Berliner "Urgestein", Freidenker für Trennung Staat-Kirche

Adolph Hoffmann

* 23. März 1858 in Berlin; ∆ 1. Dezember 1930 in Berlin;
sozialdemokratischer Politiker des Kaiserreichs und der Weimarer Republik, Freidenker und langjähriger Vorsitzender der Berliner Freireligiösen Gemeinde. Er war ein vehementer Verfechter der Trennung von Kirche und Staat und hatte einen großen Anteil daran, diese in Deutschland im Zuge der Novemberrevolution durchzusetzen.

Als nichtehelicher Sohn eines Dienstmädchens und früh verwaist wuchs er in Heimen und bei Pflegeeltern auf. Bereits als Neunjähriger musste er für seinen Lebensunterhalt selbst aufkommen. In der Folge konnte er nur selten die Schule besuchen. Bis zum Lehrbeginn 1872 brachte er es nur auf reichlich drei Jahre Schulausbildung. Er fand dennoch eine Lehrstelle, lernte früh Ausbeutung und Unterdrückung kennen. 1873 schloss er sich der sozialdemokratisch beeinflussten freireligiösen Gemeinde an, was seine Politisierung förderte. Folgerichtig trat er dann mit 18 Jahren in die SPD ein. Obwohl er, teilweise durch gesundheitliche Einschränkungen bedingt, kaum seine Familie ernähren konnte, bildete er sich autodidaktisch weiter und bekam in der SPD schon in jungen Jahren wichtige Funktionen übertragen. Dem Verfolgungsdruck unter dem Sozialistengesetz entzog er sich 1884, indem er nach Halle übersiedelte. Auch dort gewann er schnell das Vertrauen seiner Genossen und kandidierte 1887 erstmals, wenn auch erfolglos, für den Reichstag.

1891, er war inzwischen Redakteur des sozialdemokratischen „Volksboten” in Zeitz, erschien seine berühmt gewordene Schrift „Die Zehn Gebote und die besitzende Klasse”, in der er die Doppelmoral der Herrschenden und die Rolle der Religion als Herrschaftsinstrument anprangert. Bis 1922 erreichte die Broschüre 15 Auflagen und weit über 100.000 verkaufte Exemplare. Sie bildete den Auftakt für die schriftstellerische und verlegerische Tätigkeit Hoffmanns, die ihm erstmals ein auskömmliches Einkommen sicherte. Im Jahr 1893 kehrte Hoffman nach Berlin zurück und eröffnete eine Verlagsbuchhandlung, die sozialistische und freidenkerische Literatur vertrieb, auch mit unterhaltendem Charakter und von ihm selbst verfasste.

Seine Karriere als Parlamentarier begann im Jahr 1900 in der Berliner Stadtverordnetenversammlung. 1904 gewann er ein Reichstagsmandat und gehörte 1908 zu jenen sieben Sozialdemokraten, denen trotz des Dreiklassenwahlrechts der Einzug in den preußischen Landtag gelang. Dort entwickelte er sich zum Spezialisten für Kultur- und Schulpolitik. Folgerichtig wurde Hoffmann am 12. November von der USPD, der er sich als entschiedener Gegner der Kriegspolitik angeschlossen hatte, als preußischer Minister für Wissenschaft, Kultur und Volksbildung benannt, musste sich das Amt aber mit Konrad Haenisch von der (M)SPD teilen.

In wenigen Wochen versuchte Hoffmann, dass gesamte schul- und kirchenpolitische Programm der Sozialdemokratie in praktische Politik umzusetzen. Die Trennung von Staat und Kirche, der Ausschluss der Kirchen aus der Schule und die rechtliche Gleichstellung der Dissidenten bildeten seine Ziele, die er auf dem Verordnungswege durchzusetzen versuchte. Dabei stieß er auf den erbitterten Widerstand von Seiten der Kirchen und der bürgerlichen Parteien. Auch die (M)SPD, die ihre Chancen beim überwiegend christlichen Wahlvolk geschmälert sah, rückte schnell von ihm und damit von ihrer eigenen Programmatik ab. Nach dem Bruch zwischen USPD und (M)SPD im Rat der Volksbeauftragten schied Hoffmann Anfang Januar 1919 aus dem Ministerium aus. Dennoch hat er mit seinen Initiativen einen wesentlichen Beitrag zur Durchsetzung der Trennung von Kirche und Staat, der weltanschaulichen Neutralität des Staates und der Gewissensfreiheit geleistet, wie sie in der Weimarer Verfassung dann ihren Niederschlag fanden.

Seine Enttäuschung über die Politik der beiden sozialdemokratischen Parteien in der Novemberrevolution führte ihn danach kurzzeitig in die Reihen der KPD. Er schloss sich jedoch bald Paul Levi's Kommunistischer Arbeitsgemeinschaft an und kehrte 1922 mit ihr in die SPD zurück. Dort war er weiterhin als Kulturpolitiker aktiv, wurde erneut Stadtverordneter in Berlin und 1928 auch wieder in den preußischen Landtag gewählt.

Zitat:

„Kein Himmel wird das Heil dir senden,
Es fällt aus keines Gottes Schoß,
Die Menschheit muss mit eig’nen Händen
Erkämpfen sich ein bess’res Los.”