„Zehn Gebote“ - Kintopp

Du sollst nicht stehlen – auch nicht bei anderen Filmen!

Für einen Film mit dem Titel „Die Zehn Gebote“ fällt auf, dass sich der Film nicht nur eng an der Bibel orientiert, sondern auch an den einschlägigen Vorgängern „Die Zehn Gebote“ mit Charlton Heston, von 1956),und eben „Der Prinz von Ägypten“ von 1998. Da es sich um das selbe Thema handelt, ist hier vieles verzeihlich, aber „Die Zehn Gebote“ übernimmt zahlreiche Szenen entweder sehr ähnlich (z.B. ähnelt die Szene, in der Mose auf einem Esel durch die Stadt flieht, optisch z.T. sehr stark an das Wagenrennen zwischen Moses und Ramses zu Beginn von „Der Prinz von Ägypten“) oder gleich quasi eins zu eins (z.B. die Darstellung des „Todesengels“, der die ägyptischen Kinder umbringt).

     
Todesengel 1998 (Der Prinz von Ägypten) Todesengel 2007 (Die Zehn Gebote)

Die Figur von Moses Gegenspieler Dathan – der in der Bibel gar nicht vorkommt – wurde gleich komplett aus dem Film von 1956 übernommen und offensichtlich auch noch nach dem damaligen Schauspieler Edward G. Robinson modelliert. Das sind nur einige der zahlreichen Ähnlichkeiten.

 Bibeltreu? Nur, wenn es passt!

Obwohl der Film beansprucht, weitgehend bibeltreu zu sein, weicht er doch in entscheidenden Punkten von der biblischen Darstellung ab – und zwar immer dann, wenn sich Gott oder Mose in der Bibel nach heutigen Maßstäben unethisch verhalten.

So ermordet in diesem Film Mose den ägyptischen Sklaventreiber nicht, wie in der Bibel (2. Mose/Exodus 2,11-12), sondern er tötet ihn in Notwehr bzw. es handelt sich quasi um einen Unfall. Auch das Massaker, das Mose zur Strafe für die Anbetung des goldenen Kalbs unter den Israeliten anrichten lässt (2. Mose/Exodus 32,15-29), kommt nicht vor. Stattdessen bedient sich der Film einmal mehr bei Cecil B. DeMilles Version von 1956 und lässt das goldene Kalb zusammen mit Dathan und den abtrünnigen Israeliten, in einer Erdspalte verschwinden.

Gegen Ende schließlich vermittelt der Film den Eindruck, die „Eroberung des gelobten Landes“ sei völlig friedlich vonstatten gegangen. Das Land sieht aus wie von Menschen unbesiedelt, die Israeliten scheinen einfach über den Jordan zu gehen, als handele es sich um ein Picknick. In der Bibel schickten die Israeliten allerdings zunächst Spione in die feindlichen Städte (Josua 2). Außerdem erteilte Gott ihnen den Befehl, alles Leben in den eroberten Städten auszulöschen (Männer, Frauen, Kinder, Greise und Vieh) – damit die Einwohner die Israeliten nicht zum Abfall vom Glauben verführen konnten (5. Mose/Deuteronomium 7): Die Konsequenz des Ersten Gebots eines intoleranten Monotheismus.

Du sollst nicht lügen – auch nicht in Bezug auf die Zehn Gebote!

Die Ausblendung der grausamen Bestrafung für die Götzenanbetung sowie die Unterschlagung des göttlichen Befehls zum Genozid ist umso bemerkenswerter, als sich die EKD in den Presseinformationen zum Film zu der Behauptung versteigt, die moderne Gesellschaft sei ohne die Zehn Gebote – so wörtlich – „nicht denkbar“.

Dem farbfilm-Verleih, der für das Marketing eines religiösen Films sinnigerweise mit einem Roten Stern firmiert, gelingt es als Agentur der EKD in seinen „Produktionsnotizen“ in einem Absatz gleich ein halbes Dutzend Falschdarstellungen, Behauptungen und Lügen zu formulieren.
(Zitat:) „Die Zehn Gebote sind eine der ältesten gesetzlichen Regelungen, die einerseits das Verhältnis von Gott zu den Menschen ansprechen, andererseits das Verhältnis der Menschen untereinander regeln. Die Werteordnung unserer westlichen Gesellschaft basiert auf diesen Geboten, gleichermaßen wie die französische oder amerikanische Verfassung oder die UN-Menschenrechtscharta. Die Zehn Gebote gehören zu den "Basics" christlicher Verkündigung. Darüber hinaus sind sie sowohl das Urmaterial der Gesetzgebung in allen westlichen Zivilisationen als auch die unbestrittene Grundlage unserer Kultur: Emanzipation der Geschlechter, soziale Gerechtigkeit, Sozialgesetzgebung, Demokratie und Schulpflicht, das Recht des Kindes auf Kindheit sind ohne die Zehn Gebote nicht denkbar.“

Dieser Text findet sich auch auf der EKD-Internetseite „Unsere Zehn Gebote“.

Das ist schlichtweg gelogen (übrigens ein Verstoß gegen das 8. Gebot). Wenn die Filmemacher die biblischen Geschichten an heutige ethische Prinzipien anpassen müssen, dann zeigt das nicht nur, dass sich unser Empfinden dafür, was richtig und falsch ist, in den letzten dreitausend Jahren (glücklicherweise!) weiterentwickelt hat, sondern dass die biblischen Texte mit unserem heutigen Verständnis nicht in Einklang zu bringen sind.