Abschaffung der Hexenprozesse

Christian Thomasius

* 1. Januar 1655 in Leipzig, Δ 23. September 1728 in Halle (Saale);
deutscher Jurist und Philosoph.

 

Er studierte Physik, Mathematik, Geschichte und Philosophie an der Universität Leipzig und legte bereits 1671 seinen Baccalaureus ab. Die Rechtswissenschaften wurden sein Beruf. 1675 wechselte er an die Frankfurter Viadrina und hielt dort Vorlesungen. 1679 schoss er sein Jurastudium  mit der Promotion ab.  Nachdem er kurzzeitig in Holland weilte, ging er zurück nach Leipzig. Ab 1684 stellte sich Thomasius gegen die gesamte Gelehrtenschaft, wandte sich gegen Scholastik, Orthodoxie und Geisteserstarrung. Er wurde stark von Grotius und Pufendorf, Vertretern des deutschen Naturrechtsdenkens, beeinflusst. Ab 1687 hielt er die erste öffentliche Vorlesung in deutscher Sprache statt in Latein. Er wurde wegen seiner Aufklärungsphilosophie auf Betreiben der Theologen aus Leipzig vertrieben und ging daraufhin Halle. Er wurde Mitbegründung der dortigen Universität (1694). In seiner Philosophie stellt er die Sittlichkeit über das Recht, das es nach ihm außerhalb der Gemeinschaft überhaupt nicht gibt.
Er trug durch sein Eintreten für eine humane Strafordnung wesentlich zur Abschaffung der Hexenprozesse und der Folter bei. 1682 trat er in einer der ersten Publikationen „Institutiones jurisprudentiae divinae” für die Forderung der Trennung von Kirche und Staat ein. Thomasius führte einen Kampf gegen die Gültigkeit des römischen Rechtes in Deutschland. Die Bedeutung des heimischen Rechtes übertrug er auch auf das Feudalrecht, später auch auf Staats- und Strafrecht. Ab 1688 veröffentlichte er die „Monatsgespräche”, die gleichzeitig belehrend und unterhaltsam war. Die Professoren in Leipzig klagten dagegen, weil sie sich persönlich angegriffen fühlten. 1690 musste er deswegen nach Berlin fliehen, wo sich ein Verlag fand, der die gesamte Auflage veröffentlichte. 1710 wurde er zum Ordinarius der juristischen Fakultät der Universität Halle ernannt.