Aktuelle Studie zeigt:

Zusammenhang zwischen Klimawandel, Konflikt und Migration

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In den vergangenen Jahrzehnten wurden klimatische Bedingungen nicht selten für politische Unruhen, Bürgerkrieg und Migrationsbewegungen verantwortlich gemacht – bis jetzt allerdings ohne wissenschaftliche Evidenz. Nun bestätigt eine aktuelle Studie erstmals den Zusammenhang zwischen klimatischen Bedingungen, Konflikten und Migration.

Gemeinsam mit Guy Abel (Shanghai University, IIASA), Raya Muttarka (University of East Anglia, IIASA), Michael Brottrager (JKU Linz, WU, IIASA) widmete sich Professor Jesus Crespo Cuaresma, Leiter des Instituts für Makroökonomie an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU), der Frage nach dem kausalen Zusammenhang zwischen Klimawandel und Migration. Dabei zeigt sich: Unter bestimmten Umständen führen extreme klimatische Bedingungen zu Migrationsströmen. Das geschieht allerdings indirekt: Nämlich durch das Auslösen von Konflikten.

Die Studie macht deutlich, dass die wachsende Zahl an Dürreperioden und Wasserknappheit Konflikte und Krisen verstärkt. Beispielhaft zeigte sich dies während des sogenannten Arabischen Frühlings zwischen 2010 und 2012 an den politischen Unruhen in Tunesien, Libyen, Jemen und Syrien, in dem der Krieg mittlerweile zu einem anhaltenden Bürgerkrieg wurde. "In Syrien beispielsweise führten die langanhaltende Trockenheit und die Wasserknappheit aufgrund des Klimawandels zum Ausfall der Ernte. Zahlreiche bäuerliche Familien flohen in urbane Gebiete. Es entstand eine Überbevölkerung der Städte, viele Menschen waren ohne Arbeit, der Stein für politische Unruhen und Krieg war gelegt", so Prof. Jesus Crespo Cuaresma. Ähnliches zeigten die Studienergebnisse auch für die subsaharischen Länder Afrikas.

Nachdem Asylsuchende besonders von Konflikten betroffen sind, zogen die StudienautorInnen als Datenbasis die Asylanträge aus 157 Ländern aus den Jahren 2006 bis 2015 heran. Die Daten fußen auf den Erfassungen der United Nations High Commissions for Human Rights (UNHCR).

Zur Messung der klimatischen Bedingungen in den jeweiligen Herkunftsländern der Asylsuchenden nutzten Jesus Crespo Cuaresma und seine KollegInnen den Standardised Precipitation-Evapotranspiration Index (SPEI). Dieser misst Dürreperioden im Vergleich zu durchschnittlichen Klimabedingungen durch Identifikation von Anfang und Ende der Trockenheit sowie der Intensität auf Basis von Niederschlag, Verdunstung und Verdampfung sowie der Temperatur.

Zur Messung von Konflikt griffen die StudienautorInnen auf Daten zu kriegsbedingten Todesfällen des Uppsala Conflict Data Program (UCDP) zurück. Auch eine Vielzahl an sozioökonomischen und geographischen Daten wurden für die Untersuchung herangezogen, unter anderem die Distanz zwischen Herkunftsland und Zielland der Asylsuchenden, Bevölkerungsgröße, migrantische Netzwerke, politische Gegebenheiten innerhalb der Länder sowie ethnische und religiöse Gruppen. Anschließend wurde das gesammelte Datenmaterial in ein eigens entwickeltes Modell gegossen.

"Klimawandel wird nicht immer und überall Ursprung jedes Konflikts und des daraus resultierenden Migrationsstroms sein. Aber gerade im Kontext schwacher staatlicher Institutionen und mit einem mittleren Demokratieindex können extreme klimatische Bedingungen Konflikte aufgrund knapper Ressourcen ankurbeln", so Crespo Cuaresma.

Einig sind sich die StudienautorInnen auch darin, dass die gewonnenen Erkenntnisse zu durch Klimawandel induzierten Konflikten und darauffolgenden Migrationsbewegungen auch im Kontext der UN Sustainable Development Goals (Ziele für nachhaltige Entwicklung) Beachtung finden sollten. Aktuell würde dieser Zusammenhang noch nicht anerkannt, sondern Klimawandel und Migration als einzelne, voneinander unabhängige Felder behandelt werden. Zudem seien weitere Untersuchungen notwendig, um Migrationsbewegungen vollständig verstehen zu können.