Das Kino bewirkte eine Befreiung von der Religion

Paul Schrader

* 22. Juli 1946 in Grand Rapids, Michigan, USA;
US-amerikanischer Drehbuchautor und Filmregisseur. Er ist einer der Repräsentanten des „New Hollywood Cinema" und war Präsident der Jury bei der Berlinale 2007.

Schrader wurde streng calvinistisch erzogen. Bibel lesen gehörte in seiner radikal protestantischen Familie zum „täglichen Brot„. Mit dieser Lehre ausgestattet, kam er zum ersten Mal in Kontakt mit dem Kino. Als er siebzehn Jahre alt war, durft er im Sommer bei seiner Tante erstmals ins Kino. Dort sah er den Film: „Wild in the Country“ mit Elvis Presley. „Ich begriff sofort, warum meine Mutter nicht wollte, dass ich ins Kino gehe.“ Eigentlich wollte er zu dieser Zeit Priester werden, erkannte jedoch während seines Studiums in New York im Jahr 1967, dass Filme ihn mehr interessieren als die Religion.

Er ging an die University of California in Los Angeles, um Filmkunst zu studieren. Zunächst wurde er Filmkritiker, nach einer Weile reichte ihm das nicht mehr, er wollte selber Filme machen. Er schrieb Drehbücher und nach dem Erfolg mit „Taxi Driver“ im Jahr 1976 führte er auch selbst Regie.

Schrader ist ein fleißiger und genauer Handwerker, jedoch auch Intellektueller und Philosoph. Zeitgeschichte und historische Abläufe hat er genauestens studiert und seine Drehbücher bescheinigen sehr genauen Detailkenntnisse, die auf ausführlichen Recherchen beruhen. Sein Film „Die letzte Versuchung Christi“ rief vor allem unter konservativen Christen wütende Proteste hervor, da der Film durch sein Gottesbild und die Zeichnung von Jesus in einem grundsätzlichen Widerspruch zur christlichen Heilsbotschaft steht.

Das Kino hatte Schrader geholfen, sich von der Religion zu verabschieden. Die großen Fragen des Lebens ließen ihn aber nie los. Bei allem, was er schreibt und dreht, kommt ein „existenzieller Held“ im Sinn und Anlehnung an Sartre und Camus heraus .