Der Mensch mit eigenem Verstand ist die Zierde des Universums

William Godwin

* 3. März 1756 in Wisbech (Nord Cambridgeshire), Δ 7. April 1834 in London;
englischer Philosoph und Schriftsteller. In seinen philosophischen wie in seinen literarischen Schriften, vertrat er aufklärerische und anarchistische Gedanken.

Mit seinen Romanen beeinflusste die englische Literatur der Romantik nachhaltig.

Der Sohn eines Priesters einer streng calvinistischen Glaubensgemeinschaft wurde zunächst selbst Prediger. Sein Interesse an den Schriften der Aufklärer führte jedoch schon bald dazu, dass er seinen Glauben und sein Amt aufgab. Er ging nach London und lebte dort als Schriftsteller und Journalist, der für eine regierungskritische Zeitung schrieb.

Unter dem Eindruck der französischen Revolution erschien 1793 sein wichtigstes philosophisches Werk, "Enquiry Concerning Political Justice, and its Influence on General Virtue and Happiness".(„Eine Untersuchung über politische Gerechtigkeit und ihren Einfluss auf Tugend und Glück aller") Als Anhänger der ursprünglichen Ideale der Revolution kritisierte er deren gewalttätige Entartung und entwickelte sein Konzept, das in dem Entwurf einer Gesellschaft auf der Grundlage absoluter Freiheit und ökonomischer Gleichheit eines jeden Individuums gipfelte, die keines Staates bedarf. Die Wurzeln für die zahlreichen Übel der bestehenden Gesellschaft sieht Godwin in der Herrschaft des Privateigentums und in der Staatsgewalt. Der Staat hemme die menschliche Selbstbestimmung, da er selbst in seiner demokratischsten und liberalsten Form die Verkörperung des Herrschaftsprinzips ist und Herrschaft nicht nur zur moralischen Pervertierung derjenigen führt, welche sie ausüben, sondern auch derjenigen, welche ihr unterworfen sind. Deswegen kann es nicht darum gehen, die staatlichen Institutionen zu reformieren. Vielmehr gilt es, die Menschen endgültig vom Staat zu befreien. Mit diesen Thesen wurde Godwin zum ersten Theoretiker des Anarchismus, auch wenn er diesen damals noch mehr als heute negativ besetzten Begriff nicht benutzte.

Gewalt zur Durchsetzung politischer Ziele lehnte er ab, weil sie nur zur Entstehung neuer autoritärer und gewaltsamer Strukturen beitrage. Er setzte ganz auf die Erziehung zur Vernunft, die die Menschen zur Einsicht in die Erfordernisse sozialen und moralischen Handelns bringen werde.

1796 fand Godwin, dem die Emanzipation der Frauen selbst ein wichtiges Anliegen war, in der bekannten Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Mary Wollstonecraft eine kongeniale Partnerin. Dass die beiden heirateten nachdem sie schwanger geworden war, ist als Konzession an die restriktive Moral ihrer Zeit zu betrachten, denn beide waren sich in der entschiedenen Ablehnung der Institution Ehe einig. Als Wollstonecraft bereits im folgenden Jahr bei der Geburt der gemeinsamen Tochter starb, war das für ihn ein herber Schicksalsschlag. In der Folge gab er ihren Nachlass heraus.

Zitat:
„Solange der Mensch seinen eigenen Verstand befragt, ist er die Zierde des Universums. Wenn der Mensch seine Vernunft aufgibt und Parteigänger des blinden Glaubens und passiven Gehorsams wird, ist er das schädlichste aller Lebewesen."