Als erstes österreichisches Bundesland richtet Niederösterreich eine "Beobachtungsstelle Radikaler Islam" ein. Ziel ist es, Radikalisierungstendenzen frühzeitig zu erkennen, Hinweise systematisch zu sammeln und Entwicklungen zu erkennen, ehe sie eskalieren.
Die Beobachtungsstelle wird beim Institut für Sicherheitsforschung der FH Wiener Neustadt angegliedert und soll den Landessicherheitsrat durch jährliche Berichte und Handlungsempfehlungen informieren. Zudem soll die Geschäftsstelle der neuen Einrichtung als Präventions- und Beratungsstelle fungieren. Sie soll Bürger, Gemeinden sowie Lehr- und Kita-Personal beraten, etwa wenn sie Anzeichen für allmähliche Radikalisierung bei jungen Menschen vermuten. Präventionsarbeit wird eine weitere Aufgabe der neuen Geschäftsstelle. Dabei kooperiert sie mit der Kinder- und Jugendanwaltschaft, die Kinderrechte überwacht und als Ombudsstelle fungiert.
Außerdem plant man eine enge Kooperation mit der Landespolizeidirektion Niederösterreich, dem Landesamt für Staatsschutz und Extremismusbekämpfung und der Dokumentationsstelle Politischer Islam des Bundes. Darüber hinaus können Bürgerinnen und Bürger per Mail oder Kontaktformular Hinweise an die Geschäftsstellen melden, etwa bei Fällen von vermuteter Radikalisierung an Schulen. Zur Unterstützung und Beratung wird ein Beirat mit Fachleuten eingerichtet. Beobachtungsstelle, Geschäftsstelle und Beirat sollen bis Ende März die Arbeit aufnehmen.
Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner von der bürgerlich-konservativen ÖVP betonte anlässlich der Einrichtung der Beobachtungsstelle, dass Radikalisierung kein plötzlicher Ausnahmezustand sei, sondern ein schleichender Prozess. Deshalb brauche man Wissen, Analyse und frühes Handeln. "Mit der Beobachtungsstelle Radikaler Islam schaffen wir ein wissenschaftlich fundiertes Frühwarnsystem, das Entwicklungen erkennt, bevor sie zur Gefahr werden. Prävention heißt Verantwortung zu übernehmen – für Sicherheit, für Zusammenhalt und für den Schutz unserer demokratischen Werte. Niederösterreich steht dabei klar und unmissverständlich: Der radikale Islam hat bei uns keinen Platz und der Schutz unserer Bevölkerung steht an oberster Stelle." Die Anzahl der Ermittlungen im Bereich islamistischer Extremismus habe sich laut Mikl-Leitner in den letzten zehn Jahren verdreifacht und liege aktuell im dreistelligen Bereich.
Niederösterreichs Landesvize Udo Landbauer von der rechtspopulistischen FPÖ begrüßt die neue Beobachtungsstelle als "eine Struktur, die wissenschaftliche Tiefe mit praktischer Schlagkraft verbindet". Nach seiner Ansicht müsse man "die Islamisierung unserer Heimat" stoppen und die "Unterwanderung aufhalten". Die Drahtzieher des Politischen Islam würden Parallelgesellschaften schaffen, die darauf abzielten, die demokratische Grundordnung zu zerstören. Von weltanschaulicher Neutralität ist die niederösterreichische Regierung dennoch weit entfernt. So verweist Mikl-Leitner auf ihr "klares Bekenntnis zum Kreuz als Symbol unserer Werthaltung".
Bereits im April 2025 beschloss der Landtag von Niederösterreich einen Aktionsplan gegen den radikalen Islam. Er schreibt unter anderem eine Mitwirkungspflicht für Eltern im Kindergarten vor und droht mit bis zu 2.500 Euro Strafe. Zudem verbietet er die Vollverschleierung für Beschäftigte im Landesdienst.






