Halal-Kommerz mit Islamisten

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Halal-Nahrungsmittel in einem kanadischen Supermarkt (Symbolbild)
Halal-Nahrungsmittel in einem Supermarkt

Was haben Unternehmen wie "Haribo", "Nordzucker", "Biofino" oder die "Pommes Freunde" mit Islamismus zu tun? Dieser Frage geht Sineb El Masrar nach und rückt den wachsenden Halal-Markt jenseits rein ökonomischer Betrachtungen in den Fokus. Denn unter den Halal-Zertifizierungsstellen befinden sich Organisationen, die von Sicherheitsbehörden als islamistisch eingestuft werden.

Was haben Unternehmen wie "Haribo", "Nordzucker," "Biofino" oder die "Pommes Freunde" mit Islamismus zu tun?1 Auf den ersten Blick: nichts. Auf den zweiten: Halal-Zertifizierungen. Halal bedeutet "erlaubt", als haram ("verboten") gelten unter anderem Alkohol, Blut oder Schweineprodukte. Fleisch muss zudem rituell geschächtet sein, weshalb auch koscheres Fleisch als halal gilt.

Um diese Regeln ist in den vergangenen Jahren ein milliardenschwerer Halal-Markt entstanden. Er reicht längst über Lebensmittel hinaus und umfasst Kosmetik, Pharmazeutika, Finanzprodukte oder Dating. Doch die rein ökonomische Perspektive greift zu kurz. Die französische Anthropologin Florence Bergeaud-Blackler beschreibt den Halal-Sektor in ihrem aktuellen Buch "Le Djihad par le marché"2 als möglichen Träger normativer und politischer Einflussnahme. Sie unterscheidet zwischen einem offenen, marktwirtschaftlichen Modell und einem religiös-normativen "Umma-Modell", in dem Halal-Standards gezielt genutzt werden, um Lebensführung, Identität und soziale Regeln zu prägen.

Sineb El Masrar ist Journalistin, Moderatorin und Buchautorin. Zu ihren Veröffentlichungen zählen "Emanzipation im Islam", "Muslim Girls – Wer sie sind, wie sie leben" und "Heult leise, Habibis!".

Auch in Deutschland gibt es Halal-Zertifizierungsstellen. Darunter befinden sich Organisationen, die von Sicherheitsbehörden als islamistisch eingestuft werden. So arbeitet das Europäische Halal Zertifizierungsinstitut (EHZ) in Trägerschaft3 der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş, abgekürzt IGMG, für Unternehmen wie "Haribo", "Biofino" und "CarboTech". Dazu sagt der Verfassungsschutz: "Die IGMG ist aktuell die größte islamistische Organisation in Deutschland."4

Geschäftlich aktiv ist auch das Islamische Zentrum München (IZM), unter anderem wies das Franchise der "Pommes Freunde" mit dessen Zertifikat den Halal-Status aus.5 Das IZM wird vom bayerischen Verfassungsschutz der Deutschen Muslimischen Gemeinschaft (DMG) zugerechnet – der wichtigsten und zentralen Organisation der verfassungsfeindlichen Muslimbruderschaft in Deutschland.6 Das Islamische Zentrum Hamburg (IZH) stellte ebenfalls Zertifikate aus, etwa an die Firma "Nordzucker"; es wurde 2024 verboten, da es die Ideologie der "Islamischen Revolution" in "aggressiv-kämpferischer Weise" vertrete, auf die Errichtung einer autoritär-theokratischen Herrschaft abziele und "aggressiven Antisemitismus" verbreite.7

Halal-Zertifizierung kann damit nicht nur religiöse Orientierung bieten, sondern auch finanzielle Mittel und Legitimität für islamistische Strukturen schaffen. Die genannten Unternehmen und ihre Kunden tragen dazu möglicherweise unwissentlich bei. Der Mathematiker Nassim Nicholas Taleb beschreibt dieses Muster als Einfluss intransigenter Minderheiten: Strikte Anforderungen von wenigen setzen sich durch, weil Mehrheiten aus Pragmatismus nachgeben.

Der Halal-Markt berührt nicht nur Fragen von Konsumfreiheit, sondern auch politischer Einflussnahme und Demokratie. Eine sachliche Debatte darüber ist daher mehr als überfällig.

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1 Belege für "Haribo" und "Biofino": eurohalal.eu/kundenauszug (archiviert am 9. Januar 2026); Beleg für Nordzucker: fodernordicsugar.dk (archiviert am 9. Januar 2026); Beleg für pommesfreunde.de (archiviert am 13. Januar 2026)

2 Florence Bergeaud-Blackler (2025): Le Djihad par le marché: Comment l'islam radical s'empare du marché halal. Paris: Odile Jacob. ISBN 978–2415013783

3 "Das 'Europäische Halal Zertifizierungsinstitut' (EHZ) gibt es seit 2001. Das EHZ ist eine gemeinnützige Organisation der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG). Im Zentrum unserer Dienstleistungen steht der muslimische Verbraucher. Das EHZ berät die Lebensmittelindustrie, prüft ihre Produkte und Produktionssysteme und zertifiziert sie europaweit, wenn sie den Halal-Richtlinien des EHZ-Gelehrtenrates entsprechen. Die Palette der Zertifizierungsdienste ist sehr breit gefächert. So prüft das EHZ neben Lebensmitteln auch Textilien, Chemikalien, Pharmazeutika und Kosmetika sowie Produkte aus dem Tourismus- und Finanzsektor." Aus dem Abschnitt "Über uns", Flyer Europäisches Halal Zertifizierungsinstitut (archiviert am 9. Januar 2026)

4 Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV): Islamismus in Deutschland 2025. Berlin 2025, S. 27 (archiviert

5 Beleg für das Zertifikat an "Mastercut Fine Foods" auf der Website pommesfreunde.de (archiviert am 13. Januar 2026) 

6 "Die DMG ist die wichtigste und zentrale Organisation von Anhängerinnen und Anhängern der MB in Deutschland. Verbindungen von DMG-Funktionären zu ausländischen Akteuren der MB belegen die Einbindung der DMG in ein weltweites MB-Netzwerk. Durch ihre an der MB-Ideologie ausgerichtete Strategie der Einflussnahme im gesellschaftlichen und politischen Bereich richten sich die Bestrebungen der DMG gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland. Ihre Klage gegen die Nennung im Verfassungsschutzbericht des Bundes nahm die DMG im August 2021 zurück. In Bayern wird das 'Islamische Zentrum München' (IZM) der DMG zugerechnet." Aus dem Verfassungsschutzbericht Bayern 2024, S. 68 (archiviert

7 Bundesministerium des Innern und für Heimat (BMI): "Islamisches Zentrum Hamburg e.V." (IZH) mit seinen bundesweiten Teilorganisationen verboten. Berlin, 24. Juli 2024 (archiviert