MÜNSTER. (hpd) Diese etwas altertümlich anmutende Überschrift passt zu einem Ereignis, das am Sonntag, dem 16. September in Münster stattgefunden hat. Münster, die Stadt, die im Wesentlichen durch die Universität und den Bischofsitz geprägt wird, streitet seit Wochen um den Namen eines zentral gelegenen Fleckens. Schloss- oder Hindenburgplatz? Das war in Münster die Frage!
Der markante innerstädtische Platz, um den sich der Bürgerentscheid drehte, hieß viele Jahrzehnte „Neuplatz“, bis er 1927 von den damaligen Stadtvätern zu Ehren des 80. Geburtstages von Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg umbenannt wurde.
Das Skurrile an der Geschichte ist, dass der Platz schon kurz nach dem 2. Weltkrieg hätte umbenannt werden müssen, denn die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges duldeten gemäß eines Beschlusses des Alliierten Kontrollrates keine Straßennamen, die in irgendeiner Weise an das 3. Reich erinnerten. Das galt aus gutem Grund auch für den Hindenburgplatz in Münster. Doch warum auch immer - die Umbenennung fand nicht statt und wurde auch nicht geahndet.
Erst im März 2012 entschied der Rat der Stadt Münster mit einer deutlichen Mehrheit von 53 zu 23 Stimmen, dem besagten Platz den Namen „Schlossplatz“ zu geben. Wenn man so will, ist dieser Beschluss die verspätete Umsetzung einer Anordnung der Siegermächte des Zweiten Weltkrieges und wäre vielleicht nur eine kurze Meldung wert gewesen.
Doch der Rat hatte die Rechnung ohne seine Bürger gemacht, von denen einige eine Unterschriftensammlung organisierten und sich so gegen die Umbenennung wehrten. Die Demokratie in Münster funktionierte, der Rat tagte erneut und das Ergebnis war noch eindeutiger. 62 Stimmen gab es für die Umbenennung in Schlossplatz und nur noch 14 waren für die Beibehaltung des alten Namens.
Dem Rat einer Stadt mit Bischofsitz und umstrittenen historischen Charakteren wie der des Kardinals von Galen, dem so genannten „Löwen von Münster“ scheint es wichtig zu sein, die Stadt von noch mehr heiklen Andenken zu säubern. Hindenburg gehört ohne jeden Zweifel zur Kategorie sehr umstrittener historischer Persönlichkeiten.
In wieweit Paul von Hindenburg tatsächlich Hitler zur Macht verholfen, ob er nur gleichgültig geblieben oder das Falsche getan hat, darüber streiten die Historiker, denn die Konstellationen in den letzten Tagen der Weimarer Republik waren alles andere als überschaubar. Eine Mitschuld an der Machtergreifung der Nationalsozialisten trägt er definitiv.
Wie auch immer seine Rolle gesehen wird, Paul von Hindenburg hat schon deshalb keinen Anspruch auf Verewigung in bundesdeutschen Straßennamen, weil er einer der bedeutenden Militaristen in der Geschichte Deutschlands und Europas gewesen ist. Hindenburg war nicht nur Soldat, Offizier und General, der Befehlen gehorchte. Er drängte sich über seine Karriere beim Militär in die Politik. Durch die Ablehnung von Friedensangeboten und die Eröffnung des uneingeschränkten U-Boot-Krieges ist er mitverantwortlich für den massenhaften Tod und die Verlängerung des Ersten Weltkrieges. Dass er von 1925 bis 1934 deutscher Reichspräsident werden konnte, verdankte er seinen fragwürdigen Kriegserfolgen, die nichts nützten und Deutschland nach der Niederlage in eine tiefe Krise stürzten.
Für die öffentliche Anerkennung dieses Mannes setzten sich nun Bürger von Münster ein und hofften, dass der Bürgerentscheid zu ihren Gunsten ausfällt. Wer diese Menschen sind, welcher politischen Richtung sie angehören, das bleibt anonym. Diesen Menschen rechtes Gedankengut zu unterstellen, wäre anmaßend. Sicherlich sind einige darunter, aber es wird auch welche geben, die sich an den Namen des Platzes gewöhnt haben und dem Neuen gegenüber unaufgeschlossen sind, sich für Geschichte nicht interessieren und für die Folgen kein Gespür haben.
Und Folgen könnte die Rückbenennung haben und der Platz zum Wallfahrtsort für rechte Kreise werden können.
Die Bewegung „Pro NRW“ hat derartige Aktivitäten bereits angekündigt und wollte ein Volksfest auf dem Hindenburgplatz veranstalten. Überall, wo diese verbalen Bombenleger auftreten, gibt es Ärger, weil diese Bewegung in jüngster Zeit sowohl demokratische Kräfte auf den Plan bringt aber auch extremistische Kräfte provoziert.
Weitere rechte Gruppierungen hätten sich das Demonstrationsrecht erstreiten und den Platz als Aufmarschplatz missbrauchen können. Deutschland hätte eine potentielle rechte Gedenkstätte mehr. Die Hindenburgplatz - Befürworter behaupten, dass es auf dem Platz bisher nie Probleme gegeben hat. Doch denen sei gesagt, dass der Ort bis zum Bürgerbegehren nicht diese Öffentlichkeit erfahren hat.
Die Befürworter des Hindenburgplatzes sollten sich die ehemalige Pilgerstätte der rechten Szene in Wunsiedel vor Augen halten. Auch wenn die Person Hindenburgs im Augenblick nicht den Stellenwert wie die des Hitler-Stellvertreters Hess genießt, das Wegfallen von Wunsiedel und anderer Orte, könnte Münster für rechte Kreise interessant machen.
Würden rechte Organisationen Münster für sich entdecken, was viele im Falle des Sieges der Hindenburg-Fraktion vermuten, dann hätte die Stadt anderen Kommunen gegenüber einen gewichtigen „Vorzug“. In der Stadt befindet sich die Deutsche Polizeihochschule. Deren Studenten könnten dann ihr Einsatz-Praktikum vor Ort absolvieren, wenn sie Aufmärsche der Rechten zu schützen hätten, demokratische Kräfte fern halten müssten und gezwungen wären, sich in Straßenschlachten zu bewähren.
All das bleibt Münster erspart. Die Mehrheit der Menschen in der Stadt kann sich, wie das Wahlergebnis zeigt, damit anfreunden, dass ihr Platz nicht mehr an Hindenburg erinnert.
Das alles ist ein Stück Demokratie gepaart mit gesundem Weitblick.
Thomas Häntsch





