Religion spielte in seinem Leben keine Rolle

Walter Reuter

* 4. Januar 1906 in Berlin; Δ 20. März 2005 in Cuernavaca, Mexiko;
antifaschistischer deutscher Fotograf, Teilnehmer des Spanischen Bürgerkrieges und floh schließlich nach Mexiko ins Exil.

Für seine fotografische und filmerische Leistung wurde er vielfach ausgezeichnet, insbesondere für seine Dokumentationen des Lebens der indigenen Bevölkerung. In Erinnerung an sein Lebenswerk vergibt die Deutsche Botschaft in Mexiko den „Walter Reuter Preis" an dortige Journalisten zur Förderung der journalistischen Arbeit über die deutsch-mexikanische Beziehungen.

Reuter wuchs in einem proletarischen Viertel auf. In der eigentlich bürgerlich geprägten Jugendbewegung gehörte er zum linken Flügel. Als er sich an einer Solidaritätsaktion gegen das brutale Vorgehen der Berliner Polizei am 1. Mai 1929 beteiligte, verlor er seine Arbeit als Chemiegraph. Er machte nun sein Hobby zum Beruf und wurde freischaffender Fotograf. Für die „Arbeiter-Illustrierte-Zeitung" machte er u. a. eine Reportage über den berüchtigten SA-Sturm 33 aus Berlin-Charlottenburg. Mit dem Machtantritt der Nazis musste er um sein Leben fürchten und floh mit seiner jüdischen Freundin nach Frankreich.

Im spanischen Bürgerkrieg kämpfte er zunächst mit der Waffe, dann mit der Kamera auf Seiten der Republikaner. Nach dem Ende des Bürgerkriegs wurde er interniert, 1942 gelang ihm die Flucht, gemeinsam mit Frau und Kind konnte er von Casablanca nach Mexiko ausreisen. Dort gelang es ihm, zu einem der profiliertesten Fotojournalisten des Landes zu werden. Er arbeitete für wichtige mexikanische Illustrierte, machte im Auftrag der Regierung verschiedene Bilddokumentationen und fotografierte auch die dortige deutsche Emigrantenszene. Später arbeitete er auch als Kameramann und Filmemacher und drehte sozialkritische Dokumentar- und Spielfilme.

Ab den 1950er Jahren begann er das Leben der mexikanischen Urbevölkerung zu dokumentieren. Er unternahm weite Reisen in abgelegene Gebiete, und es gelang ihm, das Vertrauen der dortigen Menschen zu gewinnen, die ihn an ihrem Leben teilhaben ließen. Er dokumentierte nicht nur, sondern setzte sich auch für die kulturellen und politischen Rechte der Urbevölkerung ein.

Religion spielte in seinem Leben keine Rolle.