Die beiden Berliner Politikwissenschaftler Monika Deutz-Schroeder und Klaus Schroeder legen mit dem Buch "Linksextreme Einstellungen und Feindbilder" die Fortsetzung einer früheren Arbeit zu linksextremistischen Einstellungen in der Bevölkerung und linksextremistischen Bestrebungen in der Gesellschaft vor. Ihre Linksextremismus-Skala basiert nicht auf demokratietheoretischen Erwägungen, sondern auf jeweiligen Lektüreeindrücken, was nur ein Grund für besonders hohe Ergebnisse ist, wobei sich die statistischen Einzelerkenntnisse auch noch inhaltlich widersprechen.
Robert B. Reich, ehemaliger Arbeitsminister unter Bill Clinton und heutiger Professor für Politikwissenschaft, beklagt in "Rettet den Kapitalismus!" nicht nur die wachsende soziale Ungleichheit in den USA, sondern auch deren politische Folgen für die Demokratie. Der Autor schreibt mit leichter Hand und gut verständlich über Dynamiken, die auch in Deutschland eine Rolle spielen könnten und macht berechtigterweise auf Änderungsmöglichkeiten von menschlichen Entscheidungen aufmerksam.
Das von Fabian Virchow, Martin Langebach und Alexander Häusler herausgegebene "Handbuch Rechtsextremismus" ist eigentlich ein "Handbuch zur Rechtsextremismusforschung", vermittelt es doch einen Eindruck zu den Forschungen zu bestimmten Themenbereichen. Die Beiträge liefern einen überaus informativen Überblick, stammen auch von Kennern der Materie, die aber mitunter doch zu einer etwas einseitigen Darstellung im Sinne ihrer Ansätze neigen.
Die Journalistin Karen Krüger berichtet in ihrem Buch "Eine Reise durch das islamische Deutschland" von Eindrücken an verschiedenen Orten muslimischen Lebens und betont dabei die Vielfalt in den konkreten Erscheinungsformen. Es handelt sich um einen locker geschriebenen Reisebericht, der als solcher mit interessanten Kommentaren verstanden werden sollte.
BONN. (hpd) Der Journalist Abdel Bari Atwan legt mit "Das digitale Kalifat. Die geheime Macht des islamischen Staates" eine Darstellung zur Entwicklung des IS vor. Entgegen des Titels gibt es keine Schwerpunktsetzung auf die digitale Komponente der islamistischen Organisation, gleichwohl wird ihre Entwicklung und ihre Praxis kompetent beschrieben und kommentiert.
BONN. (hpd) Der Politik- und Religionswissenschaftler Michael Blume deutet in seinem Buch "Verschwörungsglauben. Der Reiz dunkler Mythen für Psyche und Medien" Konspirationsvorstellungen als religiöses Problem. Seine Auffassung überzeugt angesichts der Glaubensdimension von Verschwörungsanhängern, wird aber in seinem Buch etwas durcheinander und umständlich erläutert.
BONN. (hpd) Der Politikwissenschaftler Matthias Quent legt mit "Rassismus, Radikalisierung, Rechtsterrorismus. Wie der NSU entstand und was er über die Gesellschaft verrät" eine Studie zum Thema vor. Während der erste Teil zu methodischen Fragen eher beschreibend und einseitig gehalten ist, gelingt dem Autor im zweiten Teil eine Rekonstruktion einer sicherlich diskussionswürdigen, aber wichtigen Deutung des NSU-Radikalisierungsprozesses.
BERLIN. (hpd) Raoul Schrott ist ein genialer lyrischer Stimmenimitator. Das Gilgamesch-Epos, altägyptische Liebeslyrik und Hesiod hat er nachgedichtet. Dieser unerschrockene poetische Gaukler zauberte nun die erste atheistische Bibel aus seinem Zylinder. Ein gewisser Matthias Knutzen soll sie 1674 veröffentlicht haben. Im Norddeutschen vor 370 Jahren bei Eiderstedt geboren und in Krempe als Hauslehrer tätig. Seine Spuren verlieren sich in Italien.
