Der im März Oscar-prämierte Film "Konklave" erlebt derzeit einen Boom. Zwar ist der Film mittlerweile fast ein halbes Jahr alt, doch wurde er durch den Tod von Papst Franziskus unerwartet aktuell: Das Konklave, das einen der derzeitigen Kardinäle zum neuen Papst bestimmen wird, beginnt am 7. Mai.
Vorab eine Spoiler-Warnung: In diesem Text werden wesentliche Handlungsinhalte verraten. Wer den Film noch nicht gesehen hat, dies aber noch tun will, sollte den Text lieber erst im Nachhinein lesen.
"Konklave" ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Robert Harris. Der von Regisseur Edward Berger ("Im Westen nichts Neues") umgesetzte starbesetzte Film gewann in diesem Jahr den Oscar für das "beste adaptierte Drehbuch". Er beschreibt einen Wunschtraum wohlmeinender Gläubiger, die die Möglichkeit einer progressiven katholischen Kirche nicht aufgeben wollen. Der Film weiß das eigentlich langwierige und nicht besonders aufregende Prozedere einer Papstwahl geschickt als Thriller umzusetzen. Variierende Szenenwahl und eine indirekte Darstellung in den entscheidenden Momenten lassen keine Langeweile aufkommen. Pointierte Charaktere werden gezeichnet, die sich allesamt wesentlich realitätsverbundener präsentieren, als das bei echten Kardinälen der Fall ist, die meist schon vor Jahrzehnten, im Laufe ihrer langen Kirchenkarriere auf dem Weg in den Vatikan, die Bodenhaftung verloren haben.
Protagonist ist Dekan Thomas Lawrence (Ralph Fiennes), der eigentlich von seinem Amt hatte zurücktreten wollen, da er an der Institution Kirche zweifelt, nun aber die Papstwahl leiten muss. Er entwickelt sich unversehens zum Detektiv und deckt die Hintergründe unwürdiger Kandidaten auf, die einer nach dem anderen aus dem Rennen ausscheiden. Während er gleichzeitig seinem Vertrauten Aldo Bellini (Stanley Tucci), einem Reformer, auf den Papstthron verhelfen will. Dabei gerät er selbst in die Rolle eines Kandidaten, obwohl er das eigentlich nicht will – wie alle normalen Menschen, meint sein Freund Bellini: "Kein vernünftiger Mensch will auf den Papststuhl – die gefährlichen Männer sind die, die es doch wollen."
Es kommt zum Showdown. Bellini und Lawrence setzen alles daran, die Wahl des exzentrischen Kardinals Goffredo Tedesco zu verhindern und die Ära nach dem verstorbenen Papst, der Parallelen zu Papst Franziskus aufweist, nicht den Gegenreformisten zu überlassen. Um der Geschichte etwas übertriebene Action zu verleihen, passiert ein Sprengstoffanschlag in unmittelbarer Nähe. Die Fenster der Sixtinischen Kapelle, in der die Kirchenfürsten abgeschirmt von der Außenwelt brüten, zerspringen. Ein paar Kardinäle erleiden Schnittwunden. Noch immer staubbedeckt (wie bezeichnend) sitzen sie anschließend im Gästehaus Santa Marta zusammen. Hier zeigt Tedesco sein wahres Gesicht, spricht von einem Religionskrieg mit dem Islam. Da meldet sich ein Kardinal zu Wort, von dessen Existenz vor Beginn des Konklaves niemand außer dem verstorbenen Papst wusste: Der geheimnisvolle Erzbischof von Kabul mit mexikanischen Wurzeln: Vincent Benítez.
"Was wissen Sie vom Krieg?", fragt er. Er liest den Kardinälen die Leviten, bezeichnet sie als "kleinliche Gruppe von Männern", die nur an sich selbst, an der Wahl und an Macht interessiert sei. "Aber diese Dinge sind nicht die Kirche", behauptet er. Kirche sei nicht Tradition und Vergangenheit, sondern "das, was wir von jetzt an aus ihr machen". Und so wird der Underdog zum Papst. Und damit nicht genug: Am Schluss des Films stellt sich heraus: er hat eine Gebärmutter und Eierstöcke und ist genetisch eine Frau. Auch das findet Lawrence heraus. Doch er wird es für sich behalten und die Kirche wird tun, was sie immer tat: Dinge totschweigen. Wie viele queere Päpst:innen es wohl schon gab, ohne dass es je jemand erfahren hat? Ohne, dass es die Kirche gar feststellen konnte, mangels ausgereifter Methoden? Komischerweise ist die Apokalypse dennoch nicht eingetreten. Mit diesen Gedanken, die die Absurdität der kirchlichen Geschlechterpolitik einmal mehr offenbaren, lässt der Film den Zuschauer zurück.
Edward Berger: "Konklave". Spielfilm, USA / Vereinigtes Königreich 2024, 121 Minuten, FSK 6






1 Kommentar
Kommentare
Gerhard Baierlein am Permanenter Link
Diese Schmierenkomödie von der Beerdigung und der Neuwahl eines Papstes welche alle ohne jegliche produktive Arbeit in Saus und Braus leben und sich weiterhin an die Lüge eines erfundenen Gottes klammern und damit ein
im 21. Jahrhundert im Zeitalter der KI, der Raumfahrt, u.s.w. zudem Bewerkstelligen die Religionen weltweit nichts als Kriege und gängeln die Menschen mit Ihren Vorschriften und
Auflagen sowie Ritualen aus dem finstersten Mittelalter, wann erwacht die Menschheit endlich aus diesem Alptraum und kümmert sich um die realen Probleme der Erde und deren Bewohner, wieviel einfacher währe das Leben ohne die Geisel der Religionen, zudem würden überflüssig verschwendete Gelder frei für nützlichere Dinge des Lebens.