Extreme Wetterereignisse nehmen zu. Oft wird angenommen, dass steigende Schäden automatisch zu mehr Klimaschutz erziehen: Wer die Folgen spürt, so die Hoffnung, handelt entschlossener. Eine neue Studie unter Leitung von Manfred Milinski vom Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie und Stefania Innocenti (University of Oxford) stellt diese Annahme infrage. Selbst wiederholte Klimaschäden reichen demnach nicht aus, um gemeinsames Handeln zuverlässig zu stärken.
In einem Laborexperiment spielten Gruppen von jeweils sechs Personen ein "Klimaspiel" über zehn Runden. Jede Person erhielt ein Startbudget und entschied in jeder Runde, ob sie nichts, einen mittleren oder einen höheren Betrag in einen gemeinsamen Klimafonds einzahlt. Nur wenn die Gruppe am Ende eine festgelegte Zielsumme erreichte, durften alle ihr restliches Geld behalten. Verfehlte die Gruppe das Ziel, drohte mit hoher Wahrscheinlichkeit der vollständige Verlust des verbliebenen Budgets – als Modell einer Klimakatastrophe.
Simulierte Extremereignisse
Ein Teil der Gruppen war zusätzlich mit simulierten Extremereignissen konfrontiert. In bestimmten Runden kam es zu finanziellen Verlusten für alle – allerdings nur dann, wenn die Gruppe bis dahin nicht genug investiert hatte. In einer Variante blieben diese Verluste gering, in einer anderen stiegen sie von Ereignis zu Ereignis deutlich an.
Die Ergebnisse zeigen, dass kurz vor den kritischen Runden viele Gruppen zwar mehr einzahlten. Doch dieser Effekt hielt nicht an. Zwischen den Ereignissen sanken die Beiträge wieder. Entscheidend war etwas anderes: Ob eine Gruppe das Klimaziel erreichte, hing weniger von der Zahl oder Höhe der Schäden ab als davon, wie die Gruppe zusammengesetzt war.
Erpresserische Strategie geht auf
Die Forschenden beobachteten zwei wiederkehrende Rollen. Einige Teilnehmende verhielten sich konsequent kooperativ: Sie zahlten verlässlich ihren Anteil – so viel, wie nötig wäre, wenn alle gleich handeln würden. Andere hingegen beteiligten sich kaum. Sie setzten darauf, dass die anderen aus Angst vor dem gemeinsamen Verlust mehr zahlen würden. Diese "erpresserische" Strategie ging oft auf. Wer wenig beitrug, konnte am Ende viel mehr Geld behalten als diejenigen, die den Ausgleich leisteten.
Für die kooperativen Teilnehmenden war dieses Verhalten dennoch nachvollziehbar. Solange das Ziel noch erreichbar war, blieb es für sie die beste Option, die Lücke zu schließen – selbst wenn sie damit das Trittbrettfahren belohnten. Erst wenn zu viele sich entzogen, brach das System zusammen. Dann verfehlte die Gruppe das Ziel, und die Verluste trafen alle – auch jene, die kaum etwas beigetragen hatten. Die "Erpresser" haben einen unveränderbaren Typ. Sie sind, wie die Studie zeigt, nicht disziplinierbar. Sie haben in dieser wie in anderen Studien eine Häufigkeit von circa 40 Prozent und damit höchstwahrscheinlich auch im wirklichen Leben. Die Tatsache, dass der globale CO2-Ausstoß und die damit verbundene Temperaturerhöhung ungebremst weiter ansteigen, zeigt, dass die natürlichen Erpresser die fairen Mitmenschen weit überfordern.
Die Studie zeichnet damit ein ernüchterndes Bild, das über das Labor hinausweist. Schäden und Risiken allein schaffen noch keine Zusammenarbeit. Wenn ein Teil der Beteiligten dauerhaft nicht mitzieht, geraten die Engagierten unter Druck – bis ihre Ausgleichskraft erschöpft ist. Aus Sicht der Autoren unterstreicht das die Bedeutung verbindlicher Regeln und politischer Instrumente, die gemeinsames Handeln absichern und Trittbrettfahren begrenzen. Auf Einsicht durch Katastrophen zu hoffen, reicht also nicht aus. (mpg)






