Die FDP-Politikerin und EU-Abgeordnete Marie-Agnes Strack-Zimmermann präsentiert Jacques Tillys Düsseldorfer Karnevals-Motive im Europäischen Parlament in Brüssel – und die rechte Fraktion der "Europäischen Konservativen und Reformer" protestierte prompt.
Gestern wurde die Ausstellung mit rund 50 ausgewählten politischen Karnevalswagen aus 37 Jahren im Foyer des Europäischen Parlaments in Brüssel eröffnet. Initiatorin der Ausstellung ist Marie-Agnes Strack-Zimmermann von der liberalen Fraktion "Renew Europe". In ihrer Begrüßung betonte sie, dass Kritik zur Demokratie gehöre und niemand Politiker werden solle, der den Umgang auch mit harter und bissiger Kritik nicht gelernt habe. Satire sei eine besonders eingängige und wirkmächtige Form von Kritik. Sie schwäche die emotionale Grundlage autoritärer Herrschaft, nämlich Ehrfurcht, Angst und Unantastbarkeit. Satire entlarve auf leicht verständliche Art die inszenierte Stärke der Diktatoren. Sie entziehe ihnen damit die Kontrolle über das Narrativ. Daher werde sie in undemokratischen Diktaturen verfolgt und verboten.

Jacques Tilly thematisiert auf seinen politischen Wagen mit Vorliebe die Autokraten aller Länder. Unter den ausgewählten 50 Wagen dominieren Putin mit zehn und Trump mit acht Motiven. Aber auch der islamistische Fundamentalismus und rechtspopulistische Parteien bilden Schwerpunkte seiner Kritik. Augenblicklich feiern autoritäre Strömungen leider wieder allerorten Erfolge. Strack-Zimmermann führte aus, dass die Werte der Aufklärung, die Menschenrechtsidee und der liberale Verfassungsstaat weltweit in die Defensive geraten seien und ergänzte spontan: "Übrigens auch in diesem Haus".
Wie zum Beweis reichten die "Europäischen Konservativen und Reformer" (ECR) kurz vor der Ausstellungseröffnung eine Protestnote ein: Die Ausstellung enthalte Darstellungen, die Donald Trump in ausdrücklich obszöner und erniedrigender, sexualisierter Weise zeigten. Zudem seien Motive dabei, die viele als beleidigend gegenüber religiösen Empfindungen betrachten würden. Mit der Ausstellung zeige Strack-Zimmermann mangelndes institutionelles Urteilsvermögen und fehlende Sensibilität. Solches Material solle in den Räumlichkeiten des Parlaments besser nicht zugelassen werden. Zudem ließen sie nicht unerwähnt, dass russische Behörden gegen Jacques Tilly ja auch rechtliche Schritte eingeleitet hätten.
Marie-Agnes Strack- Zimmermann ließ dies indes unbeeindruckt. Wer in der Politik ist solle sich selbst besser nicht immer ganz so ernst nehmen, riet sie und appellierte: "Wir werden jede Form der Satire unterstützen, auch und gerade dann, wenn sie uns selbst als Politiker betrifft. Denn Satire ist ein wahres Zeichen für Freiheit."
Die Ausstellung ist noch bis 6. März zu sehen. Die offizielle Ausstellungs-Broschüre finden Sie hier.






11 Kommentare
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Kommentare
Stefan Dewald am Permanenter Link
Das passt doch, schließlich hat sich das Trumpeltier eröffnung eine Protestnote ein: Die Ausstellung enthalte Darstellungen, die Donald Trump mit ausdrücklich obszönem und erniedrigenden, sexualisierten Verhaltens sch
Sybille Schmidt am Permanenter Link
Marie-Agnes Strack-Zimmermann von der liberalen Fraktion "Renew Europe": "Oh, smashing, groovy, yay capitalism!", Austin Powers
Gerhard Baierlein am Permanenter Link
Man sollte das Leben und die Politik nicht allzu ernst nehmen, es geht eh schneller vorbei als man denkt und man sollte es genießen und nicht Trübsinn blasen.
Bernie am Permanenter Link
Das Engagement von Herrn Tilly finde ich auch unterstützenswert, aber es hat schon mehr als ein "Geschmäckle", wenn Herr Tilly sich ausgerechnet von einer FDP-Politikerin im EU-Parlament unterstützen läßt, d
Bernie
AW am Permanenter Link
Sehr gut. Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen .
Jochen am Permanenter Link
Ich kann diesen Link zu "report24" leider nicht ernst nehmen - sorry!
https://www.derstandard.de/story/2000137564718/auf-1-report-24-und-wochenblick-russische-propaganda-aus-oberoesterreich
Bernie am Permanenter Link
@Jochen
Gut, akzeptiert, aber Sie finden im Worldwide Web sicher auch mehr als genug andere Links, die die ausgesprochene Klagefreudigkeit, und Meinungsfreiheitsgegnerschaft, der Frau Strack-Zimmermann von der FDP beweisen. Daher bleibe ich dabei Herr Jaques Tilly hätte sicher andere Ausstellungsförderer als "Frau Strack-Rheinmetall"(=Zitat Martin Sonneborn; DIE PARTEI; auch EU-Parlament) finden können. Vielleicht sogar Herrn Sonneborn selber? Oder ist der auch ein "russischer Agent" aus Kalten Kriegszeiten für Sie? Ironische Grüße Bernie
Bernd Kammermeier am Permanenter Link
Bravo! Wer Mist säht, wird Satire ernten. Wer viel Mist säht, wie die Rechten, die Rechtsgläubigen und die Rechtgläubigen, wird von Jacques besonders eindrucksvoll belohnt.
Wer von den Vorgestrigen das nicht will und auch nicht ertragen kann, der muss sein politisches Denken ändern, sein Verhalten. Wem das nicht gelingt, sollte auf politische Ämter verzichten - oder eben die zugespitzte Wahrheit in Form bunter Rosenmontagswagen erdulden.
Ihr Diktatoren der Welt - schaut auf diese Wagen...
Ihr könnt was daraus lernen - nicht verzagen!
freibold am Permanenter Link
Fraktion der "Europäischen Konservativen und Reformer"
...als ob dieser Name in sich nicht schon realsatirische Züge trüge.
Ulla Bonnekoh am Permanenter Link
Jacques Tilly hat es mit seiner Satire bis ins Foyer des Europäischen Parlaments geschafft. Das ist ein beachtlicher Erfolg und eine hohe Anerkennung seiner Arbeit. Herzlichen Glückwunsch Jacques Tilly!
Sunder Martin am Permanenter Link
Aber von wem kommt diese Anerkennung?
Leider von der unerträglichen Strack ...