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Solange der Vorrat reicht

 

Hütet euch vor Dogmen!

 

Hier befinden sich Werbetext und Realität (in Klammern) einmal mehr auf Konfrontationskurs:

Es wird knapp (wird es nicht). Bereits beim Ferkelbuch kam es zu Lieferschwierigkeiten, weil mein Verlag Alibri aufgrund der unerwartet hohen Nachfrage mit dem Drucken nicht nachgekommen ist (was nichts mit dem neuen Buch zu tun hat). Möchten Sie auch ein Exemplar des Prometheus Trio erwerben, so bestellen Sie es besser jetzt gleich (oder irgendwann anders). Mir liegen nämlich Informationen von einer verlässlichen Quelle (Bruder Raffgier) vor, dass es auch mit dem Trio schnell knapp werden könnte.

Es zahlt sich aus, den Eindruck von Knappheit hervorzurufen. Prof. Cialdini berichtet von einer Studie, bei der Kunden auf die Knappheit von Rindfleisch und zusätzlich auf die Exklusivität dieser Information hingewiesen wurden. Sie haben sechsmal so viel Rindfleisch gekauft wie sonst. Ebenso ist nicht nur der Vorrat des Trios laut meinem Bruder Raffgier gering, sondern Sie erfahren über diese Knappheit exklusiv hier. Eine falsche Tatsachenbehauptung wäre das insofern nicht, als es ja tatsächlich knapp werden könnte mit den Stückzahlen, nämlich dann, falls der Trick mit der angeblichen Knappheit funktioniert und unerwartet viele Leute das Buch kaufen, um noch eines zu bekommen...

Merket auf!

Illustration aus dem Prometheus Trio (Klick!)An einem Produkt muss irgendetwas Besonderes sein, man muss es identifizieren und von anderen Produkten der gleichen Art unterscheiden können.

Als ich das Trio fertig geschrieben hatte, wies ich auf die Illustrationen von meinem „genialen, erhabenen Illustrator“ Helge Nyncke hin, „der schon für Goethe gearbeitet hat“. Und es ist ja ziemlich ungewöhnlich, heutzutage noch für Goethe zu arbeiten.

Am Tag des Erscheinens stellte ich weitere Besonderheiten heraus: Das Buch sei „der Schrecken der sieben Weltmeere“. Welches andere Buch kann von sich behaupten, von Meeren gefürchtet zu werden? Ferner gebe es kaum „religionskritische Bücher für junge Erwachsene und Leute, die nicht schon bei Plato studiert haben“, wie ich in einem Interview mit mir selbst anmerkte (und das stimmt ausnahmsweise sogar).

Sinn der Übung ist die Erzeugung von Aufmerksamkeit und die Erschaffung einer Markenidentität. Besonders erfolgreich darin war Coca Cola, denn obwohl die Testpersonen in Studien feststellen, dass ihnen Pepsi besser schmeckt, wenn ihnen die Marke bei der Kostprobe unbekannt ist, so kaufen sie in der Regel trotzdem lieber Coca Cola. Ebenso könnten doch Leser, denen andere Bücher besser gefallen, lieber meines kaufen?

Fazit

Wenn den Konsumenten die Tricks der Marketingstrategen bekannt sind, dann können sie eine wirklich autonome Kaufentscheidung treffen. Und im Gegensatz zu Coca Cola brauche ich davor auch gar keine Angst zu haben.


Andreas Müller