Zweimal wegen Religionskritik verurteilt

Richard Carlile

9. Dezember 1790 bei Ashburton, Devonshire, Δ 10. Februar 1843 in London;
entschiedener Kämpfer für das allgemeine Wahlrecht und die Pressefreiheit in England, stritt für ein säkulares Schulwesen, die Rechte von Frauen und gegen Kinderarbeit.

 

Carlile stammte aus einfachen Verhältnissen, konnte aber für sechs Jahre kostenlos die örtliche kirchliche Schule besuchen. Seine dort gemachten Erfahrungen trugen aber dazu bei, dass er sich später vehement für ein weltliches Schulwesen einsetzte.

Er lernte Zinngießer und ging nach London. Als er, aufgrund einer wirtschaftlichen Rezession auf Kurzarbeit gesetzt, kaum mehr seine Familie ernähren konnte, erwachte sein politisches Interesse. Dabei entdeckte er die Schriften des Reformers Thomas Paine. Um diese weiterzuverbreiten und seine politischen und beruflichen Aktivitäten zusammenzuführen, gründete er gemeinsam mit einem politischen Freund, der Drucker war, einen kleinen Verlag. Sie brachten politische Schriften in kleinen Heften und fortschrittliche Zeitschriften zu günstigen Preisen heraus. Darin begann Carlile nun selbst zu schreiben. Seine Kritik an den herrschenden politischen und sozialen Verhältnissen und die Herausgabe von verbotenen Schriften brachten ihn 1819 für insgesamt sechs Jahre ins Gefängnis, u. a. auch wegen Blasphemie.

Er hatte nicht nur das religionskritische Werk von Thomas Paine, „Age of Reason” veröffentlicht sondern vertrat auch in seinen eigenen Artikeln deistische Anschauungen. Seine Frau und deren Schwester, die nach seiner Inhaftierung seine Zeitschrift „The Republican” fortführten, wurden dann ebenfalls verurteilt.

Nach seiner Freilassung blieb er publizistisch und politisch tätig. Ein von ihm in London eröffnetes Versammlungslokal entwickelte sich zum Treffpunkt von Republikanern und Religionskritikern. 1826 veröffentlichte er das Buch „Every Woman”, welches Geburtenkontrolle und die sexuelle Emanzipation der Frauen befürwortete. Nachdem es 1830 in London zu Unruhen gekommen war, wurde er erneut, diesmal zu 2 ½ Jahren Gefängnis, verurteilt. Gleichzeitig war es der Regierung gelungen, durch gezielt gegen ihn gerichtete Steuern auf Zeitungen, die diese für einen großen Teil seiner Leserschaft zu teuer machten, sowie Geldstrafen, seine wirtschaftliche Existenz zu ruinieren. Nach seiner Freilassung lebte er deshalb lange Zeit in extremer Armut.

Zitat:
„The fable of a god or gods visiting the earth did not originate with Christianity.”