Iraner in Würzburg im Hungerstreik

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Asylbewerber im Hungerstreik

BERLIN.(hpd) Im baye­ri­schen Würzburg sind seit Dienstag acht ira­ni­sche Asylbewerber in den Hungerstreik getre­ten. Der Streik rich­tet sich vor allem gegen das schlep­pende Asylverfahren. Der Sprecher der Gruppe, Hassan Hosseinzadeh, war­tet seit nun­mehr vier Jahren auf die Anerkennung. Dem Ex-Muslim würde in sei­nem Heimatland zumin­dest eine lang­jäh­rige Haftstrafe, wenn nicht gar die Todesstrafe, dro­hen.

Der Zentralrat der Ex-Muslime hat sich in einer am Dienstag ver­öf­fent­lich­ten Pressemitteilung mit den Streikenden soli­da­risch erklärt. “Der Zentralrat der Ex-Muslime (ZdE) unter­stützt diese Aktion und ver­langt vom Innenministerium des Freistaats, eine humane und trans­pa­rente Asylpolitik zu gewähr­leis­ten. Besonders auch für Ex-Muslime und poli­ti­sche Dissidenten muss ein zügi­ges Asylverfahren das Bleiberecht in Deutschland sichern.”

In einem Interview mit der Süddeutschen spricht Hosseinzadeh über seine Enttäuschung. Aus einem unfreien Land sei er geflo­hen, weil er es nicht ertra­gen konnte, in sei­nem Leben der­ma­ßen ein­ge­schränkt zu wer­den. Mit “dass das nun Freiheit sein soll, seine Freiheit in der 'Gemeinschaftsunterkunft Würzburg', hat er nicht für mög­lich gehal­ten.” zitiert ihn die Süddeutsche.

In der Würzburger Unterkunft lebte auch Mohammad Rahsepar, der sich Ende Januar erhängte, da er die Bedingungen, unter denen die Asylbewerber leben müs­sen, nicht län­ger ertra­gen konnte. [1] Es hat den Anschein, als hätte diese Verzweiflungstat kei­nen Einfluss gehabt auf die Asylpolitik des Landes Bayern.

Die Stadt Würzburg ver­steht die Gründe für den Hungerstreik. In einem Bericht des Bayerischen Rundfunkes heißt es, dass die Situation in der ehe­ma­li­gen Kaserne “auch von der Stadt Würzburg kri­tisch gese­hen werde”. Deshalb “stehe man inhalt­lich hin­ter den Forderungen der Asylbewerber”.

In der Pressemitteilung der Streikenden heißt es: “Wir wer­den unse­ren Streik fort­füh­ren, bis die Verantwortlichen für die baye­ri­sche Asylpolitik mit uns ver­han­deln und wir die Anerkennung unse­res Asylantrags, sowie eine Verbesserung der Situation all der Schutzsuchenden in Deutschland errei­chen.”

Das zustän­dige Sozialministerium weist jedoch alle Vorwürfe von sich: “Die Regierung habe in den letz­ten vier Jahren ins­ge­samt rund 1,2 Millionen Euro für bau­li­che Verbesserungen in der Würzburger Gemeinschaftsunterkunft inves­tiert”, ließ der Sprecher des Ministerium laut epd ver­laut­ba­ren.

Ein Skandal jedoch muss genannt wer­den, was ein Mitarbeiter des baye­ri­schen Sozialministeriums Mina Ahadi auf ihre Bitte um Verbesserung der Bedingungen im Asylbewerberheim Würzburg geant­wor­tet haben soll: “Mir haben Menschen geschrie­ben: Wenn es denen hier nicht passt, sol­len sie doch nach Hause gehen.”

 

F.N.

 

[1] siehe hpd-Artikel http://hpd.de/node/12808 und http://hpd.de/node/12907

Bildquelle: Bayerischer Rundfunk