Todesstrafenbericht 2025 von Amnesty International

Grausamer Rekord

stacheldraht_verurteilt.png

Traurige Bilanz von Amnesty International: Die Menschenrechtsorganisation registrierte im vergangenen Jahr weltweit mindestens 2.707 Hinrichtungen – so viele wie seit dem Jahr 1981 nicht mehr.

Erhängen, Erschießen, tödliche Injektion per Giftspritze, Enthaupten oder in jüngster Vergangenheit die Hinrichtung mit Stickstoff: weltweit sind im vergangenen Jahr laut Amnesty International so viele Menschen hingerichtet worden wie seit 1981 nicht mehr. Mit mindestens 2.707 erfassten Hinrichtungen war die Zahl der Exekutionen fast doppelt so hoch wie 2024, wie der Todesstrafen-Bericht der Menschenrechtsorganisation aufzeigt.

"Der dramatische Anstieg von Hinrichtungen um 78 Prozent im Vergleich zum Vorjahr geht vor allem auf wenige Staaten zurück, die die Todesstrafe gezielt als Instrument der Einschüchterung einsetzen, allen voran China, Iran und Saudi-Arabien", stellt der Bericht fest. Die höchste Zahl an Hinrichtungen wird in China vollstreckt. Das tatsächliche Ausmaß ist jedoch unbekannt, weil entsprechende Daten zu Exekutionen als Staatsgeheimnis gelten. Doch Menschenrechts-Beobachter gehen von Tausenden Hinrichtungen aus.

Besonders kritisch ist auch die Lage im Iran. Hier wurden im Vorjahr mindestens 2.159 Menschen hingerichtet. Die iranischen Behörden setzten die Todesstrafe laut Bericht "weiterhin als Waffe ein, um Angst in der Bevölkerung zu verbreiten" und diejenigen zu bestrafen, die das System herausforderten. Auch in diesem Jahr sind nach den Massenprotesten im Januar im Verlauf des Krieges gegen die USA und Israel bereits mehrere Menschen im Iran exekutiert worden.

In Saudi-Arabien – das seit Jahren als eines der grausamsten Länder die Bilanz des Grauens mit anführt – wurden dem Jahresbericht zufolge 2025 mindestens 356 Exekutionen vollzogen. Es folgen Jemen mit mindestens 51 und die USA mit 47 Hinrichtungen. US-Präsident Donald Trump gilt als Befürworter der Todesstrafe. Auch die Mehrheit der US-Bürger ist von der Notwendigkeit der Todesstrafe überzeugt. US-Justizminister Todd Blanche sprach sich zuletzt dafür aus, dass Straftäter auf Bundesebene künftig auch durch Erschießen hingerichtet werden dürfen.

Aufgeführt wird in dem Bericht auch das neue israelische Gesetz von diesem Jahr, das vorsieht, dass bei terroristisch motiviertem Mord mit dem Ziel der Vernichtung des Staates Israel die Todesstrafe oder lebenslange Haft verhängt werden können. Vor israelischen Militärgerichten in den palästinensischen Gebieten ist die Todesstrafe in solchen Fällen sogar zwingend. Das Gesetz wird noch vom obersten Gericht in Israel überprüft. Kritiker sehen es als diskriminierend an, weil es de facto nur Palästinenser betrifft (der hpd berichtete).

Der aktuelle Bericht zeigt aber auch: Trotz des drastischen Anstiegs von Exekutionen insbesondere in der Region Naher und Mittlerer Osten bleibt die Anwendung der Todesstrafe global die Ausnahme: In Europa und Zentralasien wurden 2025 keine Todesurteile verhängt und keine Hinrichtungen vollstreckt. Auf dem amerikanischen Kontinent waren die USA im 17. Jahr in Folge das einzige Land, in dem Menschen hingerichtet wurden, und in Afrika führten 2025 nur drei von 54 Staaten Hinrichtungen durch. Zudem machen Entwicklungen weltweit deutlich, dass die globale Abschaffung der Todesstrafe mit Ausdauer und entschlossenem Einsatz möglich ist. So haben die Behörden in Vietnam und Gambia die Todesstrafe für zahlreiche Straftaten abgeschafft. Im Libanon und in Nigeria schließlich wurden Gesetzesentwürfe zur Abschaffung der Todesstrafe eingebracht und in Kirgisistan erklärte das Verfassungsgericht Versuche zur Wiedereinführung der Todesstrafe für verfassungswidrig.

Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty International Deutschland, beharrt auf dem "Prinzip Hoffnung" und gibt sich kämpferisch: "Die Staaten, die weiterhin hinrichten, stehen zunehmend isoliert da. Als Amnesty International 1977 die Arbeit gegen die Todesstrafe aufnahm, hatten nur 16 Staaten die Todesstrafe abgeschafft. Heute sind es 113 – mehr als die Hälfte aller Länder der Welt. Weltweit setzt sich die Erkenntnis durch, dass die Todesstrafe grausam, diskriminierend und wirkungslos ist – und deshalb keinen Platz mehr in unserer Zeit haben darf."

Unterstützen Sie uns bei Steady!