicht aller­or­ten Beifall. Andere nen­nen die Abwehr von unde­mo­kra­ti­schen und gegen die Mehrheit gerich­te­ten Vereinbarungen dann auch schon mal "feh­len­den Fortschritt": "Der Drang zur Macht war ein­mal mehr stär­ker als das 'C' im Parteinamen: Berlins CDU hat die Koalitionsvereinbarung mit der SPD am Montagabend ein­stim­mig ange­nom­men – und damit feh­lende Fortschritte beim Thema Religionsunterricht in Kauf genom­men um ins Rote Rathaus zurück­keh­ren zu kön­nen." [Quelle: Domradio]

Und wo die Tatsachen dafür spre­chen, dass die Notwendigkeit von (zumin­dest christ­li­chem) Religionsunterricht man­gels Interesse immer gerin­ger wird, klagen CDU und Kirche uni­sono über feh­lende Gelder: "Der Schuldezernent des Erzbistums Berlin, Hans-Peter Richter, erklärte, dadurch sei der katho­li­sche Religionsunterricht jetzt mas­siv gefähr­det. Zur Begründung führte er an, dass die Landesmittel dafür auf dem Stand von 2002 ein­ge­fro­ren seien und mitt­ler­weile weni­ger als die Hälfte der Kosten deck­ten. Unter die­sen Umständen müsse die Kirche ihren Unterricht im kom­men­den Jahr 'in gra­vie­ren­der Weise her­un­ter­fah­ren'." [Quelle wie oben]

Es muss die Frage gestat­tet sein, wes­halb der Staat, sprich: der Steuerzahler mehr aus­ge­ben soll für einen immer gerin­ge­ren Bedarf an Lehrern und Schulstunden. Und noch viel gene­rel­ler: wes­halb Staat und Steuerzahler über­haupt für reli­giöse Indoktrinierung von Kindern und Jugendlichen auf­kom­men sol­len?

Der Senat zahlt bekanntlich nur für Klassen mit einer Mindestanzahl von Schülern. Entscheidet sich die Kirche aus lobbyistischen Gründen, auch in kleineren Klassen oder Kleingruppen Religionsunterricht zu erteilen, (nach dem Motto: sind wir erst einmal aus der Schule raus, ist es schwierig, wieder hinein zu kommen), dann muss sie das entsprechend auch selber finanzieren.

F.N.