Der Humanistische Verband Österreich unterstützt den Humanistischen Pressedienst

Willkommen Österreich!

Seit Anfang des Jahres ist der Humanistische Verband Österreich (HVÖ) Mitglied im Förderverein "Humanistischer Pressedienst e. V.". Gerhard Engelmeyer, Präsident des HVÖ, begrüßt die (österreichischen) Leser des hpd.

Alle Medien scheinen nach wie vor zu glauben, dass Österreich ein katholisches Land ist, wie es vor 100 Jahren tatsächlich der Fall war. Die reale Entwicklung wird einfach nicht zur Kenntnis genommen. Wenn das Thema aufkommt, werden Zahlen von rund 75 Prozent für Gläubige in Österreich genannt. Diese Mitglieder werden als "Gläubige" bezeichnet. Wahrhaft "gläubig" sind aber nur die wenigsten. Alle anderen sind entweder Taufscheinchristen, gezwungenermaßen Moslems, Kinder von Christen (die zu 50 Prozent austreten, wenn sie das dürfen), Menschen mit einer religiösen Erbtante und viele andere Gründe.

Wichtiger als die Mitgliedschaft ist die reale Glaubenssituation. Die erste und wichtigste Neuigkeit, die noch nirgends berichtet wurde, ist die: Die Menschen in Österreich sehen sich selbst mehrheitlich nicht mehr als gläubig an, 54 Prozent bezeichnen sich als areligiös – davon 10 Prozent dezidiert als atheistische Menschen (Quelle: Gallup Religiosity Study 2018 und alle 2 Jahre davor). In der Tat rangiert das Land unter den 10 top-atheistischen Ländern der Welt! Für diese atheistisch-humanistischen Menschen gibt es niemanden, der ihre Interessen wahrnimmt. Vielleicht auch deswegen, weil Religiöse laut sind, Humanisten sind eher tolerant, evidenzbasiert und aus Gewohnheit eher leise. Sie stört die Existenz von Religion gar nicht, wollen auch nicht missionieren und treten im Gegenteil auch für die Religionsfreiheit ein, während Religiöse – und das auch nur teilweise – erst seit der Aufklärung gelernt haben, dass man andere Religiöse auch respektieren sollte und nicht als "Verdammte" ansehen sollte.

"Wir wollen für die säkularen Humanisten in Österreich ein Presseportal sein, in dem man einschlägige säkulare Meldungen aus Österreich findet. Wir wollen aber auch ein Sprachrohr sein und wichtige Themen aufgreifen, die in den Medien häufig aus dem religiösen Blickwinkel, also einseitig gesehen werden, als wäre das die größte Selbstverständlichkeit." (G. Engelmeyer)

In der österreichischen Politik wird Atheismus völlig ignoriert und in den Medien wird der Eindruck erweckt, dass es sich bei der Religion um etwas Wichtiges im "normalen Leben" handelt, dabei "konsumieren" nur rund sechs Prozent der Bevölkerung die katholische Kirche und ihre Dienste wirklich. In den Zeitungen werden Predigten abgedruckt. Wöchentliche Kolumnen von Society-Priester Faber und Kräuterpfarrern suggerieren, dass Religion in unserem Leben von substantieller Wichtigkeit ist. Jede winzige Kleinigkeit im Leben des Papstes wird berichtet. Unlängst wurde sogar gemeldet, dass der Papst im Aufzug stecken geblieben ist. Wenn Päpste sterben, gibt es tagelange TV-Übertragungen. In Österreich ist interessanterweise im ORF die Religionsabteilung für den Atheismus zuständig, das ist, als müsste man vegane Lebensmittel in der Fleischerei kaufen.

Säkulare Pluralität als Normalität statt klerikale Einseitigkeit

Dabei geht es hier nicht um ein Hobby von einigen schrägen Köpfen, sondern um eine der wichtigsten geistigen Strömungen aus der Antike und seit der Aufklärung. In der Zeit des Christentums wurde der Atheismus verfolgt und ausgemerzt, indem er unter schwere Strafe gestellt wurde, wie dies heute noch in den theokratischen Ländern des Nahen Ostens der Fall ist. Erst die Aufklärer haben aus ihrem atheistischen Humanismus heraus das Recht auf Pluralismus erstritten, und zwar gegen den erbitterten Widerstand der Kirche.

Forderung: Ausgewogene Berichterstattung und Atheismus ist – bitteschön – keine Religion!

