Veranstaltungsbericht

Alle Alternativen am Lebensende: Hospizliche Begleitung zu Hause

selbstbestimmtes_sterben_oldenburg_vortrag_hispizdienst.jpg

Rund 100 Interessierte lauschten dem Vortrag von Wibke Heß im Kulturzentrum PFL in Oldenburg.
Zuhörer im Kulturzentrum PFL Oldenburg

Vergangene Woche sprach Wibke Heß vom ambulanten Hospizdienst Oldenburg über die Möglichkeiten einer Hospiz-Begleitung im eigenen Zuhause. Dazu eingeladen hatte der in Norddeutschland aktive Arbeitskreis Selbstbestimmtes Sterben Oldenburg.

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Sterbehilfe besagt, dass Bürger Suizidhilfe in Anspruch nehmen dürfen. Voraussetzung ist jedoch, dass sie auch über alle Alternativen zur Suizidhilfe informiert sein müssen. 

Um der geforderten umfassenden Aufklärung über Alternativen nachzukommen, hatte der Arbeitskreis bereits im Vorjahr zu einem Vortrag über die Palliativ-Versorgung in Oldenburg eingeladen. Daran anknüpfend erläuterte Wibke Heß nun in einem sehr engagierten und informativen Vortrag die gesamten Möglichkeiten der hospizlichen Begleitung sowie weitere Unterstützungsangebote des Ambulanten Hospizdienstes Oldenburg.

Der Ambulante Hospizdienst für Erwachsene, der schwerkranke Menschen und ihre Angehörigen begleitet, entlastet und unterstützt gehört dabei ebenso dazu wie Beratung zu palliativen Möglichkeiten, psychosozialen Hilfen sowie zu Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung. Neben einem breiten Bildungsangebot gibt es auch den Kinder- und Jugendhospizdienst, der Familien oft über viele Jahre hinweg ab Diagnosestellung begleitet.

Außerdem ist die Trauerbegleitung nach einem Suizid Teil des Angebots. Das hat aus Sicht des Arbeitskreises Selbstbestimmtes Sterben eine besondere Bedeutung, denn Kritiker von Sterbehilfevereinen bemängeln häufig, dass diese nach einem assistierten Suizid keine Begleitung der Hinterbliebenen vorhalten. Der Arbeitskreis findet daher eine Kooperation zwischen Sterbehilfeorganisationen und Hospizdiensten für erstrebenswert, da letztere über große Erfahrung in der Trauerarbeit verfügen und beide Akteure letztlich das gleiche Ziel verfolgen: Menschen am Lebensende zu unterstützen und ihre Angehörigen zu entlasten.

Online-Beratung für Jugendliche

Ein wichtiges Angebot des Hospizdienstes ist die bundesweite Online-Beratung über die Plattform da-sein.de. Sie richtet sich anonym und kostenfrei an junge Menschen in Krisensituationen und wird von speziell geschulten Ehrenamtlichen im Alter von 16 bis 26 Jahren durchgeführt. Gerade für Jugendliche, die Hemmschwellen gegenüber klassischen Beratungsstellen haben, stellt dieses niedrigschwellige Angebot eine wertvolle Unterstützung dar.

Der Hospizdienst arbeitet zudem eng mit dem Palliativwerk Oldenburg zusammen. Heß informierte über die Möglichkeiten der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV).

Diskussionspunkt: Weitergabe von Kontaktdaten an Sterbehelfer

Eine Diskussion entstand, als aus dem Publikum die Frage gestellt wurde, wie der Hospizdienst damit umgehe, wenn schwerkranke Menschen sich – trotz umfassender Aufklärung über palliative Möglichkeiten – letztlich für die Inanspruchnahme eines ärztlichen Sterbehelfers entscheiden möchten. Konkret wurde gefragt, ob Heß in solchen Fällen Kontaktdaten weitergeben würde.

Wibke Heß verneinte dies deutlich. Sie betonte, dass die Vermittlung zu Sterbehelfern oder Sterbehilfeorganisationen – und sei es nur das Weiterreichen eines Kontakts an den Sterbewilligen – nicht zum Aufgabenbereich der Hospizarbeit gehöre. Die Hospizbewegung sei auf Begleitung, Linderung und Unterstützung ausgerichtet – nicht auf die Organisation eines assistierten Suizids.

Die Vortragende argumentierte, dass das eigenständige Recherchieren des Sterbewilligen nach einem Sterbehelfer oder einer entsprechenden Organisation eine andere Qualität habe. Nur wer selbst aktiv werde, zeige aus ihrer Sicht damit einen reflektierten und stabilen Sterbewillen.

Hospiz- und Palliativarbeit leisten sehr gute und unverzichtbare Unterstützung für Menschen am Lebensende. Gleichzeitig bleibt die assistierte Selbsttötung für viele Menschen eine relevante Option, die sie informiert und selbstbestimmt abwägen möchten. Der Arbeitskreis Selbstbestimmtes Sterben Oldenburg sieht seine Aufgabe darin, alle diese Optionen transparent darzustellen – ohne weltanschauliche Vorgaben, aber mit Respekt vor der Autonomie jedes Einzelnen.

Unterstützen Sie uns bei Steady!