Seine erste religionskritische Schrift wurde sofort verboten

Ludwig Feuerbach

* 28. Juli 1804 in Landshut; Δ 13. September 1872 in Rechenberg bei Nürnberg;
deutscher Philosoph; einer der großen Vordenker seiner Zeit.

 

Er hat gegen heftigste Widerstände, politisch-emanzipatorische Positionen formuliert und verfochten, die bis in die Gegenwart nichts an ihrer Bedeutung verloren haben.

Dass er sich als einer der ersten Philosophen in Deutschland zum Atheismus bekannte, trug ihm nicht nur zu seinen Lebzeiten, sondern weit über seinen Tod hinaus die Feindschaft konservativ-klerikaler Kreise ein.

Wohl wissend um den geistigen Sprengstoff, den er damit freisetzte, hatte Feuerbach 1830 seine erste religionskritische Schrift, „Gedanken über Tod und Unsterblichkeit” anonym veröffentlicht. Sie wurde sofort verboten und als die Nachforschungen ergaben, dass er der Autor war, war seine Hochschulkarriere beendet.

Nach der gescheiterten Revolution von 1848 wurde er polizeilich überwacht, seine Wohnung wurde durchsucht. Konservative Kreise würdigten ihn herab. Während ihn nach seinem Tod die damals ebenfalls verfemte junge sozialdemokratische Partei als „große(n) Kämpfer für die Befreiung des Volkes aus den Banden geistiger Sklaverei” feierte, versuchten seine Gegner, auch der offizielle Wissenschaftsbetrieb ihn totzuschweigen. Feuerbach war lange Zeit in Frankreich, England und in den USA bekannter als in Deutschland.

Feuerbach steht einer konservativen, vernunftfeindlichen Kirche gegenüber, die eng mit einer entsprechenden Regierung verbunden ist. Er nimmt das Hegelsche Gottesbild als eine Form von Idealismus. Feuerbach will keine idealistisch-spekulative Philosophie, sondern der reale Mensch mit seinen sinnlichen Empfindungen und Erfahrungen soll Ausgangspunkt sein. Davon ausgehend sei Religion eine Projektion menschlicher Wünsche und Vorstellungen. Daraus wiederum schlussfolgert er die Nichtexistenz Gottes. Um einen wahren Humanismus zu erklären, setzt er den Menschheitsbegriff an die Stelle Gottes, damit der Mensch sich als Einheit sehen kann.

Der Versuch, ihm in seinem langjährigen Domizil in Nürnberg anlässlich seines 100. Geburtstags ein Denkmal zu setzen, scheiterte im Jahr 1904. Nur eine Gedenktafel wurde geschaffen. Erst 25 Jahre später führte ein neuer Anlauf zum Erfolg. Auf Anregung des liberalen (Deutsche Demokratische Partei) Bürgermeisters Dr. Luppe entstand eine private Initiative, die inmitten der Weltwirtschaftskrise aus privaten Spenden das Geld für ein Denkmal aufbrachte. Auf dem Gedenkstein war das bekannte Zitat: „Der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde” eingemeißelt, was zu heftigen Protesten von Seiten der Kirchen, politisch konservativer Kräfte und der stärker werdenden Nationalsozialisten führte. Letztere entfernten dann das Denkmal kurz nach ihrer Machtübernahme. Im Jahr 1954 wurde der Stein im Trümmerschutt wiedergefunden, die sozialdemokratische Mehrheit im Stadtrat beschloss, als Akt der Wiedergutmachung, das Denkmal wieder herzurichten. Darüber gab es erneut heftige politische Auseinandersetzungen. Wiederum versuchten die Kirchen diesmal im Bündnis mit der CSU, auch die FDP stand auf ihrer Seite, die Wiedererrichtung des Denkmals zu verhindern. Der inkriminierte, von vielen als „gotteslästerlich" empfundene Satz wurde von Denkmalsgegnern kurz vor der Einweihung übermalt. Es gab sogar eine Verfassungsbeschwerde, mit dem Ziel das Denkmal wieder zu beseitigen.

Erst zu seinem 200. Geburtstag, zu dem er u. a. mit einer Sonderbriefmarke geehrt wurde, erhielt Feuerbach jene Aufmerksamkeit aus Politik und Wissenschaft, die ihm eigentlich schon lange zugestanden hätte.

Zitat:
„Jetzt gilt es vor allem den alten Zwiespalt zwischen Diesseits und Jenseits aufzuheben, damit die Menschheit mit ganzer Seele, mit ganzem Herzen auf sich selbst, auf ihre Welt und Gegenwart sich konzentriere.”