Der bfg Bayern im Gespräch mit Terre des Femmes

Wie wichtig ist die säkulare Gesellschaft zur Umsetzung von Frauenrechten?

tdf_gesa_birkmann_c_jeannette_kneisel.jpg

Gesa Birkmann
Gesa Birkmann

Was hat Säkularismus mit Feminismus zu tun? Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen der Agenda der bayerischen "Atheisten" und einer Frauenrechtsorganisation mit Sitz in Berlin? Gislinde Nauy, stellvertretende Vorsitzende des Bund für Geistesfreiheit (bfg) Bayern und selbst seit Jahren feministisch aktiv, sprach mit Gesa Birkmann, einer Frau aus der neuen Dreier-Spitze von Terre des Femmes, über gemeinsame Ziele ihrer Arbeit. Was dabei herauskommt, wenn zwei kluge Frauen ihre feministische Expertise vereinen, ist am kommenden Sonntag um 6:45 Uhr auf BR2 zu hören.

15 Minuten sind eine kurze Zeitspanne, darum kommt man in der Sendung "Menschsein" schnell zum Punkt. Um Missverständnisse vorab aus dem Weg zu räumen, wird jedoch beim Thema "Säkularismus und Frauenrechte" zunächst das Feld abgesteckt. Gislinde Nauy beschreibt den "Säkularismus" als die Idee einer Gesellschaft, in der Staat und Kirche beziehungsweise Politik und Religion getrennt sind. Das Ziel des Feminismus definiert Gesa Birkman als "die umfassende Gleichstellung, Selbstbestimmung und Chancengleichheit aller Geschlechter in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft". Und dann wird die knappe Sendezeit genutzt, äußert verdichtet und präzise auf hochaktuelle gesellschaftliche Entwicklungen einzugehen.

Der Verein Terre des Femmes wurde vor gut 45 Jahren gegründet und ist die größte unabhängige Frauenrechtsorganisation Deutschlands mit Sitz in Berlin. Zum damaligen Gründungsthema, dem Kampf gegen die weibliche Genitalverstümmelung, sind im Laufe der Jahre noch viele weitere Themen dazugekommen. Der Fokus liegt auf geschlechtsspezifischer Gewalt. Informationen zu Terre des Femmes e. V. gibt es auf der Website, u.a. finden sich dort Ausführungen über die Forderung nach einem gleichberechtigten Klassenzimmer. Zum Positionspapier zum Ethikunterricht geht es hier.

Der Kampf um das Recht auf einen sicheren Schwangerschaftsabbruch kann man als ur-feministisches Thema bezeichnen. Die Versuche, den Paragrafen 218 aus dem StGB zu streichen und damit das Recht von Frauen, über ihren Körper selbst zu bestimmen, zu entkriminalisieren, sind zuletzt (wieder) gescheitert. Frauenrechtlerinnen und säkulare Organisationen ziehen hier weiterhin an einem Strang, während sie im Namen patriarchal geprägter religiöser Überzeugungen immer wieder Steine in den Weg gelegt bekommen.

Das Thema Schule ist ebenso eines, das der bfg Bayern schon länger auf seiner Agenda hat. Nicht zuletzt deshalb, weil Bildung Ländersache ist. Er fordert grundsätzlich die Abschaffung des konfessionellen Religionsunterrichts in staatlichen Schulen. Im September 2025 gab es speziell hierzu bereits die Sendung "Stell dir vor, es ist Reli und niemand geht hin". Stattdessen tritt der bfg Bayern für einen allgemeinen Ethikunterricht ein, in welchem alle Schülerinnen und Schüler ab der ersten Klasse gemeinsam etwas über unterschiedliche religiöse und weltanschauliche Überzeugungen lernen können. Beim Abgleich dieser Forderungen mit dem bereits 2020 veröffentlichten Positionspapier von Terre des Femmes stellt sich heraus, dass nicht nur die Ziele, sondern auch die Begründung dieser Forderung deckungsgleich sind. Sowohl aus säkularer als auch aus frauenrechtlicher Sicht wäre ein verpflichtender Ethikunterricht für alle Kinder eine große Chance, schon früh die Weichen für Respekt und Toleranz innerhalb der Gesellschaft von morgen zu stellen. Wenngleich Bildung, und somit auch der Ethikunterricht, Ländersache ist, gäbe es dennoch Möglichkeiten, hier auf Bundesebene etwas zu tun, erklärt Gesa Birkmann im Interview.

Gesa Birkmann ist eine der Frauen aus der neuen Dreier-Spitze von Terre des Femmes und als Bundesgeschäftsführerin "Politik und Themen" die politische Stimme des Vereins. Nach zwei Jahrzehnten Verantwortung für nationale und internationale Kampagnen in Deutschlands Top-Kreativagenturen wechselte sie 2017 bewusst von der kommerziellen Markenführung zur gesellschaftlichen Verantwortung.

Gleiches gilt für die Forderung nach einem Kinderkopftuchverbot. Hier bezieht Terre des Femmes eine äußerst klare Position, mit der sich der Verein in der Vergangenheit vielerorts Kritik eingefangen hat: Ein Kopftuchverbot in öffentlichen Bildungseinrichtungen für Mädchen unter 14 Jahren. Gesa Birkmann macht mit der frauenrechtlichen Position unmissverständlich klar, dass es Terre des Femmes mit dieser Forderung ausschließlich um Mädchenschutz geht und kein Angriff auf "den Islam" beziehungsweise Überzeugungen seiner Anhänger*innen verfolgt wird. Das Klassenzimmer sollte ein gleichberechtigter Ort sein und dazu gehört auch, dass alle den Kopf frei haben, niemand in seiner/ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt wird und dass Mädchen keine Frühsexualisierung erfahren. Was einem vielerorts in Bayern bislang noch selten begegnet, scheint etwa in Berlin immer mehr an der Tagesordnung: Bereits kleine Mädchen im Kita-Alter werden täglich mit Kopftuch in die Betreuungseinrichtungen gebracht. Terre des Femmes sieht hier Mädchenrechte in Gefahr.

Das Gespräch wirft kurze Spotlights auf wenige Aspekte, für mehr ist kein Raum innerhalb des kleinen Sendeplatzes, das dem bfg Bayern im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zugestanden wird. Doch vielleicht könnte dieses Gespräch der Auftakt zu einer umfassenderen Zusammenarbeit für gemeinsame Anliegen sein, damit säkulare sowie feministische Ziele schneller erreicht werden. Wer die säkulare Bewegung in Deutschland kennt, dem wird aufgefallen sein, dass der Anteil aktiver Frauen dort nach wie vor sehr gering ist. Warum dem so ist, kann auch dieser Beitrag leider nicht ergründen. Wie sehr einer säkularen Gesellschaft aber Frauenrechte auf allen Ebenen zugutekäme, wird durchaus deutlich.

Die ganze Sendung kann man am Sonntag, 26.04.2026, 6:45-7:00 Uhr auf BR2 anhören.

Die Sendungen bei BR2 und gelegentlich auch ausführlichere Interviews sind in der Mediathek des bfg Bayern sowie auf Spotify und Apple Podcasts unter dem Titel "Menschsein – der Podcast des bfg Bayern" nachzuhören.

Unterstützen Sie uns bei Steady!