„Zehn Gebote“ - Kintopp

Erste deutsche Beurteilungen zurückhaltend

Die ersten Rezensionen in Deutschland sind sich darin einig, dass die Qualität recht dürftig ist. So schreibt der Film-Dienst dass generell auf simplifizierende Gegensätze gesetzt werde. „Das gilt insbesondere für die lausige Animation, die weit hinter dem ‚State of the Art’ zurückbleibt. Optisch erinnert der Film an Videospiele der ersten Generation, in denen die Bewegungen der Figuren noch ähnlich unbeholfen wirkten und es kaum eine Interaktion mit der Umwelt gab.“ Und: „Wie wenig in eine eigenständige Ästhetik investiert wurde, offenbaren am deutlichsten die visuellen Anleihen, die von „Shrek“ (fd 34 929) bis „Das fünfte Element“ (fd 32 718) ungeniert das Bilderreservoir von Fantasy und Science Fiction plündern.“

Auch die Rezensentin von evangelisch.de, einer neuen Internetseite der evangelischen Kirche, von der man eher Gutes für die EKD erwarten darf, kann ihre Kritik am Film nicht verhehlen: „Insgesamt hätten der Dramaturgie der Geschichte deutlichere Akzente und etwas Humor gut getan. Um Ernsthaftigkeit bemüht erscheinen auch die Zeichnungen. Die Gesichter wirken etwas zu glatt und flach, manche Bewegungen holprig. Die Amination erinnert mehr an Computerspiele oder Fernsehformate und reicht an den Charme der Großmeister der Animation wie Disney oder Pixar nicht heran.“

Die Ankündigung des Jahres 2007, das dieser Film der erste aus einer Zwölfer-Serie werden solle, "Epic Stories From the Bible" und von denen zwei bis vier jährlich erscheinen sollten, hat sich bisher nicht bestätigt.

Im Dezember soll der Film übrigens im deutschen Fernsehen auf RTL und Super RTL gezeigt werden.

Fazit

Ziel der EKD ist offensichtlich, mit dem Film ein weiteres Medium für den Unterricht über die „Zehn Gebote“ zu haben, nicht zuletzt um ihre dreiste Behauptung weiter zu verbreiten, die Errungenschaften moderner Zivilisation seien ohne die Zehn Gebote „nicht denkbar“.

In Anbetracht der extrem negativen Kritiken aus den USA, die sich in erster Linie an der bereits 2007 billig wirkenden Computergrafik festmachen, was sich auch in ersten Bewertungen aus Deutschland bestätigt, bleibt abzuwarten, welcher Erfolg dem Film in Deutschland beschieden sein wird.

Da der Film allerdings darauf angelegt ist, im Schul- bzw. Konfirmandenunterricht gezeigt zu werden – und es sich die Jugendlichen dabei nicht aussuchen können, ob sie den Film sehen wollen oder nicht – ist der anfängliche Kassenerfolg des Films für die EKD wohl eher nachrangig.

Mit dem Film und dem zugehörigen Unterrichtsmaterial verfügt die EKD nun über ein Paket, das über Jahre hinweg in Schulen zum Einsatz kommen wird und das den obigen Behauptungen (die übrigens auch von den meisten Kino- und Spielfilmseiten im Internet kritiklos übernommen wurden) eine große Verbreitung bescheren wird.

Eingemottet werden kann vermutlich die DVD „Unsere 10 Gebote“, die von der ekd-media für 19,95 vertrieben wird und die identische Zielgruppe der Sechs- bis Dreizehnjährigen hat. Auch „Unsere Zehn Gebote“ des Matthias-Films (10 x 15 Minuten, Euro 34,95) bekommt kircheninterne Konkurrenz. Durch den neuen Animationsfilm wird die christliche Medienarbeit jedoch weiter komplettiert, die sich u. a. schon in weiteren „Unsere Zehn Gebote“ mit Internetseite und Sendungen im KiKa (Kinderkanal) um Aufmerksamkeit bemühte.

Diese Aufmerksamkeit kann man der EKD nur wünschen, denn es deutet darauf hin, dass Jugendliche, wenn sie sich denn mit dem Christentum und der Bibel überhaupt noch auseinandersetzen, von diesen Geschichten mit brennenden und sprechenden Götterbäumen, sich teilenden Flüssen, etc. nicht für die intellektuelle Überzeugungsfähigkeit der so genannten christlich „Botschaft“ positiv eingestimmt werden können, im Gegenteil.

Matthias Krause