Atheistischer Humanismus ist eine ethische Haltung ohne Mitglieds- und Taufzwang. Man kommt dazu nicht durch die Elternentscheidung, sondern durch eine eigene intellektuelle Einsicht und geistige Anstrengung.

Wir müssen an einer ausgewogenen Berichterstattung und an einer demokratischen Vertretung aller Kräfte im Land interessiert sein, ob sie nun organisiert sind oder nicht. Dem dient auch dieser Pressedienst, der unserer Meinung nach in Österreich wirklich fehlt und eine dringende Ergänzung zu den Aufklärungsplattformen darstellt, die nun entstehen (zum Beispiel "Addendum").

Über diesen Punkt der Gleichbehandlung hinaus ist der Standpunkt der Säkularen wichtig, letzten Endes ist es doch der Standpunkt der Architekten unserer Verfassung. Es ist der Standpunkt der Aufgeklärten in diesem Land, der Standpunkt der gesellschaftlichen Weiterentwickler und der "ewig Morgigen", der Gegner der autoritär Gesinnten. Es ist der Standpunkt der Kreativen, der Phantasiebegabten, der Furchtlosen, die mit Optimismus statt mit Miesmacherei in die Zukunft blicken. Es sind die, die auch gewillt sind, eigene Anstrengungen in die Waagschale zu werfen, statt bußfertig und betend auf den Weltuntergang zu warten, was die zentrale Botschaft des Jesus von Nazareth war.

Das politische und offizielle Österreich ist nach wie vor religionsfreundlich ausgerichtet. Man spricht von einem "kooperativen" Verhältnis des Staates zur Kirche. Ist das in unserem angeblich säkularen Staat wirklich erwünscht oder sind es nur die Reste des autoritären Staates von vor hundert Jahren, die wir einfach noch nicht losgeworden sind? Ist es nicht selbstverständlich, dass man Religion kritisieren darf? Bei den Aufklärern hieß es, jede Revolution oder gedankliche Neuerung beginnt mit einer Häresie.

Nach 250 Jahren Aufklärung gibt es Menschen, die tatsächlich selbst zu denken wagen und für ihr Leben entscheiden wollen: Eigene Entscheidungen über ihren Bauch, ihr Schicksal, ihre Ethik, über die Erziehung ihrer Kinder, über ihre Menschenrechte, ihren Beruf, über ihr Lebensende. Sie haben gemerkt, wie wenig selbstbestimmt, das Leben ihrer Eltern und vor allem der Großeltern war, wie sehr das Individuum einem massenhaft verbreiteten komplexen Meme unterworfen wurde, und wie sehr es diesem "Memplex" mehr oder minder hilflos ausgeliefert war. Wie sehr dieser Memplex manchen sogar zum Unmenschen gemacht hat, weil es stärker war als das eigene Gewissen. Die Gemeinschaft der Heiligen wird oft sehr schnell zur Gemeinschaft der Scheinheiligen, wenn man an der Oberfläche kratzt. Dagegen hilft nur Hinschauen und Aufklärung.

HVÖ-Logo

Wir werden uns hier im hpd mit einer ganzen Palette von Themen befassen, die uns Humanisten wichtig sind, an erster Stelle ein neuer Ethikunterricht für alle. Die Argumentation dafür kann man auf den Seiten ethics4all.at nachlesen. Es ist ein Kernthema für die gesellschaftliche Umgestaltung Österreichs in ein liberales Land, das dem freien, denkenden, selbständigen Individuum verpflichtet ist. Im Interesse der Zukunft Österreichs kann man nur mit integrativen Maßnahmen eine friedvolle Gesellschaft heranziehen. Religion trennt die Kinder in unversöhnliche Cliquen wie überall auf der Welt. Von den Fortschritten auf diesem Gebiet Ethik in der Schule werden wir berichten.

Wir rufen vor allem die Medien dazu auf, sich hier im "Österreich-hpd" zu bedienen und zu sehen, was es im Humanismus Neues gibt und was die säkulare Szene bewegt. Vielleicht werden die österreichischen Medien entdecken, dass diese säkularen Anliegen die Österreicher mehr interessieren als die armselige Sensation, dass der Papst im Aufzug stecken geblieben ist.

Anregungen und Wünsche aus dem Kreis unserer Leser und Sympathisanten werden gerne entgegengenommen und aufgegriffen.

Gerhard Engelmayer
Präsident
Humanistischer Verband Österreich HVÖ

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