Kompromisslos für die Gleichberechtigung von Frauen

Elizabeth Cady Stanton

* 12. November 1815 in Johnstown, New York; Δ 26. Oktober 1902 New York;
Bürgerrechtlerin und führende Persönlichkeit der Frauenrechtsbewegung in den USA. Sie setzte sich unermüdlich und kompromisslos für die Gleichberechtigung von Frauen ein. Ihre Kritik der rechtlichen, politischen und religiösen Diskriminierung der Frauen formulierte sie in zahllosen Reden, Manifesten, Briefen und Büchern.

Die Tochter eines Richters erhielt eine für Frauen zur damaligen Zeit außergewöhnlich gute Ausbildung, bei der schon ihre vielfältigen Talente hervortraten. Sie engagierte sich zunächst in der Bewegung gegen die Sklaverei, dort lernte sie 1840 auch ihren Mann kennen. Sie reisten zusammen zum Weltkongress gegen die Sklaverei nach London, wo sie die Quäker-Abolitionistin Lucretia Mott kennenlernten. Deren Einfluss und die Erfahrung, dass Frauen nur hinter einem Vorhang am Kongress teilnehmen konnten und keinerlei Stimme hatten, weckten ihre Überzeugung, dass Frauen zuallererst um ihre eigenen Rechte kämpfen müssen.

Im Juli 1848 organisierte sie in Seneca Falls, New York, gemeinsam mit Mott den ersten Frauenrechtskongress der Vereinigten Staaten. Er gilt als die Geburtsstunde der amerikanischen Frauenbewegung in den USA. Dabei wurde die nach dem Vorbild der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung formulierte „Declaration of Sentiments and Resolutions” verabschiedet, in der die Forderung nach dem Frauenstimmrecht mit einer scharfen Kritik am patriarchalischen Despotismus verbunden wurde. Ab 1851 arbeitete Elizabeth Cady Stanton eng mit der amerikanischen Frauenrechtlerin Susan Brownell Anthony (1820-1906) zusammen. 1869 gründeten Stanton und Anthony dann die National Woman Suffrage Association, eine Organisation, die das Frauenstimmrecht durch eine bundesweite Verfassungsänderung durchzusetzen versuchte.

Für Stanton, die selbst sieben Kinder hatte, stand die Entfaltung der individuellen Persönlichkeit der Frau, auch in der Ehe und während der Mutterschaft, als absoluter Wert an erster Stelle. Entsprechend engagierte sie sich in ihren Reden und Schriften für ein vielseitiges Programm, es ging ihr nicht nur um das Wahlrecht für Frauen. Sie forderte Reformen des Ehe- und Scheidungsrechts und bessere Bildungsmöglichkeiten für Frauen. Deutlich nahm sie auch gegen die Unterdrückung der Frau durch die Kirche Stellung. In ihrer Woman's Bible (1895-98) analysierte sie die frauenfeindlichen Auslegungen der Bibel und die von Kirchenmännern als von Gott gegeben vorgebrachten Argumente gegen die Frauenemanzipation.

Zitat:
„Es ist für Frauen keineswegs lobenswert, Basare und Wohltätigkeitsveranstaltungen zu organisieren für Kirchen, in denen die Begabtesten ihres Geschlechts weder beten noch predigen dürfen, keine Ämter innehaben und kein Stimmrecht besitzen, wenn es um Geschäfte, Glaubensdinge oder Kirchenordnung geht, und von deren Altären Bibelinterpretationen ausgehen, die die Unterdrückung der Frauen bezwecken.”