ZWICKAU. (hpd) Im Sexual- wie Religionsverhalten sind Fetische lebende oder tote Gegenstände, die als Stimulantien der Erregung und Befriedigung dienen. Eine ähnliche Funktion, so scheint es, hat die Atheismus-Kritik in kirchlichen Zusammenhängen.
(hpd) Die Wirtschaftswissenschaftlerin Marianna Mazzucato macht in ihrem Buch “Das Kapital des Staates. Eine andere Geschichte von Innovation und Wachstum” deutlich, dass Neuerungen insbesondere in der Technologie auf die Initiative des Staates und nicht auf den Wagemut von Unternehmern zurückzuführen sind.
(hpd) Der Philosoph Franz Josef präsentiert in dem Band “Rebellion der Selbstachtung. Gegen Demütigung” anhand von Alltagsbeispielen ebenso wie anhand von Klassikerpositionen seine Reflexionen zum Thema. Dabei wirkt der Band indessen aufgrund der ebenso richtigen wie unverbindlichen Einschätzungen mehr wie eine Ansammlung interessanter essayistischer Betrachtungen, aber ohne innovative inhaltliche Zuspitzung.
BERLIN. (hpd) Als Kurator am Londoner Zoo erforschte Desmond Morris in den Fünfzigern die künstlerische Begabung des Schimpansen Congo. Sein Buch über das Tierische im Menschen, “Der nackte Affe”, machte ihn in den Sechzigern als populärwissenschaftlichen Autor weltberühmt. Nun hat er ein hinreißendes Buch über Eulen geschrieben.
WEIMAR. (hpd) Im Zentrum des “westlichen” Menschenbildes stehe die Idee des selbstbestimmt entscheidenden und handelnden Individuums, heißt es von den Herausgebern des Buches “Fremdkontrolle. Ängste – Mythen – Praktiken”. Dennoch würde aber gerade in diesem Zivilisationskreis die Vorstellung einer Bewusstseinskontrolle von außen viele Menschen in den Bann ziehen.
(hpd) Der Islamwissenschaftler Guido Steinberg legt mit “Al-Qaidas deutsche Kämpfer. Die Globalisierung des islamistischen Terrorismus” eine ausführliche Darstellung zur Entwicklung des Phänomens mit Deutschland-Bezug dar. Es handelt sich um eine überaus informative und sachkundige Darstellung, die große Aufmerksamkeit verdient, hier und da aber wäre etwas mehr Analyse wünschenswert gewesen.
(hpd) Mit dem Bild des geharnischten und deshalb sich selbst behindernden und auch sonst (mangelnde Sicht wie beschränkte Aussicht) benachteiligten Sportlers beschrieb Klaus von Dohnanyi in “Der Spiegel” vom 24. September 1990 (Ausgabe 39) die für ihn weitgehend aussichtslose Lage ostdeutscher Betriebe nach der deutsch-deutschen Wirtschafts- und Währungsunion Mitte 1990.
(hpd) Der anarchistische Theoretiker Peter Kropotkin legte in seinem Buch “Die Eroberung des Brotes” von 1892 die Grundzüge einer Gesellschaft auf Basis des Gemeineigentums ohne Staat vor. Zwar geht der Klassiker der politischen Theorie von einem einseitig altruistischen Menschenbild aus, welches sein Modell letztendlich scheitern lässt, er macht aber auch auf eine Fülle von heute noch beachtenswerten Forderungen, Legitimationsproblemen und Missständen aufmerksam.
Irgendwann wird es jetzt ja wohl doch langsam Winter werden und dann freut man sich über schöne Bücher, die man im warmen Zuhause gemütlich lesen kann.
(hpd) Der französische Ökonom Thomas Piketty legt mit seinem Buch “Das Kapital im 21. Jahrhundert” eine voluminöse Untersuchung zur historischen Entwicklung von Einkommen und Vermögen vor, welche auf Basis umfangreichen Datenmaterials in der Erkenntnis “Wer hat, dem wird gegeben” mündet.
(hpd) Der britische Historiker Richard Evans kritisiert in seinem Buch „Veränderte Vergangenheiten. Über kontrafaktisches Erzählen in der Geschichte“ die auch unter Historikern zunehmende Tendenz zur Spekulation über alternative Geschichtsverläufe.
BERLIN. (hpd) Gedanken können nicht versteinern, und Gedanken hinterlassen keine Spuren. Dennoch schrieb Michael Tomasello “Eine Naturgeschichte des menschlichen Denkens”. Ganz in der alten humanistischen Tradition, in der Biologie als Naturgeschichte verstanden wurde. Darin steckt freilich zugleich einiges utopische Potential.
(hpd) Rechtzeitig zu einem aktuellen Jahrestag hat Katrin Rohnstock eine wichtige Anthologie von Erinnerungen herausgegeben: “Mein letzter Arbeitstag. Abgewickelt nach 89/90. Ostdeutsche Lebensläufe.” Das ebenso spannende wie aufklärende Buch erschien pünktlich 25 Jahre nach der “Wende” in der DDR.
(hpd) Der Islamwissenschaftler Behnam T. Said legt mit “Islamischer Staat. IS-Miliz, al-Qaida und die deutschen Brigaden” eine erste Monographie zum Thema vor, welche auch ein ausführliches Kapitel zu den Deutschen im syrischen Jihad enthält.
WEIMAR. (hpd) Dieses Buch aus dem Frankfurter Zambon-Verlag wird die eifernden “Free-Tibet-Aktivisten”, die Dalai-Lama-Fans und die Esoteriker aus “dem Westen” nicht erfreuen. Denn nicht zu Unrecht hat sein Autor, der Luxemburger Albert Ettinger, die Worte “Freies Tibet” mit einem Fragezeichen versehen.