BONN. (hpd) Der Kommunikations- und Medienwissenschaftler John David Seidler legt mit "Die Verschwörung der Massenmedien. Eine Kulturgeschichte vom Buchhändler-Komplott bis zur Lügenpresse" eine Studie zur Bedeutung von Medien für die Verbreitung von Konspirationsvorstellungen vor. Damit bereichert er die Forschung zum Thema und kann die Relevanz von Medien überzeugend begründen, wobei dies gleichwohl überaus umständlich und mit dem nicht ganz passenden Mittel der Textanalyse geschieht.
BERLIN. (hpd) Der amerikanische Philosoph Harry G. Frankfurt macht sich Sorgen um die Reichen. Sein Buch "Ungleichheit. Warum wir nicht alle gleich viel haben müssen" wurde viel und eher positiv besprochen. Dass muss einen nicht unbedingt wundern, denn den Wunsch den "Umverteilungsreflex" – so Sandra Pfister in einer Besprechung im Deutschlandfunk – zu stoppen, haben viele.
BONN. (hpd) Der als Buchautor und Fernsehgast bekannt gewordene Förster Peter Wohlleben legt in "Das Seelenleben der Tiere. Liebe, Trauer, Mitgefühl – erstaunliche Einblicke in eine verborgene Welt" gut verständlich und locker geschriebene Berichte über die Glücks- und Leidensfähigkeit von Tieren vor. Deutlich wird dabei, dass sie nicht dumpfe Bioroboter mit genetischem Code sind und demnach die Notwendigkeit eines anderen Umgangs mit ihnen besteht.
BONN. (hpd) Die Journalistin Diana Johnston deutet in ihrem Buch "Die Chaos-Königin. Hillary Clinton und die Außenpolitik der selbsternannten Weltmacht" die wohl erste US-Präsidentin als Kandidatin der Kriegspartei im Polit-Establishment. Zwar kann die Autorin gut begründet auf bedenkliche Auffassungen und Handlungen von Clinton in der Vergangenheit verweisen, sie arbeitet für eine differenzierte und seriöse Kritik aber zu sehr mit Übertreibungen und Zuspitzungen.
BERLIN. (hpd) Vogelbilder können Weltbilder enthalten. Man muss sie nur zu lesen verstehen wie der Ire Hugh Ridley, langjähriger Professor für Germanistik am Dublin University College. Er hat nun nach einem Buch "Darwin becomes Art" "Eine Geschichte der Vogelmalerei in Deutschland. Ornithologie, Illustration und Kunst 1508 - 1914" geschrieben. Sie führt von Dürer über den großen Köthener Ornithologen der Goethe-Zeit Johann Friedrich Naumann bis zu Nolde.
BONN. (hpd) Die beiden Politikwissenschaftler Thomas Grumke und Rudolf van Hüllen legen mit "Der Verfassungsschutz. Grundlagen, Gegenwart, Zukunft?" ein Buch vor, worin sie insbesondere die Bürokratisierung bei der Extremismusbeobachtung beklagen und konkrete Reformvorschläge zur Verbesserung vortragen. Beide Autoren lehnen sowohl die "Endlich abschaffen" wie "Weiter so"-Positonen ab, nehmen eine differenziert-kritische Position ein und liefern aus der Perspektive von ehemaligen Verfassungsschutzmitarbeiter eine interessante und spannende Studie zum Thema.
BONN. (hpd) Der von Wolfgang Frindte, Daniel Geschke, Nicole Haußecker und Franziska Schmidtke herausgegebene Sammelband "Rechtsextremismus und 'Nationalsozialistischer Untergrund'. Interdisziplinäre Debatten, Befunde und Bilanzen" enthält 21 Aufsätze vom Forschungsstand über Detailanalysen bis zu Präventionsmaßnahmen. Die meisten Beiträge liefern aus wissenschaftlicher Perspektive beachtenswerte Erkenntnisse, insgesamt fehlt es dem Sammelband aber an einer klaren Struktur.